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Vermutlich eine Rakete hat einen Wohnungsbrand an der Westlichen in Brötzingen ausgelöst.  © Seibel
Ein unter einem Auto explodierter Böller soll einen Fahrzeugbrand verursacht haben. © Seibel
01.01.2015

Silvester: Großer Wohnungsbrand, Messerstecherei - Wird Auto zur Waffe?

Pforzheim/Niefern-Öschelbronn.  Eines ist an Silvester so sicher wie das Feuerwerk: Kurz nach Mitternacht zuckt Blaulicht durch die Straßen. In diesem Jahr gab es in Pforzheim gleich zwei große Brände, die als Folge des Feuerwerks gelten dürfen. In Brötzingen brannte eine Wohnung aus, in der Nordstadt ein Auto. In Niefern-Öschelbronn wurden zwei Passanten nach einem Streit absichtlich angefahren, in Büchenbronn schoss ein Mann mit einer Gaspistole in die Menge, in der Nordstadt gab es eine Messerstecherei und Pforzheim wies doppelt so viel Alkoholleichen auf als im Vorjahr.

Bildergalerie: Silvesterrakete setzt Wohnung in Brötzingen in Brand

Um 0.10 Uhr erreichte die Feuerwehr ein Notruf, der auf einen Wohnungsbrand hinwies. Vier Minuten später waren die ersten Einsatzkräfte vor Ort. Wie ein Polizeisprecher erklärte, wurden offene Flammen aus einer Wohnung im dritten Obergeschoss eines Wohnhauses an der Westlichen Karl-Friedrich-Straße 287 gemeldet. Eine Rakete war in ein geöffnetes Fenster der Wohnung geflogen und hatte den Brand ausgelöst. Umgehend wurde die Brandbekämpfung mit vier Einsatztrupps unter Atemschutz sowohl über den Treppenraum als auch über eine Drehleiter eingeleitet.

Die Feuerwehr rettete einen gehbehinderten Mann, zwei Hasen und eine Katze aus dem Gebäude. Die Wohnung ist nach dem Brand nicht mehr bewohnbar. Es entstand ein Schaden in sechsstelliger Höhe. Aufgrund einer Beschädigung der Heizungsanlage in der vom Brand betroffenen Wohnung kam es zu einem erheblichen Austritt von heißem Wasser. Die Feuerwehr setzte mehrere Wassersauger zur Schadensbegrenzung ein und dichtete die Heizungsanlage provisorisch ab. Umfangreiche Nachlöscharbeiten waren bis 4 Uhr erforderlich.

Im Einsatz waren auch zwei Rettungswagen, ein Notarzteinsatzfahrzeug, ein organisatorischer Leiter des Rettungsdienstes sowie ein Krankentransportwagen des DRK-Ortsvereins Pforzheim, der die Hauptamtlichen in der Nacht des Jahreswechsels durch personelle Bereitschaft unterstützt hat. Zwei Verletzte wurden ins Krankenhaus gebracht.

Bildergalerie: Böller explodiert unter Auto: Fahrzeugbrand

Ebenfalls kurz nach Mitternacht wurde die Feuerwehr zu einem Fahrzeugbrand an die Rudolfstraße/Ecke Hohenzollernstraße gerufen. Das Feuer drohte auf ein Gebäude überzugreifen. Als Ursache wird vermutet, dass ein Böller unter dem Auto explodiert ist. Die Feuerwehr Königsbach musste ein Dach überprüfen, in das eine Silversterrakete eingeschlagen war. Es wurde jedoch kein Feuer entdeckt. Um 1.35 Uhr wurde von der Feuerwehrleitstelle die Wehr in Öschelbronn alarmiert, die ein außer Kontrolle geratenes Lagerfeuer ablöschen musste.

Im Bereich des Polizeipräsidiums Karlsruhe gab es dann noch einen Gargenvollbrand in Ettlingen, der ebenfalls durch Feuerwerkskörper ausgelöst wurde. Im Bereich des Landkreises Calw ergaben sich auch nach Mitternacht keine besonderen, dem Jahreswechsel geschuldeten Vorkommnisse.

Noch sind nur wenige Details bekannt, aber auch die wenigen Fakten lassen staunen. Nach einem Streit, eventuell über ein Geschwindigkeitsproblem, soll nach ersten Angaben um 0.33 Uhr ein Autofahrer in Niefern zwei Fußgänger – nach PZ-Informationen ein Mann und eine Frau – anscheinend absichtlich angefahren und verletzt haben. Nach Angaben der Polizei wird nun wegen des Verdachts auf versuchte Tötung ermittelt. Die beiden Fußgänger wurden verletzt ins Krankenhaus gebracht. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Im Einsatz waren die ehrenamtlichen „Helfer vor Ort“ des dortigen DRK-Ortsvereins, zwei Rettungswagen und ein Notarzteinsatzfahrzeug.

Ebenfalls unverständlich: In Büchenbronn schoss ein Mann mit einer Gaspistole mehrfach gezielt in eine Personengruppe, wobei zwei Passanten leichte Brandverletzungen erlitten. Hier wird die Polizei ebenfalls noch intensiver den Tathergang untersuchen müssen.

Weit nach Mitternacht soll es in Pforzheim beim Bahnhofsplatz ein Raubdelikt gegeben haben, bei dem drei Jugendliche einem Mann den Geldbeutel abgepresst haben. Hier laufen die Ermittlungen noch. Aufgrund einer Messerstecherei in der Nordstadt wurde um 2.10 Uhr die DRK-Rettungsleitstelle kontaktiert. Die Besatzung eines Rettungswagens sowie ein Notarztteam kümmerten sich um eine verletzte Person. Nähere Informationen liegen im Augenblick noch nicht vor. Schlägereien wurden um 2.08 Uhr in der Oststadt sowie um 2.55 Uhr in der Innenstadt gemeldet. Hier kümmerten sich die Ehrenamtlichen des Pforzheimer DRK-Ortsvereins um die Verletzten.

Auffällig in diesem Jahr: Die ersten größeren Brandeinsätze liefen bei der Pforzheimer Feuerwehr nicht schon am frühen Abend ein, sondern erst nach Mitternacht. Auch bei der Polizei liefen die Alarme erst pünktlich zum Jahreswechsel ein. Dann aber waren in Pforzheim die Berufsfeuerwehr und die Freiwilligen-Abteilungen sowie die Polizei und das DRK stark gefordert. Die Feuerwehr Pforzheim rückte zwischen Mitternacht und 5 Uhr zu sechs Einsätzen aus. Neben den zwei großen Brandeinsätzen gab es viele kleinere Feuer zu löschen, zum Beispiel bei Bränden von Mülleimern oder wie im weiteren Bereich des Polizeipräsidiums Karlsruhe auch bei Feuern auf Balkonen. Hinzu kamen Brandmeldealarme, wenn zum Beispiel der Feuerwerksqualm von der Straße den Weg in Richtung Rauchmelder gefunden hatte.

Auch die Polizei war pausenlos im Einsatz. Schlägereien und Unfälle wurden in der Region gemeldet, dazu die üblichen Ruhestörungen und Streitereien verschiedenster Art. Allerdings, so eine erste Einschätzung eines Polizeisprechers, hätten in diesem Jahr die Einsätze nicht nur viel später angefangen, sondern es sei auch weniger los gewesen als noch vor einigen Jahren. Nur in Karlsruhe habe man einen Leichtverletzten zu verzeichnen, der unsachgemäß mit Feuerwerkskörpern hantiert habe. Ansonsten seien solche Verletzungen ausgeblieben.

Trotzdem war die Nacht des Jahreswechsels war für die Rettungskräfte des DRK-Kreisverbands Pforzheim-Enzkreis sehr arbeitsintensiv: Zwischen 20.30 und 6 Uhr mussten 13 Personen (12 in Pforzheim, eine in Mühlacker) wegen übermäßigen Alkoholkonsums behandelt werden – doppelt so viele wie im vergangenen Jahr. Zusätzliche Folgen davon waren unter anderem eine Kopfplatzwunde und eine Handverletzung durch einen Sturz. Verbrennungen mussten nur einmal (Vorjahr: 15 Mal) kurz nach Mitternacht in Büchenbronn behandelt werden, aber da hatte eine Person auch vorsätzlich Feuerwerkskörper in eine Personengruppe geschossen.

 

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