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21.07.2016

Schulterschluss in Zeiten starken Spardrucks gefragt

Wie ist es um die Zukunft der sozialen Systeme in Pforzheim und dem Enzkreis in Anbetracht notwendiger Sparmaßnahmen bestellt? Die richtigen Weichenstellungen werden über den sozialen Frieden entscheiden. Dabei gibt es in den sozialen Ausgangslagen zwischen Pforzheim und dem Enzkreis große Unterschiede.

In ihrem Vortrag im Rahmen der sogenannten „ml-Akademie“ des Vereins „miteinanderleben“ unter dem Motto „Soziale Kompetenz hoch zwei“ betonte die Pforzheimer Sozialbürgermeisterin Monika Müller, wie wichtig der gemeinsame Schulterschluss mit dem Enzkreis sei. Eine gemeinsame Arbeitsmarktpolitik und gemeinsame Beratungsangebote seien eine Antwort auf die steigenden Probleme und Kosten. Die Sozialexpertin sprach zusammen mit ihrer Kollegin Katja Kreeb vom Enzkreis vor rund 40 Vertretern sozialer Organisationen. Die Enzkreis-Sozialdezernentin, die viele Jahre lang die Geschäftsführerin des gemeinnützigen Trägers „miteinanderleben“ gewesen war, plädierte für mehr Eigenverantwortung der einzelnen Bürger. „Wir werden nicht mehr alles bezahlen können, was notwendig ist“, stellte sie klar. Die Sozialkosten gingen durch die Decke. Auch wenn der Enzkreis keine alarmierenden Arbeitslosenzahlen aufweise, könnte er schon jetzt in die frühkindliche Bildung nicht mehr das investieren, was sinnvoll sei.

Moderator Jürgen Schwarz-Villa von der Firma SAP Consulting hatte zu Beginn der Veranstaltung darauf hingewiesen, dass wirtschaftliche und technologische Erfolge mit den sozialen Entwicklungen einhergehen müssten, wenn sich die Gesellschaft nicht spalten solle. Nur wenn sich die Lebenssituation Einzelner verbessere, könne die Stadt zu einem Wir-Gefühl kommen, erklärte Müller. Der ehemalige Sozialamtsleiter Manfred Becker forderte vom Gemeinderat, von der Bewilligung kurzfristiger auf langfristige Maßnahmen umzuschwenken. Müller sieht Pforzheim vor einer besonderen Herausforderung: „Allein in den fünf Jahren, in denen ich hier arbeite, hat sich der Ausländeranteil von 18 auf 24 Prozent erhöht. Da ist die Flüchtlingsproblematik noch außen vor.“ Jeder zehnte Pforzheimer lebe von Transferleistungen. Um effiziente Bildungsangebote zu machen, müsste die gesamte Region an einem Strang ziehen. Für Kreeb gehören auch die Ehrenamtlichen dazu, die die Verwaltungen viel besser unterstützen müssten.

www.miteinanderleben.de

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