760_0900_125028_0S1A8135.jpg
Die acht Jahre alte Nevin (links) und ihre sieben Jahre alte Schwester Ninva freuen sich über die Hilfe am Tablet von Laura Höschele, Mitarbeiterin beim Kinderschutzbund.  Foto: Moritz 

So klappt das Homeschooling – „Menschen in Not“ ermöglicht mehr digitale Teilhabe

Pforzheim. Nevin (acht Jahre alt) und Ninva (sieben Jahr alt) kommen auf leisen Sohlen mit ihrer Mutter zum Kinderschutzbund. Die Mädchen sind bestens bekannt und kennen die Abläufe. Montags bis donnerstags sind sie mittags hier an der Tunnelstraße. Dann heißt es nämlich für die Zweit- und die Erstklässlerin der Osterfeld-Grundschule: Zeit für Hausaufgaben.

Und endlich auch online, denn die PZ-Hilfsaktion „Menschen in Not“ hat dem Kinderschutzbund, dem Familienzentrum Au sowie Q-Prints & Service Tablets und Pads im Wert von rund 20 000 Euro zur Verfügung gestellt. Beim Kinderschutzbund gibt es nicht nur die mittägliche Betreuung, sondern auch die entsprechende Einweisung in das Arbeiten mit den Geräten. „Die Kinder schaffen es nicht alleine“, sagt Doris Möller-Espe, Geschäftsführerin des Kinderschutzbund Pforzheim Enzkreis. „Die Betreuer gehen mit ihnen den Schulstoff durch, denn oft fehlt den Kindern zu Hause durch mangelnde Sprachkenntnis die nötige Unterstützung.“ Möller-Espe ist überzeugt davon, dass das deutsche Schulsystem in den Grundschulen auf sehr viel Mithilfe der Eltern zählt. „Und das schaffen viele nicht zu leisten.“ Die Geschäftsführerin ist deshalb total begeistert von der Initiative von Christina Rüdenauer, Leiterin von der Paritätische, Regionalgeschäftsstelle Nordschwarzwald. Sie hatte die Anfrage mit Mitgliedern des Verbandes an „Menschen in Not“ koordiniert.

Der Kinderschutzbund hat zehn Terra-Pads erhalten. „Sie werden hauptsächlich Familien mit Grundschulkindern zur Verfügung gestellt“, erklärt Möller-Espe. „Hier geht es um das Halten der Kontakte und die Möglichkeit für die Kinder, an Homeschooling Videokonferenzen teilnehmen zu können. Außerdem stehen nun fünf Laptops beim Kinderschutzbund für die älteren Kinder und Jugendlichen zur Verfügung. „Sie benötigen Programme zur Textverarbeitung oder Präsentation.“

Nun werden die Geräte wochenweise ausgegeben. „Grundlage ist eine Ausleihvereinbarung, die zu unterschreiben ist.“ Die Geräte würden nur verliehen, wenn die Familien und deren Lebensumstände beim Kinderschutzbund bekannt seien. Zudem könnten die Kinder zu Homeschoolingzeiten im KiCo sitzen und teilnehmen, während zu Hause weitere Geschwister lernen. Insgesamt gibt es beim Kinderschutzbund 400 Hausaufgabenkinder. Die 15 Geräte von „Menschen in Not“ und die 20 gebrauchten Laptops, die kürzlich der Inner Wheel Club Nordschwarzwald zur Verfügung stellte, decken bei weitem noch nicht den Bedarf.

Im Familienzentrum Au stehen nun 30 Terra-Pads zur Verfügung: „Unseren Familien fehlen die technischen Voraussetzungen, um ihren Kindern den Einstieg in das digitale Lernen zu ermöglichen“, sagt Sonja Winter, Leiterin des Familienzentrum. So könnten die Kinder nicht an digitalen Formaten des Unterrichts teilnehmen und auch nicht oder unzureichend an der Unterstützung bei den Aufgabenpaketen, die das Familienzentrum anbietet. Auch in der Au werden die Geräte mittels Leihvertrag ausgehändigt. Q-Prints & Service benötigt die 15 Laptops für Familien aus problematischen Verhältnissen, wie häusliche Gewalt, psychische Probleme oder Leben in Isolation. „Nicht selten hat in diesen Familien die Mutter ein Handy über das dann mehrere Kinder dem Unterricht folgen sollen“, erklärt Geschäftsführerin Ute Hötzer. Das könne nicht funktionieren. Mindestens die Hälfte der 600 Menschen, die bei Q-Prints & Service angedockt sind, hätten keinen Zugang zu funkionsfähigen Endgeräten. „Wir freuen uns, dass es für die Kinder aus Familien mit schlechten sozialen Rahmenbedingungen nun diese Möglichkeit gibt“, so Hötzer. „Nur so gelingt digitale Teilhabe.“