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Mit selbst gebastelten Tetris-Figuren bringen Jugendliche ein inklusives Theaterstück auf die Kupferdächle-Bühne. Foto: Privat
Mit selbst gebastelten Tetris-Figuren bringen Jugendliche ein inklusives Theaterstück auf die Kupferdächle-Bühne. Foto: Privat
05.02.2018

Schüler mit und ohne Behinderung erarbeiten gemeinsam Theaterstück

Pforzheim. Wer hat nicht schon Tetris gespielt? Bei diesem Computerspiel der 1980er-Jahre fügen sich unterschiedliche geometrischen Formen in ein vielfarbiges Gesamtbild ein. Basierend auf dieser Grundidee, ist im Zuge des Theater-Projekts „Lebenshilfe meets Kepler“ für Jugendliche mit und ohne Behinderung ein inklusives Stück aus der Kooperation zwischen der Theater-AG des Kepler-Gymnasiums und einer Gruppe der Offenen Hilfen der Lebenshilfe Pforzheim-Enkzkreis unter der Leitung von Ada Deflorio und Jessica Börsig entstanden.

Börsig absolviert ihr Praktikum im Rahmen des Projektsemesters des Studiengangs Kultur- und Medienbildung an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. „Das gemeinsame Projekt war ein gewagtes Experiment. Es gab einige Schwierigkeiten, denen man sich stellen musste. Die fehlende Merk- und Konzentrationsfähigkeit war dabei das Offensichtlichste“, erklärt sie. Dennoch seien die beiden Gruppen rasch zusammengewachsen. Es sei erfrischend, zu sehen, wie sehr sich die Gruppe der Lebenshilfe auf die Proben und die Aufführung freue. Immerhin ist es für die meisten die erste Bühnenerfahrung, und sie seien entsprechend aufgeregt. Der Schüler Pieter Goßweiler stellt die unvergleichliche Fröhlichkeit dieser Menschen heraus. Auch der Keplerianer Nils Overzier war nur am Anfang skeptisch: „Ich fand es dann aber sehr erstaunlich, dass einige, von denen ich dachte, sie würden gar nichts mitbekommen, alles sehr gut verstanden, und sogar alle schnell meinen Namen kannten. Ich bin jetzt viel offener geworden.“

So wie die scheinbar unterschiedlichen Tetris-Formen letztlich ihren Weg finden, haben in diesem Projekt sehr unterschiedliche junge Menschen über das Theater-Spielen anfängliche Berührungsängste überwunden. Die Schülerin Hanna Rudert bekräftigt, wie wichtig es sei, Normalität beim Umgang mit behinderten Menschen zu wahren. Die Keplerianerin Lisa Hatwanger genießt die kreative Ausgestaltung dieses untypischen Theaterprojekts. Auch ihre Voreingenommenheit habe abgenommen. Deflorio erklärt, dass es rasch zu einem harmonischen Miteinander kam, als ob sich alle schon lange kennten. 20 Kepler-Gymnasiasten im Alter zwischen 13 und 18 Jahren traten in einen Austausch mit den zwölf Teilnehmern zwischen 17 und 29 Jahren der Lebenshilfe-Theatergruppe. Mit Begeisterung entwarfen die Schüler die Texte und Szenen selbst. Sie stellten gesellschaftskritische Themen wie Konsum und Digitalisierung, Uniformität und Befreiung in den Mittelpunkt. Tetris-Figuren laufen durcheinander, alle im eigenen Rhythmus, doch treffen sie sich und ergeben ein geordnetes Ganzes.

Die Aufführungen finden am Freitag und Samstag, 9. und 10. Februar, ab 19 Uhr im Kupferdächle statt. Der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht.