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27.09.2009

So sehen Sieger aus

PFORZHEIM. Dass CDU-Kandidat Gunther Krichbaum das Direktmandat für Pforzheim und Enzkreis holen würde, war abzusehen. Doch dass Erik Schweickert (FDP) sein Ergebnis gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt und dank Landesliste in den Bundestag einzieht, das war kaum vorhersehbar.

Erik Schweickert hebt ab. Das ist nicht bildlich zu verstehen, sondern ganz wörtlich. Um 6.45 Uhr am Montag geht der Flieger von Stuttgart nach Berlin, Schweickert sollte an Bord sein. „Ich habe noch ein Ticket bekommen“, freut er sich.

Für 11.30 Uhr ist eine Sitzung der FDP-Bundestagsfraktion angesetzt, mit den neu gewählten Abgeordneten. Schweickert gehört dazu. Die Einladung kam per eMail.

Für ihn ist das alles neu, für viele seiner Kollegen auch. Vor allem, dass man wieder eine Regierungsfraktion ist. „Ich freue mich, dass ich der dritte Abgeordnete für die Region sein darf“, sagt Schweickert. Die Freude ist überhaupt groß rund um Schweickert. Bei seinen Helfern, den Parteifreunden, der Familie. Stolz bringt der Vater ein Glas Sekt.

Und wieder die Wochenend-Ehe

Dass es ein Produkt der familieneigenen Sektkellerei ist – purer Zufall, der „Ratskeller“ hat halt Schweickert-Sekt. Selbst Erik Schweickerts Frau Alexandra sagt: „Für ihn freue ich mich.“ Für sie, das bekennt sie, wird es schwierig, die Fernbeziehung in den Sitzungswochen, alles mit der wenige Monate alten Tochter Chiara. Aber sie sind die Wochenend-Partnerschaft gewöhnt, über die weitaus größere Zahl der zehn Jahre, die sie nun zusammen sind.

Auch die Basis, die Parteifreunde, feiern. Schweickert hält seine Ansprache, mehrfach brandet Applaus auf. Viele sind gekommen, vielleicht 80 Liberale werden es sein, es sieht fast nach Volkspartei aus, und man liegt ja mit der SPD im Wahlkreis auch gleichauf. Die Bezirksvorsitzende Bärbel Maushardt ist da, viele Mitglieder der Jungen Liberalen, Ex-Oberbürgermeisterin Christel Augenstein mit Ehemann, gegen 20 Uhr trifft der Vorsitzende der Kreispartei ein, Hans-Ulrich Rülke.

Er hatte in Stuttgart als Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion den Auftritt in der Elefantenrunde zu bestreiten. „Wir liegen hier auf jedenn Fall über dem Landesschnitt“, sagt Rülke. „Wir hatten einen hervorragenden Kandidaten und einen guten Wahlkampf, jetzt haben wir zum ersten Mal seit Jahrzehnten einen Bundestagsabgeordneten“, freut er sich. Auch sein Kreisgeschäftsführer Andreas Schaumayer führt das starke Ergebnis zu einem Gutteil auf die Person des Kandidaten zurück.

Schweickert verkörpere die neue FDP, die in der Kommunalpolitik verankert sei „und die im Bundestag eine Rolle spielt als der wirtschaftliche Kompass einer bürgerlichen Koalition.“ Darüber hinaus habe die FDP eben im Wahlkampf ganz genau gesagt, für was sie stehe.

Notlandung im Hinterkopf

Schweickert selbst muss sein Abschneiden erst noch selbst zu fassen bekommen. Eine Ahnung über das Gesamtausmaß der Veränderungen mag ihn beschlichen haben, als er erfuhr, mit welcher Fluggesellschaft er heute gen Berlin startet. Es sei, erzählt er, die gleiche, mit der SPD-Chef Franz Müntefering kürzlich von Berlin kommend in Stuttgart eine Notlandung miterlebte.