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Die 16-jährige Kübra versucht sich als Erste am Kletterturm. Dabei trägt sie eine Rauschbrille, die Alkoholkonsum simuliert. Foto: Eickhoff
Die 16-jährige Kübra versucht sich als Erste am Kletterturm. Dabei trägt sie eine Rauschbrille, die Alkoholkonsum simuliert. Foto: Eickhoff
26.07.2015

Schutzengel im Höhenrausch

Pforzheim. Fast 14.000 Verkehrsunfälle sind 2013 durch Alkoholeinfluss in Deutschland entstanden, dabei starben 314 Menschen. Um Unfälle zu vermeiden, setzt sich das Schutzengel-Projekt „Junge Fahrer – Gib deinem Schutzengel eine Chance“ in Pforzheim und dem Enzkreis dafür ein, Jugendlichen die Gefahren des Alkoholkonsums und deren Folgen näherzubringen, indem sie Jugendliche zu sogenannten „Schutzengeln“ ausbilden.

In Kooperation mit Jochen Steinert Naturkonzepte hat am Samstagvormittag im Klettergarten des Wildparks ein Schutzengel-Workshop der anderen Art stattgefunden. Die zwanzig, ausgebildeten Jugendlichen im Alter von 16 bis 24 Jahren sollten bei verschiedenen Übungen ein neues Risikobewusstsein entwickeln.

Verschwommene Sicht

„Zuerst müssen die Jugendlichen einen acht Meter hohen Turm erklimmen, wobei sie eine Rauschbrille tragen werden, die ihnen ein verschwommenes Sehfeld ermöglichen wird, als hätten sie 1,3 Promille im Blut. In der zweiten Übung sausen sie ein 75 Meter langes Seil mit 25 Kilometern in der Stunde hinab. Am Ende fängt sie ein Netz auf, was eine Aufprallsimulation bei einem Autounfall simulieren soll“, erklärte Jochen Steinert. Der Workshop im Klettergarten gehört zur Veranstaltungsreihe „Zu jung“, die im April 2015 mit einer Podiumsdiskussion gestartet wurde. Im Rahmen dieser Reihe wurden inzwischen ein Kurs für lebensrettende Sofortmaßnahmen beim Kooperationspartner Deutsches Rotes Kreuz sowie ein Besuch der Pforzheimer Feuerwehr angeboten. Seit 2008 wurden fast 3000 Schutzengel in Pforzheim und dem Enzkreis ausgebildet, sie passen auf sich selbst sowie Freunde und Bekannte auf und halten den ein oder anderen ab, unter Alkoholkonsum hinter das Lenkrad zu steigen.

Projektleiter Jochen Merkler unterstrich: „Es kommt vor allem aus drei Gründen zu Verkehrsunfällen, Alkohol beziehungsweise Drogen, Geschwindigkeit und Ablenkung. Es geht uns nicht darum, dass es überhaupt keine Toten bei Verkehrsunfällen mehr gibt – das können wir leider nicht verhindern. Aber wir sind darüber froh, wenn zwei drei Menschen vom Fahren unter Alkoholeinfluss abgehalten werden, so kann vielleicht schon ein paar Menschen das Leben gerettet werden. Das ist unser Ziel.“