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Vor einem Geschäft in der Stuttgarter Innenstadt kam es bei dessen Eröffnung im Jahr 2017 zu Protesten, die sich - ähnlich wie am 29. Juli in Pforzheim - gegen das Geschäftsmodell "Fast-Fashion" richteten. 

Sitzstreik gegen Fast-Fashion: Studentin will Bewusstsein für Nachhaltigkeit in der Mode schaffen

Pforzheim. Ob sich der Wald-und-Wiesen-Bummler in seinem Konsumverhalten beeinflussen oder gar erziehen lässt? Und wie er bestenfalls nicht blind den neuesten Mode-Trends nachläuft, ohne diese zu hinterfragen und sich stattdessen für eine nachhaltigere Variante entscheidet - dieses Thema treibt die Studentin Janina Reindl um und nun auch auf die Straße.

Reindl studiert im sechsten Semester Mode an der Hochschule Pforzheim. Sie hinterfragt das grundlegend-kollektive Kaufverhalten der Menschen und möchte beim Konsumenten ein Bewusstsein für alternative Denkansätze schaffen: "Als Designer können wir allerdings nur begrenzt die nachhaltige Entwicklung beeinflussen. Deshalb reicht es auch nicht, ein Produkt anders zu designen", wie Reindl in einer offiziellen Mitteilung der Hochschule verlauten ließ. So könne keine neue Marke, ganz gleich wie nachhaltig sie auch wirtschafte, ein bedeutender Schritt in Richtung Nachhaltigkeit sein. Auf Dauer könne diese einzig und allein durch Reduktion erreicht werden. "Wir stehen also vor der Frage, wie wir als Designer eine Transformation mitgestalten können, die eben dieses Szenario verhindert", so Reindl. Einen ersten Ansatz für diese Tranformation plant die Mode-Studentin am 29. Juni.

Sitzstreiks vor Fast-Fashion-Läden in der Innenstadt

"Operation 1 - Act for less", so der Titel der Protestaktion, im Zuge derer an verschiedenen Stellen in der Pforzheimer Innenstadt Sitzstreiks vor "Fast-Fashion-Läden" angedacht sind. Fast Fashion ist hierbei zu verstehen als mittlerweile gängiges Geschäftsmodell von Textilhändlern, bei dem Mode-Kollektionen beständig erneuert  und damit der Zeitraum zwischen dem Design eines Modeschöpfers bis zur Massenware in Filialen stark verkützt werden. Bei der ersten von verschiedenen geplanten Aktionen positionieren sich Aktivisten vor den Eingängen verschiedener Geschäfte, so dass "potentielle Kunden aufgehalten und zum Nachdenken gezwungen werden. Somit werden auch passive Nichtnachdenker und "Fast Fashion"-Einkäufer erreicht, die sich nicht freiwillig für nachhaltige Konzepte interessieren", so die Studentin.

Darüber hinaus präsentiert sich Janina Reindl mit einer alternativen "Marke", in Form einer "Kleidungsschutzorganisation", kurz "KO", die entgegen der Fast-Fashion-Strömung als praktikable Alternative zur etablierten Herangehenweise der Modeindustrie erscheinen soll: „Eine Schutzorganisation ist im Normalfall eine nichtstaatliche, gemeinnützige Organisation mit der Rechtsform einer Stiftung oder eines Vereins." Die Bekleidung der Aktivisten sei zudem nicht uniformell oder statisch. Sie transformiere sich kontinuierlich und passe sich den einzelnen Aktionen an: "Weitere Materialien, Verarbeitungstechniken, Farbe und Form sind variabel und passen sich jeweils an die geplante Aktion an."