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Symbolfoto: dpa

Schweigen hat ein Ende: Prozess wegen versuchter räuberischer Erpressung nimmt neue Wendung

Pforzheim. Darauf hatte nicht nur das Gericht drei Prozesstage lang vergeblich gewartet. Erst an diesem Freitag äußern sich auch die Hauptangeklagten Karim N. und Goran T. (Namen geändert) vor der Großen Jugendkammer des Landgerichts Karlsruhe zu den Vorwürfen, bei ihrem Opfer gewaltsam versucht zu haben, Drogenschulden einzutreiben.

Anders als der wegen Beihilfe mitangeklagte Julian K., hatten sie sich in Saal 1 des Pforzheimer Amtsgerichts bislang in Schweigen gehüllt. Wie berichtet, wird den Beiden versuchte besonders schwere räuberische Erpressung sowie gefährliche Körperverletzung zur Last gelegt.

Nun räumt N. in einer von seinem Verteidiger verlesenen Erklärung ein, in großen Schwierigkeiten gesteckt zu haben, weil Timo F. für das Marihuana, das er ihm besorgt hatte, nicht bezahlte. Er – selbst abhängig – habe mit ihm reden wollen und K. gebeten, ihn hinzuzurufen. Sein Mandant habe nicht länger hingehalten werden wollen, so Verteidiger Markus Schwab. „Ich wollte mich nicht verarschen lassen“, zitiert er. Ähnliche Worte wählt zuvor der Vorsitzende Richter Andreas Heidrich, weil Schwab nach dreiwöchiger Unterbrechung die Verhandlungszeit für Besprechungen mit seinem Mandanten nutzt.

Aber weiter in dessen Aussage: Man sei also in ein Auto gestiegen, wo der 19-Jährige sein Opfer mit dem Messer bedrohte. Auf einem Waldparkplatz sei die Situation eskaliert. Auch das räumt N. ein. F.s freches Verhalten habe ihn wütend gemacht, sodass er mehrfach zugeschlagen habe. Dabei sei der 18-Jährige zu Boden gegangen, N. habe auf ihn eingetreten. T. sei daran nicht beteiligt gewesen, habe versucht, ihn zu stoppen. So schildert es auch der 21-Jährige selbst. Er bestätigt, dass es im Wald zu einem heftigen Wortgefecht gekommen sei, bevor N. zuschlug.

N.s Schuldfähigkeit sei nicht eingeschränkt gewesen, urteilt ein Sachverständiger. Der gerauchte Joint habe eher beruhigend gewirkt, die komplexe Tat ein planerisches Geschick erfordert. Ob der 19-Jährige erneut straffällig werde, könne er nicht sagen. Beide jungen Männer sind in Pforzheim geboren, in kinderreichen Familien aufgewachsen und haben beruflich bislang nicht richtig Fuß gefasst. Sie bedauern die Vorfälle, entschuldigen sich beim abwesenden Nebenkläger und wollen Schmerzensgeld zahlen. Während N. gesteht, „die Fassung verloren“ zu haben, und seinem Opfer einen Brief geschrieben hat, betont T., dass F. „keine Angst haben muss“.

Dieser habe am Tatabend kaum laufen können, erinnert sich ein Klinikarzt, der bei F. Prellungen und eine Gesichtsschürfung festgestellt hatte – frische Wunden, wie er sagt. Zwei weitere Zeugen, die die Verteidigung erst jetzt aus dem Hut gezaubert hat, sollen am 27. Mai befragt werden. Zu klären ist etwa, ob ein Baseballschläger zum Einsatz kam, die Hauptangeklagten dementieren dies.