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01.07.2016

Schreibwettbewerb: Was hab ich ihnen nur getan? - Respekt! Schluss mit Mobbing!

Mein Name ist Tom und ich bin 10, ich habe keine Geschwister, aber ich hätte gerne einen Hund, mein Vater will das nicht, weil er meint, wir haben viel zu wenig Zeit, um für den Hund zu sorgen. Ich bin anderer Meinung, aber mein Vater sitzt eben am längeren Hebel. Meine Mutter ist vor drei Jahren abgehauen.

Jetzt habe ich nur noch meinen Vater, er heißt Maik. Mein Vater arbeitet als Ingenieur und muss den ganzen Tag arbeiten. Da ich bald die 4. Klasse beendet habe und es in den weiterführenden Schulen im Umkreis keine Ganztagesbetreuung gibt, muss ich auf eine Ganztagesschule. Leider geht mein bester Freund Mattias auf ein Gymnasium und die anderen von meiner Klasse gehen alle in die Realschule. Somit bin ich ganz alleine.

Eigentlich möchte ich gar nicht auf so eine blöde Ganztagesschule, aber es ist das Beste für mich und meinen Vater. Heute ist der letzte Tag mit meiner Klasse, wir feiern heute. Leider gehen die letzten Stunden wie im Flug herum, zum Schluss gibt unser Lehrer uns noch eine Packung Gummibärchen und verabschiedet sich. Natürlich gibt es am letzten Schultag keine Betreuung, also ging ich nach Hause.

Zur Überraschung stand mein Vater vor mir. Ich fragte ganz verdutzt: „Du bist schon hier?“ „Ja, ich dachte, heute bin ich mal da, wenn du kommst.“ Dann fragte ich: „Was riecht denn hier so gut?“ „Selbst gemachte Pizza“, sagte mein Vater. Ich staunte und dachte, das gab es aber lang nicht mehr und nebenbei war es auch mein Lieblingsessen. Jetzt hatte ich nur noch eine Woche, bis ich auf die neue Schule gehen musste.

Heute ist der erste Schultag, ich bin schon richtig aufgeregt. Mein Vater fuhr mich zur Schule, dann ging ich in die riesige Schule, dort waren sehr viele Räume, ein richtiges Durcheinander. Ich musste suchen, wo denn die Klasse 5 war. Ich ging hinein. Dort saßen einige Schüler, aber der Einzige, der mir sofort ins Auge fiel, war ein etwas größerer Junge, der wie 14 oder so aussah. Im Klassenraum war ein Stuhlkreis aufgebaut, ich setzte mich auf einen freien Platz. Dann kam der Junge zu mir und sagte: „Hau ab, du Knirps, das ist mein Platz“. Ich wollte keinen unnötigen Streit anfangen, also setzte ich mich fünf Stühle weiter. Dann kam ein Lehrer herein und sagte: „Guten Morgen.“ Alle standen auf, um den neuen Lehrer zu begrüßen, außer dem großen Jungen. „Ich bin Herr Apfelbaum“, fuhr der Lehrer fort. Herr Apfelbaum sagte: „So, da wir uns nicht kennen, schlage ich vor, dass ihr euren Namen sagt‚ wie alt ihr seid und was euer Hobby ist. Fangen wir mit dir an.“

Ein Mädchen fing an. Und so ging es immer weiter. Ich hörte nicht richtig zu, nur als der große Junge an der Reihe war, hörte ich gespannt zu. „Ich bin Leon, bin 14 Jahre alt und mein Hobby ist Sitzenbleiben“, sagte er und fing an zu lachen. Die anderen Jungs lachten mit. Aber mir fiel gleich auf, dass man mit diesem Jungen keinen Stress haben sollte. Nun kam ich dran und sagte: „Ich bin Tom, bin elf Jahre alt und mein Hobby ist Fußballspielen.“ Leon posaunte herum: „Haha, der spielt Fußball, bestimmt nur gegen die Latte so wie der aussieht, der Schwächling.“ Alle fingen an zu lachen.

„Hör sofort auf damit, hier wird niemand ausgelacht“, brüllte Herr Apfelbaum. Als alle wieder ruhig waren, fuhr er fort, uns über die Schule etwas zu erzählen. Jetzt war endlich Pause. Ich ging zu meiner Tasche und holte das Pausenbrot raus. Ich bemerkte nicht, dass hinter mir Leon stand und meinen Stuhl packte und ihn nach hinten zog. Ich schrie auf. Alle fingen an zu lachen und Leon sagte: „Ahaha, der schreit ja wie ein Mädchen.“ Nach der Blamage vor der Klasse packte mich Leon und riss mich vom Stuhl. Er schmiss mich auf den Boden. Ich zuckte zusammen, doch er hörte nicht auf, er trat auf mich ein, spuckte mich an und zu guter Letzt nahm er meine Tasche und schmiss sie aus dem Fenster. Ich rappelte mich auf und rannte raus, um meine Tasche zu holen und zu entkommen.

Als ich wieder unter Schmerzen rein kam, hatte der Unterricht schon begonnen. Der Lehrer schnauzte mich an: „Schon am ersten Tag zu spät zu kommen, das geht mal gar nicht! Jetzt mach, dass du auf deinen Platz kommst!“ Er gab mir einen Schubser und fuhr rasch mit dem Unterricht fort. Ich hatte keine Lust mehr auf Schule, aber ich musste ja nur noch fünf Minuten durchhalten. Endlich war die Schule aus, ich musste auf dem Parkplatz warten, bis mein Vater mich abholte. Dann kam auch noch Leon!

Er schubste mich gegen den Baum mit voller Wucht und sagte noch: „Tschüss, du kleiner Knirps“, ich rappelte mich wieder auf und da sah ich schon meinen Vater kommen. Ich stieg ein und ließ nur ein grummelndes „Hallo“ von mir. Er wollte zum Glück nichts wissen. Als wir zu Hause angekommen waren, sagte ich: „Ich hab keinen Hunger.“ Ich verschwand auf mein Zimmer und nahm mein Handy in die Hand. Ich schrieb meinem Freund, wie es ihm so in seiner Schule gefällt. Er schrieb mir nach kurzer Zeit zurück und darin stand – dort ist es sehr schön. Kurz darauf bekam ich eine Nachricht in einem Gruppenchat. Ich schaute nach und sah, dass es die Klassengruppe war. Doch das, was ich las, gefiel mir ganz und gar nicht! Dort stand: „Tom, die Pussy“ oder „Tom, der Zwerg“ und noch viel mehr. Es verletzte mich innerlich – ich fragte mich – was hab ich ihnen denn getan?

Nun war es schon Abend, die Schimpfwörter wurden immer schlimmer und ich immer trauriger. Ich wollte nicht mal etwas essen und ging so ins Bett. Ich merkte, dass mein Vater sich Sorgen machte, aber den konnte ich jetzt nicht auch noch gebrauchen. Am nächsten Tag stand ich mit mulmigem Gefühl auf. Ich wollte nicht in die Schule gehen, dort war es blöd und niemand mochte mich, aber ich musste. Ich packte meine Tasche und ging zum Bus. Mein Vater sagte: „Viel Spaß in der Schule“, aber ich gab ihm keine Antwort. Als ich in der Schule ankam und in den Klassenraum ging, kam Leon schon auf mich zu und schlug mir gleich eine rein. Doch heute hatte er Mitläufer, die ihm halfen. Alle Jungen traten und schlugen auf mich ein, außer einem, der das Geschehen beobachtete. Ich sagte: „Lasst mich doch bitte gehen, was hab ich euch denn getan?“ Aber das interessierte sie überhaupt nicht. Sie machten weiter bis einer von ihnen schrie: „Lehrer kommt!“ Dann kam der Junge, der das Geschehen die ganze Zeit beobachtet hatte. Das war Marcel! Er half mir hoch und setzte sich wieder.

Das Mobbing ging jetzt schon ein halbes Jahr, aber ich traute mich nicht, meinem Vater oder Herr Apfelbaum etwas zu sagen. Die Anschläge gegen mich wurden immer schlimmer, somit auch die Schimpfwörter. Jetzt reichte es mir! Sie sagten immer, „bring dich doch um, dich braucht eh keiner“. Ich dachte mir, wenn sie das wollen und dann glücklich sind, dann sollen sie es bekommen. Ich schrieb an die Gruppe einen Abschiedsbrief, in dem ich auch erwähnte „jetzt bekommt ihr was ihr wollt“. Dann schrieb ich noch einen an meinen Vater. Als ich fertig war, schaltete ich mein Handy aus und ging aus der Haustür. In der Nähe gab es ein Parkhaus, dort hatte ich in der letzten Zeit oft mit Marcel abgehangen. Genau da wollte ich hin.

Nun kam Toms Vater nach Hause. Er sah den Brief und konnte nicht glauben was dort stand. Maik rief die Polizei an. Nach wenigen Minuten traf sie ein und schaute sich den Sachverhalt an. Die Polizei forderte eine Hundestaffel an. Plötzlich tauchte Marcel auf, er hatte wichtige Informationen. Er glaubte, dass Tom wahrscheinlich irgendwo beim Parkhaus sein würde. Die Polizei ging zum Parkhaus. Sie ließen den Hund King los. Er fand Tom nach wenigen Minuten, King und Tom hatten sich angefreundet und der Polizist sagte: „Wenn du King so toll findest, dann kannst du sein Pate werden, aber nur wenn du willst.“ Tom sagte: „Ja, auf jeden Fall.“ Leon bekam eine Anzeige wegen Körperverletzung, zusätzlich wurde sein Handy entzogen und er wurde von der Schule verwiesen. Das Gleiche galt für die Mittäter.

Tom geht jetzt auf die Schule zu seinem besten Freund Mattias. Aber zu Marcel hält er den Kontakt.