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In diesen Wohnblock der Baugesellschaft Familienheim an der Paul-Löbe-Straße 20 sollen rund 100 Flüchtlinge zu Nachbarn der Bewohner werden. Ketterl
In diesen Wohnblock der Baugesellschaft Familienheim an der Paul-Löbe-Straße 20 sollen rund 100 Flüchtlinge zu Nachbarn der Bewohner werden. Ketterl
Inna Rubinchik ist Mieterin in der Paul-Löbe-Straße. Sie sagt: „Ich habe Angst.“
Inna Rubinchik ist Mieterin in der Paul-Löbe-Straße. Sie sagt: „Ich habe Angst.“
29.01.2016

Sonnenhof: neues Modell einer Asyl-Unterkunft

Schnell verfügbare Unterkünfte für Asylsuchende sind inzwischen so rar, dass die Stadt nach eigenen Angaben gezwungen ist, rasch zu handeln, sobald eine taugliche Immobilie angeboten wird. Binnen weniger Tage sei eine Einigung über die Anmietung von rund 30 Wohnungen an der Paul-Löbe-Straße im Sonnenhof erzielt worden, heißt es in einer Mitteilung der Verwaltung. Bereits ab März würden dort rund 100 Asylbewerber untergebracht.

Das Gebäude umfasse 70 Wohneinheiten, die nur noch teilweise belegt seien, da das gesamte Objekt in wenigen Jahren abgerissen werden solle und daher schon seit geraumer Zeit Leerstand nicht neu vermietet werde. Bis zum geplanten Abbruch im Jahr 2020 könne die Stadt leerstehende oder frei werdende Wohnungen für Asylsuchende in der vorläufigen oder in der Anschluss-Unterbringung anmieten.

„Um das Zusammenleben mit den dort bereits seit vielen Jahren lebenden älteren Bewohnern so gut wie möglich zu gestalten, können wir uns ein nachbarschaftliches Wohnmodell vorstellen, bei dem die Flüchtlinge sich einbringen und eine gegenseitige Unterstützung und Begegnung stattfinden kann“, sagt Sozialbürgermeisterin Monika Müller. „Wir wollen in Pforzheim damit ein ganz neues Modell des Mehrgenerationenlebens ins Leben rufen, indem wir nicht nur Menschen unterschiedlichen Alters, sondern auch verschiedener Herkunft dabei begleiten, diese Herausforderung gemeinsam meistern zu können.“ Angesichts der seit Sommer 2015 stark steigenden Zuweisungszahlen sei die Stadt auf die Unterbringung dort angewiesen und hoffe, „dass die Bewohner im und um das Haus herum sowie der gesamte Stadtteil die neuen Nachbarn offen aufnehmen werden“. Die Mieter in den anderen Wohnungen seien gestern von der Baugenossenschaft Familienheim als Vermieterin informiert worden. Die soziale Betreuung der Flüchtlinge sei durch das Diakonische Werk sichergestellt. Zudem werde es Hausmeister und Wohnheimleitung geben.

Eine Bürgerinformation zu diesem Objekt gibt es am Mittwoch, 24. Februar, ab 19 Uhr. Über die Anmietung werden am Dienstag, 2. Februar, der Ausschuss für Soziales und Beschäftigung sowie der Finanzausschuss beraten; die Entscheidung fällt am Dienstag, 10. Februar, im Gemeinderat. Ende 2015 lebten 1243 Asylsuchende in Pforzheim. Derzeit werden monatlich rund 240 Flüchtlinge zugewiesen. 32 Prozent kommen aus dem Irak, 26 Prozent aus Syrien. Die Stadt sei gezwungen, das Konzept der dezentralen Unterbringung um größere oder Notfall-Unterkünfte zu ergänzen.