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01.07.2016

Schreibwettbewerb: Der große Schreck - Respekt! Schluss mit Mobbing

Hey, gleich kommt die alte Schachtel!“, grölte Torsten lauthals durchs Klassenzimmer. „Genau! Ich hab‘ da echt überhaupt keinen Bock drauf!“, gab Fabian seinen Senf dazu. Theo meinte: „Mathe – wer braucht schon sowas!“ Doch plötzlich öffnete sich die Tür und Frau Sägebrecht trat ein.

„Ich habe alles gehört“, sagte sie trocken. Erst jetzt bemerkten die Schüler einen kleinen, hageren Jungen mit blonden Haaren und einer Nickelbrille auf der Nase. Er trottete hinter der Lehrerin her. „Ein Streber“, flüsterte Torsten. Fabian lachte. „Fabian und Torsten!“, donnerte Frau Sägebrecht, „Seid still!“ „Das ist Pelle“, erklärte sie, „Er hat die fünfte Klasse übersprungen und kommt jetzt zu uns.“

An Pelle gewandt fügte sie hinzu: „Schau mal, da neben Charlotte kannst du dich hinsetzen.“ Der Neue setzte sich. „Was für ein Looser“, lästerte Torsten in der Pause und blickte Beifall heischend zu Mona. Er fand sie toll. „Ja, voll der Streber“, meinte diese und begann, ihre Nägel zu lackieren. „Hey Pelle! Mann, du bist echt uncool!“ Die Jungen lachten. Charlotte blickte von ihrem Handy auf. „Lasst Pelle in Ruhe und haut gefälligst ab!“, blaffte sie Torsten und dessen Kumpanen an. „Reg dich nicht so auf! Wir begrüßen ihn nur!“, entgegnete Torsten.

„Sehr witzig!“ Charlotte starrte ihn hasserfüllt an. „Du verstehst keinen Spaß, oder?“, spottete ihr Gegenüber. „Oh doch, das tue ich“, meinte das rothaarige Mädchen, „nur ist das, was ihr tut, kein Spaß mehr!“ „Ach ja?“ Fabian musterte sie. „Ja. Und jetzt verschwindet!“ „Ist gut, die Pause ist sowieso um“, versuchte nun Pelle die aufgebrachte Charlotte zu beruhigen, doch diese schnaubte nur wütend. ln der nächsten Schulstunde waren Charlotte und Pelle sehr still. Pelle meldete sich nur zweimal, meistens blickte er traurig nach vorne. Einmal flüsterte Charlotte ihm zu: „Du kannst mich Charlie nennen, wenn du willst.“ Pelle nickte.

Jeden Tag pöbelten die Jungen Charlie und Pelle an. Torstens Sprüche wurden immer gemeiner. Das machte Charlotte wütend und Pelle mit jedem Mal trauriger, doch eines Tages kam Frau Sägebrecht ins Klassenzimmer und verkündete stolz: „Wir unternehmen heute einen kleinen Ausflug! Wie ihr bestimmt schon wisst, wird auf dem Rummelplatz heute die neue, schaurige Gruselvilla eröffnet. Wir werden sie noch vor der offiziellen Eröffnung testen!“ Die Schüler brachen in lauten Jubel aus. Torsten prahlte: „Ich gehe alleine durch und bringe euch eine Hand von so einem Knochengerippe mit!“ „Oh ja, das ist cool! Ich auch!“, rief Theo laut. Fabian fragte angeberisch: „Soll ich dir ein Zombiehirn mitbringen, Mona?“ „Igitt! Wie ekelhaft!“, kicherte diese. Fünf Minuten später machten sich alle auf den Weg. „Pelle“, sagte Charlotte leise, „ich weiß, wie wir es den Jungs so richtig heimzahlen können!“ „Ach ja? Wie denn?“, wollte Pelle wissen. „Naja, in der Grundschule hatte Torsten eine Riesenangst vor Spinnen und Hexen. Aber jetzt rate mal, wovor er richtig Schiss hatte!“ „Äh, vielleicht vor Vampiren?“ „Genau! Er hat, als wir damals ein Buch über Graf Dracula gelesen haben, ein Theater gemacht, als stände er vor dem Blutsauger persönlich!“ Charlotte lachte. Pelle runzelte die Stirn. ,,Ja, das ist lustig, aber was hat das damit zu tun, dass wir es ihm heimzahlen wollen?“, fragte er. Einen Moment später hellte sich seine Miene auf.

„Stimmt! Wir gehen ja in eine Gruselvilla!“, rief er laut. ,,Auch schon bemerkt?“, stichelte Torsten und erntete lautes Lachen von seinen Freunden. Charlie warf ihr rotes Haar wütend zurück. Pelle bewunderte das Mädchen für ihren Mut und ihr Temperament. Auf dem Rummelplatz stand die Klasse vor einem riesigen Haus, an dessen Eingang ein Skelett in einem knarzenden Schaukelstuhl saß. Frau Sägebrecht ordnete an: „Ich teile euch jetzt in Fünfergruppen ein. Dann geht ihr in regelmäßigen Abständen ins Haus hinein. Klar?“ „Klar“, bestätigte die Klasse. „Gut. Dann teile ich euch ein; Gruppe 1 geht zuerst.“ Während ihre Klassenlehrerin die Gruppen einteilte, dachte Charlotte fieberhaft nach. Plötzlich entdeckte sie einen als Vampir verkleideten Mann, der am Geisterhaus lehnte. „Warte hier“, flüstere sie Pelle zu und verschwand hinter einer Mauer. Als sie wieder auftauchte, sagte sie: „Ich habe einem Darsteller von unserem Problem erzählt. Er hat versprochen, dass Torsten eine einmalige Gruselshow erleben wird!“

Im Geisterhaus war es düster und kühl. ln fast jeder dunklen Ecke lauerte etwas Unheimliches. Frau Sägebrecht musterte Torsten und sagte: „Du wolltest doch alleine hinein, oder? Das darfst du jetzt. Viel Spaß!“ Torsten wurde bleich, nickte aber. Entschlossen stapfte er auf den Eingang zu. Kurze Zeit später schlüpften Charlie und Pelle hinein. Sie folgten Torsten mit einigem Abstand. Plötzlich schritten aus einer Tür, die Torsten öffnen wollte, fünf blutrünstige Vampire. Torsten schrie wie am Spieß. Einer der Vampire trat auf ihn zu. „Hallo! Wen haben wir denn da? Ein kleines, mickriges Menschlein! Du bist bestimmt gut durchblutet!“ Der Vampir entdeckte Charlotte und zwinkerte ihr verschmitzt zu. Torsten aber bibberte vor Angst, schaute die Vampire entsetzt an und gab Fersengeld. Doch aus den Türen, an denen er vorbeirannte, kamen Hexen und Zombies. Zur Krönung versperrte Frankensteins Monster ihm den Weg, Dracula tauchte auf und für den völlig verängstigten Torsten gab es kein Entkommen mehr. Da sprangen Charlie und Pelle aus einer Ecke. Pelle rief mit fester Stimme: „Hey Torsten! Charlotte hat alles mit ihrem Handy gefilmt. Wenn du uns weiter ärgerst, bekommen Mona und deine Jungs dieses peinliche Video zu sehen. Das willst du doch nicht, oder?“ „Pelle, das kannst du nicht tun! Warte nur!“, brüllte Torsten und wollte auf den schmächtigen Jungen losgehen, doch Dracula packte ihn unsanft am Kragen.

Sofort kehrte der ängstliche Ausdruck in Torstens Gesicht zurück. „Ja gut, ich lasse euch in Ruhe, aber erzählt Mona ja nichts, sonst ...“ Weiter kam er nicht, denn Dracula schaute ihn aus blutunterlaufenen Augen scharf an. Charlie hob einen Knochen auf, gab ihn dem verschreckten Torsten in die Hand und grinste. „Bitteschön, den kannst du deiner geliebten Mona mitbringen – und jetzt geh einfach, okay?“ „Ja“, murmelte er, drehte sich hastig um und rannte wie von der Tarantel gestochen los. Charlotte, Pelle und die Gruselvilladarsteller brachen in haltloses Gelächter aus. Torsten würde sie jetzt ein für alle Mal in Ruhe lassen.