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Geschlechterforscherin Barbara Stiegler plädiert für die Aufwertung von Frauenberufen.  Läuter
Geschlechterforscherin Barbara Stiegler plädiert für die Aufwertung von Frauenberufen. Läuter
20.07.2017

Seminarreihe „Mitmischen-Einmischen- Aufmischen“: Pflege macht oft arm

Rund 50 Frauen waren am Mittwochabend in den großen Saal des EMMA-Kreativzentrums zum frauenpolitischen Sommerabend im Rahmen der Seminarreihe „Mitmischen-Einmischen- Aufmischen“ gekommen. Auf dem Programm des vom Frauenbündnis Pforzheim Enzkreis sowie der beiden Gleichstellunsgbeauftragten von Stadt und Enzkreis, Susanne Brückner und Martina Klöpfer, veranstalteten Abends stand das Thema Sorgearbeit.

Die ehemalige Leiterin des Bereichs Frauen- und Geschlechterforschung der Friedrich-Ebert-Stiftung, Barbara Stiegler, referierte unter dem Titel „Care: Die Sorge für ein gutes Leben. Über die Aufwertung der Frauenarbeit“ über die bestehenden Missverhältnisse im Bereich der Pflege, Zuwendung und Versorgung anderer in der Gesellschaft. Die Zahlen, die sie mitgebracht hatte, machten dabei wenig Freude. Ersten Schätzungen zufolge würden unbezahlte Pflegearbeiten im Wert von rund 44 Milliarden Euro im Jahr geleistet. Und zwar zu zwei Dritteln von Frauen. 4,9 Milliarden Arbeitsstunden oder 3,2 Millionen Vollzeitstellen entspräche dies, so Stiegler. Nicht selten gerieten Frauen zusätzlich durch die Pflege in Armut und würden schließlich selbst pflegebedürftig. Eine Untersuchung der Siemens Betriebskrankenkasse zeige beispielsweise, dass pflegende Versicherte sich häufiger in medizinische Behandlung begeben müssten und mehr Medikamente und Heilmittel verschrieben bekämen, was dazu führte, dass die Kosten der Versicherug für sie um 18 Prozent höher lägen.

Nicht wesentlich besser sehe es im Bereich der bezahlten Sorgearbeit aus, wo ebenfalls überwiegend Frauen beschäftig seien und die Löhne kontinuierlich sänken.

Der Abwertung dieser vor allem von Frauen gemachten Arbeit müsse entgegengewirkt werden, so Stiegler. Sorgearbeit sei die Grundlage für das Wohlergehen der Gesellschaft, also systemrelevant. „Ein Frauenstreik im care-Bereich von sagen wir mal zehn Tagen würde einiges in dieser Gesellschaft durcheinander purzeln lassen“, verdeutlichte Stiegler. Ein Ausbau sozialer Dienste führe zu mehr wirtschaftlichem Wachstum, weil zusätzliche Beschäftigung geschaffen werde und gleichzeitig zu mehr Wohlstand, da gesellschaftliche Bedarfe gedeckt würden, gab sie zu bedenken.