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Mit PZ-Redakteur Claudius Erb (links) und dem mittelalterlichen Marktmeister Richard Röser (Zweiter von rechts) auf Tour: Martina Warren, Thomas Rothe, Vincent Warren, Kerstin und Georg Lausch, Andrea Rupp und Oliver Groh (von links). Ketterl
Mit PZ-Redakteur Claudius Erb (links) und dem mittelalterlichen Marktmeister Richard Röser (Zweiter von rechts) auf Tour: Martina Warren, Thomas Rothe, Vincent Warren, Kerstin und Georg Lausch, Andrea Rupp und Oliver Groh (von links). Ketterl
Georg Lausch (links) erweist sich – gewandet wie ein Profi – unter Anleitung von Steinmetz Christopher Eger als gewandt.
Georg Lausch (links) erweist sich – gewandet wie ein Profi – unter Anleitung von Steinmetz Christopher Eger als gewandt.
Noah Bönninghaus (rechts) kredenzt Andrea Rupp und Thomas Rothe Geistreiches, das wahre Wunder wirken soll.
Noah Bönninghaus (rechts) kredenzt Andrea Rupp und Thomas Rothe Geistreiches, das wahre Wunder wirken soll.
Larissa Novak (links) reicht Kerstin Lausch (rechts) ein Versucherle vom Flammlachs.
Larissa Novak (links) reicht Kerstin Lausch (rechts) ein Versucherle vom Flammlachs.
Vincent Warren (links) staunt: Auch Knochen beschriftet der Brandmaler Patrick Kapser.
Vincent Warren (links) staunt: Auch Knochen beschriftet der Brandmaler Patrick Kapser.
08.12.2017

Spannende Zeitreise durchs Mittelalter im Herzen der Goldstadt

Wie Georg und Kerstin Lausch begeben sich Oliver Gruhn aus Königsbach-Stein, die Pforzheimerin Martina Warren mit ihrem Sohn Vincent, Thomas Rothe, ebenfalls aus Pforzheim, sowie Andrea und Axel Rupp aus Unterreichenbach auf eine spannende Zeitreise durch das Mittelalter. Richard Röser, der Marktmeister des historischen Budendorfs im Blumenhof, nimmt die Leser, denen das Losglück beim PZ-Gewinnspiel hold war, einen Abend lang mit auf eine Tour über den Mittelaltermarkt, bei der es viel zu bestaunen und einiges zum Zungeschnalzen gibt. So nah kommen nur die wenigsten Besucher den Machern dieser Meile, die dieser Gruppe gern Geheimes preisgeben.

Zinngießer Michael List etwa verrät am Stand „Zinnsalabim“, dass sein Arbeitsmaterial erst ab 230 Grad Celsius gefügig wird und unter anderem in Speckstein in Form kommt. Brandmaler Patrick Kapser, in diesem Jahr erstmals in Pforzheim, ist der Mann für heiße Eisen, mit denen er Leder, Holz und sogar Knochen mit Schriftzügen versieht. Jeder Teilnehmer erhält einen Schlüsselanhänger mit den entsprechenden Initialen – in altnordischen Zeichen, versteht sich, wie sie schon vor 1400 Jahren verwendet wurden.

Groß in Mode war im Mittelalter die Filzerei – weil die Menschen damals weder stricken noch häkeln konnten. Hoch im Kurs stand Fisch – indirekt hinter lodernder Flamme auf Buchenholz gegart. Ein kollektives „Mmmmh“ ist nicht nur am „Verleihnix“-Stand beim Kosten des Flammlachses zu hören, sondern kurz darauf auch gleich nebenan vor der Bude mit geistreichem Trank. „Das Liebeselixier kann ich sehr empfehlen“, sagt Röser verschmitzt. Der Marktmeister erzählt, dass der „Verein lebendiges Mittelalter“ hinter dieser zum sechsten Mal in der Goldstadt veranstalteten Attraktion steht. Wie die Vereinsmitglieder brächten sich viele Freunde und ehrenamtliche Helfer ein: „Wir ziehen alle an einem Strang.“ So werde etwa an der vereinseigenen Taverne und durch Standgebühren jener Beschicker, deren Waren großen Absatz finden, das Geld erwirtschaftet, das als Gage an Handwerker, Musiker, Gaukler und Zauberer geht. Mehrere zehntausend Euro würden in das Begleitprogramm mit täglichen Vorführungen investiert. Allzu streng wollen es Röser und seine Mitstreiter mit dem Mittelalter-Motto nicht nehmen – so gehen etwa auch Kartoffeln über den Tresen, die zu jener Zeit in diesen Breiten noch unbekannt waren. „Es ist uns ein Anliegen, altes Handwerk zu präsentieren und zu erhalten“, betont Röser, „und es geht darum, dass die Besucher in eine andere Welt eintauchen und sich verzaubern lassen.“

Dass dies gelingt, wird bei der abschließenden Runde bei Gewürzwein, heißem Apfelsaft und Dinnede – pikant belegte Teigfladen – am eigens reservierten Tisch im Badehaus offenbar. „Das war faszinierend“, urteilt Oliver Gruhn. „Das Schönste ist, dass die Leute das so leben und voll dahinterstehen“, sagt Andrea Rupp. Und Thomas Rothe ist der Überzeugung: „Der Mittelaltermarkt ist eine echte Bereicherung für Pforzheim.“ Wie die PZ-Gewinner freuen sich sicher tausende weitere Freunde dieser Meile, dass es noch etliche weitere Markttage gibt. Der Mittelaltermarkt ist – mit einer Unterbrechung am 24. und 25. Dezember – noch bis Samstag, 30. Dezember, zu erleben.