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Symbolbild: dpa
Symbolbild: dpa
02.02.2017

Silvesternacht in Pforzheim endet blutig – Schläger muss hinter Gitter

Pforzheim. Lange konnte sich ein 51-jähriger Kaufmann nicht an seinem 500-Euro-Gewinn aus dem Spielautomaten freuen: Ein paar Stunden später lag er in einer Blutlache auf der Toilette seines Stammlokals, in dem er Silvester gefeiert hatte. Ohne seine Geldbörse, die er – wie immer – in der Gesäßtasche untergebracht hatte. Wegen Raubes verurteilte das Schöffengericht am Donnerstag einen hünenhaften 27-jährigen Arbeiter zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten ohne Bewährung.

Die Richter sahen es als erwiesen an, dass nur er die Geldbörse genommen haben könne, nachdem er den betrunkenen, viel kleineren und schwächeren Mann niedergeschlagen hatte.

Bedienung wollte schließen

Er habe die Börse nicht genommen, beteuerte der Angeklagte wiederholt. Zusammen mit dem Opfer hatten er und seine Freundin einen feuchtfröhlichen Abend verbracht. Als es schon Morgen war und die Bedienung schließen wollte, sei er dem Älteren zur Toilette gefolgt, habe ihm auf den Rücken geklopft und gefragt, was man jetzt noch unternehmen wolle. Der andere habe sich umgedreht, ihn geschubst und die Hand zum Schlag erhoben. Bedroht habe er sich da gefühlt und zugeschlagen, so der Angeklagte. Dem am Boden Liegenden habe er noch einen Tritt verpasst, weil der seinen Fuß festgehalten habe. Die Geldbörse habe er nicht genommen.

Geldbörse verschwunden

Gemessenen Schrittes hatte er dann das Lokal verlassen. Die Mitarbeiterin wartete noch minutenlang auf ihren Gast, der endlich blutüberströmt erschien.

Staatsanwalt Karlheinz Karl sah die Anklage bestätigt. Er plädierte auf eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten wegen Raubes in Tateinheit mit Körperverletzung. Verteidigerin Katja Visel sah nur die Körperverletzung als erwiesen an. Niemand wisse, wann der Geldbeutel verschwunden sei. Sie beantragte eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten.

Dem mochten die Richter nicht folgen. „Gelegenheit macht Diebe – oder Räuber“, stellte der Vorsitzende, Amtsgerichtsdirektor Oliver Weik, am Ende fest. Der Angeklagte verließ das Amtsgericht in heller Wut. „Scheißurteil“ befand er.