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Udo Seiwert-Fauti informiert seine Zuhörer im Kulturhaus Osterfeld kenntnisreich über Schottland. Foto: Späth
Udo Seiwert-Fauti informiert seine Zuhörer im Kulturhaus Osterfeld kenntnisreich über Schottland. Foto: Späth
20.11.2015

„Schottland ist mehr als Whisky“

„Am Morgen nach einer schlaflosen Nacht nach dem Referendum über die Unabhängigkeit Schottlands ging ich über die Straße und sah zum Himmel: Er war schwarz, es regnete“, erinnert sich Udo Seiwert-Fauti. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Das Gespräch – Fragen der Zeit“ berichtete der Journalist, der lange in Schottland lebte, im Kulturhaus Osterfeld von seinen Erfahrungen und beantwortete Fragen der Zuhörer.Anhand von vielen Hintergrundinformationen, die er als einziger deutscher Journalist, der beim schottischen Parlament in Edinburgh akkreditiert ist, besitzt, zeichnete er ein tiefgreifendes politisches und soziales Stimmungsbild von Schottland.

Seit dem Unabhängigkeitsreferendum im September 2014 stehe Schottland europaweit nicht mehr nur für Whisky und schöne Landschaften. Der politische Trend zur Unabhängigkeit ist zum wichtigen Thema geworden. Nach dem Referendum scheine es ruhig geworden zu sein in Schottland, der Eindruck täusche jedoch. Im vergangenen Jahr habe es bemerkenswerte Veränderungen gegeben, der Regen am Tag nach dem Referendum könnte tatsächlich ein Zeichen für einen Umbruch gewesen sein: Schottlands Regierungspartei Scottish National Party (SNP), die sich für die Unabhängigkeit ausspricht, hatte nach dem Referendum etwa 20 000 Mitglieder. Heute hat sich die Zahl der Parteimitglieder mehr als verfünffacht, im schottischen Parlament besitzt die SNP die absolute Mehrheit.

Blaupause für Beteiligung

Die Unterschiede zwischen englischem und schottischem Parlament seien groß, vor allem der schottische Humor bei den politischen Verhandlungen sei einzigartig. In Hinblick auf erneuerbare Energien und Ölvorkommen sei Schottland England überlegen. Schottland sei nicht zuletzt aufgrund von dieser Entwicklung zu einer Art Blaupause für neue Politikbeteiligung geworden und das schottische Streben nach Unabhängigkeit reihe sich ein in eine europaweite Bewegung zurück zur Nation und stärkerem Identitätsbewusstsein. Katalonien und die Färöer-Inseln strebten danach, und selbst Bayern kokettiere gelegentlich gerne mit der Unabhängigkeit. Gerade deshalb sei es wichtig, den aktuellen politischen Entwicklungen in Schottland mehr Aufmerksamkeit zu widmen, so Seiwert-Fauti.