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12.03.2009

Schüler vermuten hinter Amok-Drohung schlechten Scherz

PFORZHEIM. Von einem Amokläufer an der Alfons-Kern-Schule keine Spur, der Unterricht läuft ab wie gewohnt. Viele Schüler haben erst an diesem Morgen erfahren, dass es eine Amokdrohung gab - viele gehen von einem schlechten Scherz aus.

Gemeinschaftskunde steht auf dem Stundenplan der Klasse H2BV1. "Wer wählt den Bundespräsidenten?", fragt die Lehrerin. Eine Schülerin meldet sich. "Die Bundesversammlung", antwortet sie, richtig. Der Unterricht geht seinen normalen Gang.

Die Eltern von Thomas Schlagentweith wollten den 18-jährigen Schüler heute eigentlich gar nicht in die Schule schicken. Die Familie hatte schon am Vortag aus den Medien von der Drohung erfahren. "Gemeinsam haben wir dann aber beschlossen, dass ich doch gehe", sagt er. Angst hat er keine.

Bei Marcel Botte, seinem Klassenkamerad, ist von Angst auch nichts zu merken. "Das kann nur ein Scherz sein", sagt der 18-Jährige. Dennoch gebe es einige Schüler, die heute unsicher seien, ob nicht doch etwas passieren könnte.

So etwa bei Elisa Rosner und Jasmin Schmidt. Elisa hat überlegt, ob sie überhaupt in die Schule gehen soll, bei Jasmin sei auf jeden Fall Angst vorhanden, sagt sie. Daniel Kosira, der auch bei den beiden steht, vermutet hinter der Amokdrohung nichts ernstes.

"Das ist sicher jemand, der sich wichtig machen will", sagt er. Dennoch gebe es Schüler, die aus Angst an diesem Morgen der Schule fernblieben - auch einige Lehrkräfte seien verunsichert.

"Keine falschen Zeichen setzen"

Die Schule habe man jedoch bewusst nicht geschlossen. "Wir wollen den Anrufer nicht belohnen", begründet der Schulleiter, "keine falschen Zeichen setzen." Dieses Vorgehen sei mit der Polizei abgestimmt.

Jäger hat an diesem Morgen alle Lehrkräfte schriftlich über die Drohung und das Verhalten im Falle eines Falles informiert. Sollte es zum Amoklauf kommen, müssten sich Lehrer und Schüler in den Klassenräumen verbarrikadieren. "Aber natürlich hoffen wir, dass der Fall nicht eintritt."

Die Kripo versucht, den Anrufer zu ermitteln. Man geht davon aus, dass es sich angesichts des gestrigen Amoklaufs in Winnenden, bei dem 16 Menschen starben, um einen Trittbrettfahrer handelt.