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18.04.2009

Shuttle-Lesung lockt mit französischer Literatur

PFORZHEIM. Draußen wird es langsam dunkel, das Wetter ist trüb und regnerisch - optimal für einen gemütlichen Leseabend. Und optimal für die Shuttle-Lesung, bei der am Samstagabend an zwölf Stationen verschiedene Texte der französischen Literatur vorgelesen werden.

"Was kann einem die Presse schon antun?", ruft Jörg Bruckschen in den Raum, steht auf und schreitet am Redaktionstisch entlang; in der Hand sein Textblatt. Gut 40 Augenpaare folgen dem Vorleser, wenden den Blick nicht ab. Es herrscht Stille. "Alles", murmelt eine Frau am Kopf des Tischs, und dann lauter, voller Überzeugung: "Sie kann einen totmachen."

Samstagabend, 19.30 Uhr. In der Redaktion der PZ brennt Licht, was ungewöhnlich ist. Der lange Tisch, an dem normalerweise Konferenzen abgehalten und Interviews geführt werden, ist voll besetzt. Darum herum stehen noch mehr Menschen, einige lehnen oder sitzen an den Schreibtischen des Sekretariats. Am Kopf des Tischs sitzt Bruckschen, Schauspieler des Pforzheimer Stadttheaters, und liest. Mal senkt er die Stimme, mal wird er laut, mal steht er auf und marschiert umher.

Französisches Motto

"Paris - Pforzheim", so lautet das Motto der samstagabendlichen Shuttle-Lesung, die einen Streifzug durch die französische Literatur unternehmen will. An zwölf Stationen wird an diesem Abend in Pforzheim gelesen, darunter einige ungewöhnliche Orte. Ein Bestattungsunternehmen, die Umkleidekabine des 1. FC Pforzheim, das Emma-Jaeger-Bad, eine Gefängniszelle. Per Shuttle-Bus kommen die Zuhörer von Station zu Station.

"Das Handbuch des Aufsteigers", so heißt das Werk des französischen Schriftstellers Maurice Joly, aus dem Bruckschen in der PZ vorliest. "Ein guter Text", findet der Schauspieler. Knapp 200 Jahre alt ist das Werk; und könnte von seinem Thema her doch vergangene Woche geschrieben worden sein.

Zwischen zwei Lesungen findet Bruckschen Zeit für eine Zigarette auf der Terrasse unweit des Redaktionstischs. Drei Mal hat der 40-Jährige seinen Text bereits vorgetragen, bis kurz nach Mitternacht wird er ihn noch einige Male lesen. "Aber jedes Mal ist anders", sagt Bruckschen, denkt nach. "Es ist nie dasselbe".