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Der gemeinschaftliche Spatenstich Wildparkförster Carsten Schwarz, Jan Lauer (Förderverein), Baubürgermeisterin Sybille Schüssler, Christoph Meißner (Förderverein), Stadtrat Carol Braun und Jürgen Metzger (Grünflächen- und Tiefbauamt, von links).  Ketterl
Der gemeinschaftliche Spatenstich Wildparkförster Carsten Schwarz, Jan Lauer (Förderverein), Baubürgermeisterin Sybille Schüssler, Christoph Meißner (Förderverein), Stadtrat Carol Braun und Jürgen Metzger (Grünflächen- und Tiefbauamt, von links). Ketterl
20.12.2017

Spatenstich für die Waldrapp-Voliere im Waldpark.

Der Spatenstich für den Neubau einer Großvoliere für Waldrappe und Uhus fand heute unter Beteiligung von Bürgermeisterin Sibylle Schüssler im Wildpark Pforzheim statt. Dieser ist der symbolische Auftakt für die Bauarbeiten, die 2018 beginnen sollen.

Die ‚begehbare Großvoliere für Waldrappe und Uhus‘ – so die vollständige Projektbe-zeichnung – ist mehr als ein „teurer Vogelkäfig“. Als bauliche Hülle umschließt eine anspruchsvolle Seilnetz-Architektur eine zoologische Konzeption, die optimierte Hal-tungsbedingungen und naturpädagogische Aspekte vereint. Die beiden Tierarten, die in zwei baulich getrennten Teilgehegen innerhalb der Großvoliere angesiedelt werden, sind bereits seit langem im Wildpark beheimatet und gehören auch in der Zukunft zum Grundbestand des Tierarten-Leitbilds. Derzeit führen sie aber in der Aufmerksamkeit der Besucher eher ein Schattendasein.

Der Waldrapp ist ein ursprünglich heimischer Ibis-Vogel, der heute in freier Wildbahn praktisch ausgestorben ist und nur in Form einer stabilen Population in Zoos und Wildparks überlebt hat. Dieses Schicksal verbindet ihn mit dem Wisent – dem Logo-Tier des Pforzheimer Wildparks. Waldrappe sind Kolonievögel mit ausgeprägtem Sozialverhalten. Die neue Waldrapp-Anlage wird auf 250 Quadratmetern Grundfläche und einem stützenfreien Luftvolumen von bis zu 8 Metern Höhe den Tieren nicht nur erheblich mehr Bewegungsraum bieten und echte Flugbewegungen ermöglichen. Auch die Lebensraumstrukturen werden artgerechter sein, vor allem durch eine steile Felswand mit Nestern und Rückzugsnischen. Die Größe der neuen Anlage ermöglicht zukünftig die Haltung der Waldrappe als Kleinkolonie, so dass Aussicht auf Brutverhalten, Nachzucht und vielleicht sogar Teilnahme an einem der Wiederansiedlungsprojekte besteht. Wildparkbesucher erhalten über zwei ausgeklügelte Schleusen Zutrittsmöglichkeit in das Innere der Voliere, wo sie ohne störenden ‚Gitterblick‘ die Tiere und ihr Verhalten studieren können. Auch im Rahmen der Wildpark-Pädagogik bieten sich so neue Möglichkeiten. Die zweite Tierart in der Großvoliere ist der Uhu – die größte heimische Eulenart, der ‚König der Nacht‘. Das Uhu-Gehege wird zwar nicht für Besucher betretbar sein. Mit Felsstrukturen und Gehölzen einem Felshang in der Natur nachempfunden, wird es den Wildpark-Uhus mit über 150 Quadratmetern Fläche allerdings deutlich größeren und artgerechteren Lebensraum bieten als die bisherige Maschendraht-Voliere südlich des Kinderbauernhofs.

Die Voliere wird als sogenannte ‚Seilnetz-Architektur‘ errichtet. Hierbei wird eine Netzhülle aus geschwärztem Edelstahl mit Hilfe verschiedener Spann- und Zugseile zwischen Stahlpylonen aufgespannt. Diese Pylonen (Stützen) stehen alle außerhalb der Voliere, die im Inneren also stützenfrei ist. Das gespannte Seilnetz, Pylonena, Spann- und Tragseile bilden zusammen eine statische Einheit, die ein Stück weit flexibel ist, da die Pylonen über bewegliche Gelenke auf Punktfundamenten sitzen. Die Seilnetzüberspannung ist so dimensioniert, dass sie flexibel Wind- und Schneelasten auffangen kann und zu Unterhaltszwecken sogar begehbar ist. Die Schwärzung des Edelstahlseilnetzes bewirkt, dass die Netzwände vor der Waldkulisse im Wildpark möglichst wenig auffallen. Im Inneren der Voliere wird eine Trennwand errichtet, die mit Modellierbetontechnik als Felswand mit Vorsprüngen für Nester und Ansitze gestaltet wird. In diese Wand werden auch - für die Besucher nicht sichtbar – die tierpflegerisch erforderlichen Nebenräume integriert.

Als Standort der neuen Großvoliere wurde bewusst der südliche Teil des Wildparks gesucht.