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Juhuu, der Bus ist perfekt: Kerstin Hasel (links), Leiterin der Sozialpädagogischen Familienhilfe bei pro familia, Familienhelferin Sabine Heinz (am Steuer) und die Kinder der Familie K. (Name geändert) freuen sich schon auf viele abwechslungsreiche Ausflüge. Foto: Meyer 

Sozialpädagogische Familienhilfe schafft Kinderbus an - „Menschen in Not“ unterstützt Erwerb

Pforzheim. Wie Orgelpfeifen aufgereiht sitzen sie im Besprechungszimmer bei pro familia an der Parkstraße. Das Kleinste der sechs Kinder rutscht aufgeregt auf seinem Stuhl hin und her. Die anderen Mitglieder der Familie K. (Name geändert) warten geduldig. Sie wollen von ihren Erlebnissen erzählen, die sie im Rahmen der Familienhilfe erfahren dürfen. Wann immer möglich, nehmen eines oder mehrere der Kinder der Familie zwischen acht und 16 Jahren an Angeboten der Sozialpädagogischen Familienhilfe teil. Abwechslung im tristen Alltag.

Mutter Maja K. (Name geändert) suchte vor rund drei Jahren Schutz im Frauenhaus. Dort kam sie mit ihren sechs Kindern zu Ruhe. Maja K. begann selbstständig zu werden und suchte sich eine Wohnung. Ihre Kinder standen immer hinter ihren Entscheidungen. Das ist noch heute so. Die sechs sind eine Einheit. Blicke untereinander genügen. Sie stimmen sich ab. Die Harmonie untereinander ist großartig. „Ich kann mich voll auf sie verlassen“, sagt Maja K. über ihre Sechs.

Der Schritt aus dem Frauenhaus war damals etwas holprig. Denn die ersten beiden Wohnungen waren für die K.s nicht geeignet. Wieder mussten Kisten gepackt und Umzüge organisiert werden. Nach einer Einweisung in eine Übergangswohnung fand die Familienhelferin und systemische Familientherapeutin Sabine Heinz die Wohnung, die inzwischen das Zuhause der K.s ist. Jedes der sechs Kinder geht in eine Schule und Mutter Maja K. ist in der Ausbildung. „Ich möchte Alltagsbegleiterin werden“, sagt sie. Noch zwei Jahre wird die Ausbildung dauern, dann ist es geschafft. Das heißt, dass die Kinder so lange immer wieder selbst kochen, putzen und lernen. „Das ist aber kein Problem“, sagt Kira K. (Name geändert), die Älteste der Geschwister. „Mama kann nicht alles für uns machen.“ Schon jetzt habe jeder zu Hause ein Aufgabe, die es zu erledigen gelte. Und für die jeder selbst verantwortlich sei. Die K.s sind also gut organisiert. Zahlungsverzögerungen des Jobcenters, so wie jetzt, wenn 360 Euro für die Monatskarten der Kinder nicht auf dem Konto der Familie eingegangen sind, stellen sie vor große Herausforderungen. Familienhelferin Heinz ist dann besonders gefragt und sucht nach Lösungen.

„Die Aufgabenverteilung im Haushalt ist auf das Alter der Kinder abgestimmt“, sagt Kerstin Hasel, Leiterin der Sozialpädagogischen Familienhilfe bei pro familia. Sabine Heinz ist seit rund drei Jahren für Familie K. zuständig. Mindestens zweimal in der Woche gibt es Kontakt. „Entweder wir treffen uns zu Hause, oder es findet ein gemeinsames Projekt statt“, erklärt Heinz. Die K.s haben schon an Kochkursen bei pro familia und gemeinsamen Fahrradtouren teilgenommen. Sie kommen immer wieder bei der AG Tierhof zum Zug. „Angebote mit Tieren sind gerade in diesen Zeiten wichtig, wenn die Kinder viel am Computer lernen müssen“, so die Familienhelferin. Die Jungs sind begeisterte Spieler der Bolzplatzliga. Und alle zusammen können immer mal wieder am Eltern-Kind-Reiten teilnehmen. Durch die Pandemie ist vieles anders. „Langeweile gibt es bei uns aber nicht. Dann ziehen wir gemeinsam los. Machen einen Spaziergang oder gehen auf den Spielplatz“, sagt Kira K. Nur ihre Besuche des Jugendtreffs in der Nähe, wo sie bis zuletzt am späten Nachmittag gerne vorbeigeschaut hat, würde sie vermissen.

Bislang musste Familienhelferin Heinz immer überlegen, welche Unternehmungen sie mit den K.s realisieren kann. Mit ihrem Privatauto ist das nicht zu schaffen. So musste jeweils ein Miet-Fahrzeug gebucht werden.

Zum Jubiläum „20 Jahre Sozialpädagogische Familienhilfe“ schafft pro familia einen Kinderbus an. „Dann können wir endlich flexibel, schnell und unkompliziert Arztbesuche, besondere Erledigungen und Fahrten zu Projekten unkompliziert unternehmen, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht zu erreichen sind“, freut sich Kerstin Hasel. Nun ist der Neunsitzer bestellt. 41 800 Euro kostet das Fahrzeug. „Menschen in Not“ wird die sich großzügig daran beteiligen. „Der Kleinbus soll nicht nur kleine und große Passagiere mit Kindersitzen und Kinderwagen transportieren, sondern auch als Lastesel dienen und somit die eingesetzten Miet- und Privatautos der Familienhelfer ersetzen“, freut sich Kerstin Hasel.

Susanne Knöller

Susanne Knöller

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