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04.09.2009

So präsentieren sich die Kandidaten im Internet

PFORZHEIM. Wahlkampf im Netz – seit Obama auch in Deutschland für Politiker ein großes Thema. Auch die hiesigen Bundestagskandidaten versuchen sich darin – manche mit mäßigem Erfolg, manche mit gar keinem.

Fünf Kandidaten sind es, die für Pforzheim und den Enzkreis in den Bundestag wollen: Gunther Krichbaum (CDU), Katja Mast (SPD), Erik Schweickert (FDP), Memet Kilic (Grüne) und Annette Groth (Die Linke). Alle haben eine eigene Website – doch die Qualität variiert ziemlich.

Eine Packung CDU, bitte

Wer für sich selbst eine Web-site basteln will, würde sich wohl am ehesten an Gunther Krichbaum orientieren. An dem Mann mit der edlen dunkelblau-orangegelben Verpackung, der schicken Typografie und der dezenten Reichstagskuppel im Hintergrund. Sieht ganz so aus, als würde der CDU-Bundestagskandidat im Netz alles richtig machen. Naja, fast jedenfalls.

Seine Videobotschaft kommt etwas dröge und mit Pfeifton daher. Und – wenn Krichbaum schon auf Facebook unterwegs ist, sollte das auch irgendwo auf seiner Website stehen. Davon abgesehen fehlt es dem Auftritt des CDU-Mannes ein wenig an Web-2.0-Flair: Kein Getwitter, kein XING-Konto, keine Flickr-Fotos. Und noch nicht einmal die Möglichkeit, Texte zu kommentieren. Aber vielleicht ist weniger ja auch manchmal mehr.

Die SPD trumpft auf

Diesen Schluss legt zumindest die Netz-Präsenz von SPD-Kandidatin Katja Mast nahe. Große Slogans, riesige Buttons, Flickr, XING, Facebook, RSS. Eine grausige Farbkombination aus SPD-Rot und Bergsee-Blau. Auf den ersten Blick scheint alles zu viel, und dann doch zu wenig.
Denn Inhalte sucht man bei Katja Mast vergebens. Es gibt jede Menge Unterstützer, Termine, Fotos – aber keine Ziele.

Was Katja Mast politisch in Berlin erreichen will – ihre Internetseite verrät es nicht. Aber immerhin ist sie sehr aktuell. Und alle Wahlkampf-Meldungen lassen sich einfach kommentieren. Wer gerne scrollt, ist bei den Liberalen goldrichtig. Denn auf der Website des FDP-Kandidaten Erik Schweickert lässt es sich vortrefflich scrollen – und das auch noch ganz ohne nervigen Inhalt. Doch auch von diesem kleinen technischen Fehler abgesehen mutet Schweickerts Online-Ego eher wie das Produkt eines Website-Baukastens als wie ein moderner Auftritt an. Links zu Web-2.0-Netzwerken oder eine Kommentierfunktion gibt es nicht. Seit Kurzem präsentiert sich Schweickert immerhin in einem kurzen Video – doch das wirkt im altmodischen Umfeld fremd.

Immerhin lassen sich alle wichtigen Inhalte finden, sogar klar definierte Ziele wie die Westtangente oder der Ausbau der A 8. Der angekündigte, seit zwei Wochen vergangene Termin in Ispringen lässt aber vermuten, dass Aktualität beim Internet-Schweickert nicht die ganz große Rolle spielt.

Die Grünen ganz in Grün

Dass die Onlinepräsenz von Memet Kilic in Grün gehalten ist, versteht sich ja fast von selbst. Und der Besucher kann sich hier wirklich wohlfühlen: Alles ist aufgeräumt und gut erreichbar. Seine Ziele formuliert Kilic topmodern per Videobotschaft. Das einzige, was mal so gar nicht reinpassen will, ist das Video „Obamas Wahlempfehlung für die Grünen und Memet Kilic“: Eine Aufnahme von Obamas-Berlinrede, schlecht nachsynchronisiert mit einem Text, den Kilic wohl gerne aus Obamas Mund gehört hätte. Moderner Video-Wahlkampf in Ehren, aber so etwas passt eher zu Hape Kerkeling als zu einem seriösen Bundestagskandidat.

Schwer verständlich: Die Linke

Total multimedial gibt sich auch Annette Groth, Kandidatin der Linken, mit einer Videovorstellung. Die ist allerdings vom Ton her so miserabel, dass nur bei angestrengtem Zuhören zwischen Hundegebell und Brunnengeplätscher überhaupt etwas zu verstehen ist.

Auch sonst mutet der Online-Auftritt von Annette Groth nicht unbedingt modern an, die Typografie ist ein bunter Mix aus verschiedenen Schriftgrößen und -farben, das Layout wirkt zusammengewürfelt. Doch immerhin mangelt es nicht an Inhalten – die Ziele und weiterführende Informationen sind leicht zu finden. Auch die Termine sind aktuell.

Das geht deutlich besser

Die Bundestagskandidaten der Region geben sich Mühe – manche zumindest. Aber es gibt im Internet jede Menge Möglichkeiten, die noch lange nicht ausgeschöpft sind. Wer Jugendliche für Politik und seine Person begeistern will, kann heute nicht mehr mit einem altbackenen Internetauftritt daherkommen. Politiker, die Dienste wie Twitter oder Facebook nutzen, können sich für junge Menschen interessant machen – zudem bekommen sie direkt mit, was diese Wählergruppe bewegt. Im Gegensatz zu Wahlplakaten kosten die Netzaktivitäten nicht einmal Geld, sondern nur etwas Zeit. Aber die dürfte sich lohnen.

Die Webseiten der Bundestagskandidaten:

www.gunther-krichbaum.de
www.katja-mast.de
www.erik-schweickert.de
www.memet-kilic-gruene.de
www.annette-groth.de