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Sterbliche Überreste aus dem Mittelalter: Michael Fauth (links) von der Badischen Ritterschaft zeigt Besuchern die im Rathaushof gefundenen Skelette. Ketterl
Sterbliche Überreste aus dem Mittelalter: Michael Fauth (links) von der Badischen Ritterschaft zeigt Besuchern die im Rathaushof gefundenen Skelette. Ketterl
Grabungsleiter Thomas Küntzel am Grabstein einer von Steinfels.
Grabungsleiter Thomas Küntzel am Grabstein einer von Steinfels.
Filigran: der Unterteil eines Glaspokals aus dem 17. Jahrhundert.
Filigran: der Unterteil eines Glaspokals aus dem 17. Jahrhundert.
Diese Putte wurde wohl ebenfalls im17. Jahrhundert geschaffen.
Diese Putte wurde wohl ebenfalls im17. Jahrhundert geschaffen.
05.06.2014

Skelette erinnern an Pforzheims Blütezeit

Pforzheim. Es sind spannende und teils morbide Einblicke, die die Führungsteilnehmer an diesem sonnigen Donnerstagnachmittag erhalten. Der große Graben auf dem Parkplatz des Rathaushofs ist für die Archäologen im Wortsinn eine Fundgrube – bereits im vergangenen Jahr haben sie die Überreste eines Wohnquartiers freigelegt, das sich im westlichen Bereich befand. Nun tun sich auch im östlichen Teil längst vergangene Pforzheimer Welten auf.

Das Mauerwerk zeigt an, wie mächtig die Dominikanerkirche war, die hier einst stand. „Das ist die große Zeit, die Blütezeit der Stadt“, sagt Grabungsleiter Thomas Küntzel. Bis ins 16. Jahrhundert war Pforzheim markgräfliche Residenz. „Die Hauptstadt des damaligen Fürstentums Baden“, wie Küntzel betont. Und gerade sakrale Bauten wie die einst fast 60 Meter lange Dominikanerkirche, deren Höhe etwa dem heutigen Technischen Rathaus entsprach, seien vielversprechende Fundorte. Die Erwartung der Experten hat sich erfüllt.

Es sind die Skelette, die die Blicke der Besucher auf sich ziehen. Mehr als ein Dutzend davon haben die Archäologen bereits in diesem Jahr gefunden. Einige scheinen im Sarg bestattet worden zu sein, wie im 16. Jahrhundert üblich. Andere fanden im Leichentuch die letzte Ruhe, wie es vom 13. bis 15. Jahrhundert Sitte war. Ob es Mönche oder Bürgerliche waren, ist ihnen nicht anzusehen. Wichtig müssen die im Kreuzgang Begrabenen gewesen sein. Der Platz unweit von Altären und Reliquien war begehrt.

Viel zu entdecken gibt es im und am Grabungsfeld: den Unterteil eines Glaspokals etwa oder eine Putte aus dem 17. Jahrhundert, Knochen, Keramik, den Kopf eines spätgotischen Strebepfeilers aus dem 15. Jahrhundert. Küntzel und Folke Damminger, Oberkonservator beim Referat für archäologische Denkmalpflege im Regierungspräsidium Karlsruhe, rechnen mit weiteren Funden, die bis in die Gründungszeit der sogenannten Neustadt im späten Jahrhundert zurückreichen. Vielleicht gar darüber hinaus.

Die Archäologen sind aktiv geworden, weil durch die Pläne für eine Neugestaltung der City-Ost eine Überbauung dieses Bereichs anstehen könnte (die PZ berichtete). „Wir müssen alles, was dadurch zerstört würde, untersuchen und kontrolliert abbauen“, betont Damminger. Mindestens das ganze kommende Jahr, eventuell gar bis 2016 werde das dauern.

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