nach oben
Die Stadt hat der Arbeitsagentur deren Vorratsfläche an der Berliner Straße abgekauft – einer von mehreren Standorten für günstigen Wohnraum.
Die Stadt hat der Arbeitsagentur deren Vorratsfläche an der Berliner Straße abgekauft – einer von mehreren Standorten für günstigen Wohnraum.
28.12.2015

Sozialwohnungen entstehen über die Stadt verteilt

Alle verfügbaren Zahlen, Erkenntnisse und Prognosen belegen, wie dringend das Thema ist: Schon heute fehlt es an Sozialwohnungen und weiterem günstigen Wohnraum in Pforzheim, im nächsten Jahr werden mehrere 100 Flüchtlinge ein dauerhaftes Bleiberecht erhalten und zusätzlich ebenfalls solche Wohnungen benötigen, und bis zum Jahr 2035 soll die Einwohnerschaft Pforzheims um rund 9000 Menschen wachsen, prozentual so stark wie nirgendwo sonst in Baden-Württemberg.

Das entspricht ungefähr der ganzen Einwohnerschaft des Stadtteils Eutingen. „Es steht außer Frage, dass wir sozialen Wohnungsbau brauchen“, sagt Oberbürgermeister Gert Hager, „und das ist nicht erst mit den Flüchtlingen aufgekommen. Wir machen keinen Flüchtlings-Wohnungsbau, sondern einen für alle.“

Erster Ansprechpartner der Stadt seien die Pforzheimer Wohnbau-Gesellschaften. Kurz vor Weihnachten hat es ein Gespräch mit ihnen gegeben. Das Signal: „Die Wohnbaugesellschaften können in die Vorplanung gehen“, berichtet Hager. Und: „Wir haben Grundstücke dafür ins Gespräch gebracht.“ Die Standorte sollen über die ganze Stadt verteilt werden, gibt der Rathaus-Chef als Richtung vor. „Es soll und kann kein ganzer Stadtteil aus dem Boden gestampft werden.“ Die Erfahrungen mit dem Stadtteil Haidach sprächen dagegen. Dieser sei heute der sicherste und grünste in Pforzheim, „auch sozial ausgewogen“, wie Hager anfügt, aber in den 1980er- und 1990er-Jahren habe es dort erhebliche soziale Verwerfungen gegeben. Trotzdem werde die Stadt aber auch neue Wohngebiete ausweisen müssen.

Arbeitsagentur verkauft Fläche

Seit wenigen Tagen hat das Rathaus, was innerstädtische Bauplätze für günstigen und sozialen Wohnungsbau angeht, eine weitere Fläche zur Verfügung, die es den Wohnbaugesellschaften dafür anbietet: Die Stadt hat der Agentur für Arbeit die an diese Institution angrenzende brachliegende Fläche an der oberen Berliner Straße, zwischen den Einmündungen der Luisen- und der Tunnelstraße, abgekauft. Die Arbeitsagentur hatte sie, bevor ihr regionaler Hauptsitz nach Nagold verlegt wurde, zu Erweiterungszwecken gekauft.

Voraussetzung für einen großangelegten Bau von Sozialwohnungen in Pforzheim ist laut Gert Hager aber, dass Bund und Land ihre Ankündigungen wahr machen und das Geld dafür zur Verfügung stellen. Ohne Zuschüsse der öffentlichen Hand sei diese Art Wohnungsbau mit den festgelegten niedrigen Mieten für die Wohnbaugesellschaften wirtschaftlich nicht darstellbar.

Hoffen auf Berlin und Stuttgart

Der OB ist aber zuversichtlich, dass die Weichen in Berlin und Stuttgart entsprechend gestellt werden. Das Land habe erste Programme aufgelegt. Problematisch sei angesichts der Dringlichkeit der Lage aber, dass es immer noch sehr strikte baurechtliche Forderungen gebe, was etwa die Stärke und Isolierung der Außenwände, die Unterkellerung oder selbst das Vorhandensein von Fahrradständern anbelange.

Leserkommentare (0)