Spatenstich Pilotprojekt Transnet 380KV Leitung
Packen an: Pforzheims Oberbürgermeister Peter Boch (von links), Ministerialdirektor Michael Münter, Projektleiterin Stefanie Schmidt, TransnetBW-Geschäftsführer Werner Götz und Enzkreis-Landrat Bastian Rosenau beim Spatenstich. 

Spatenstich für neue Stromtrasse zwischen Birkenfeld und Ötisheim: Erstmals neue Masten im Einsatz

Pforzheim/Enzkreis. Mit einem symbolischen Spatenstich startete am Freitag der Neubau der zwölf Kilometerlangen 380-Kilovolt-Leitungsanlage zwischen Birkenfeld und Ötisheim. Dass dort bei einem Pilotprojekt erstmals neue Vollwandmasten eingesetzt werden, ist auch der Beharrlichkeit der Gemeinde Kieselbronn zu verdanken.

Zehn Jahre nach Abschluss des Raumordnungsverfahrens befindet sich das Projekt auf der Zielgeraden. Das Ziel: Die Erhöhung der Versorgungssicherheit. "Aufgrund der stark erhöhten Auslastung der Stromnetze im Raum Karlsruhe/Pforzheim können die bestehenden Leitungen den Anforderungen nicht mehr genügen. Bei einer planmäßigen Abschaltung eines Stromkreises der 220-Kilovolt-Leitung Daxlanden – Oberwald – Birkenfeld würde der gesamte Raum nur noch über einen einzigen Stromkreis versorgt", heißt es in einer Pressemitteilung.

Ziel des Neubauprojekts der Leitung zwischen Birkenfeld und Ötisheim ist es, die Versorgungssicherheit zu erhöhen. Dies geschieht durch den Anschluss des Umspannwerks Birkenfeld an die bereits bestehende 380-Kilovolt-Leitung zwischen Philippsburg und Pulverdingen. Der Anschluss erfolgt durch eine etwa zwölf Kilometer lange 380-Kilovolt-Leitung, die den Rückbau von fast ebenso langen bestehenden 110-Kilovolt-Leitungen ermöglicht.

„Stahl ist deutlich leichter zu bearbeiten als Papier“ – so scherzte Werner Götz beim symbolischen Spatenstich. Damit spielte der Vorsitzende der Geschäftsführung der TransnetBW auf die lange Planungszeit seit 2012 an, der eine Bauzeit von nur zweieinhalb Jahren gegenübersteht. Die Genehmigungszeit für die Trasse läge fast bei einem Jahr pro Kilometer, führte er aus. 

„Uns allen ist heutzutage klar, dass die Zeit für die Umsetzung der Energiewende drängt. Wir möchten nicht nur klimaneutral, sondern auch bei Energieimporten weniger abhängig werden. Diese neue Leitungsanlage leistet hierzu einen entscheidenden Beitrag, denn erneuerbare Energie muss über weite Strecken transportiert werden“, sagte Werner Götz, Vorsitzende der Geschäftsführung der TransnetBW.   

Michael Münter, Ministerialdirektor im Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft des Landes Baden-Württemberg, pflichtete ihm bei.

„Wenn wir auf erneuerbare Energie setzen, müssen wir parallel zum massiven Ausbau ihrer Erzeugung auch das Netz entsprechend dem Transportbedarf ausbauen“, erklärte Michael Münter, Ministerialdirektor im Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft des Landes Baden-Württemberg.

Peter Boch, Oberbürgermeister der Stadt Pforzheim, der ebenfalls zum Spaten griff, geht es vor allem um die regionale Versorgungssicherheit: „Für unsere Region ist eine moderne und leistungsfähige Infrastruktur von großer Bedeutung. Damit ist dieses Projekt nicht nur im Interesse der hier ansässigen Industrie, sondern der gesamten Bevölkerung im Raum Karlsruhe und Pforzheim.“

 „In Strommasten sieht nicht jeder und jede gleich etwas Positives. Daher ist ein intensiver Dialog mit der Öffentlichkeit bei solchen Projekten sehr wichtig“, fügte Bastian Rosenau, Landrat des Enzkreises, hinzu.

Den hat es gegeben, so dass nun mit dem Bau begonnen werden kann. „Die Bauarbeiten werden auch nach der Inbetriebnahme noch fortgesetzt“, informiert Stefanie Schmidt (Projektleiterin bei TransnetBW) und erläutert: „Erst wenn die neue Leitung in Betrieb ist, kann mit dem Rückbau der dann nicht mehr benötigten 110-Kilovolt-Leitungsanlagen begonnen werden.“ 

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TransnetBW startete laut Pressemitteilung "bereits 2016 einen intensiven, konstruktiven und vertrauensvollen Dialog mit der Bevölkerung betroffener Kommunen sowie Trägern und Trägerinnen öffentlicher Belange", um Anregungen und Hinweise frühzeitig in den Planungen berücksichtigen zu können. Die Ergebnisse dieser Gespräche seien in einen optimierten Trassenverlauf eingeflossen, heißt es in der Pressemitteilung. Dazu gehören das Abrücken der Trasse vom südlichen Ortsrand der Gemeinde Kieselbronn und eine Umtrassierung auf Höhe des Gewerbegebiets Obsthof I in Pforzheim, um eine Überspannung durch die neue Leitungsanlage zu vermeiden.

Aus dem Dialog mit der Öffentlichkeit resultiert auch der Einsatz von Vollwandmasten über fast die Hälfte der Leitungstrasse. Das ist auch dem Kieselbronner Bürgermeister Heiko Faber zu verdanken. Er und seine Gemeinde hatten um schmalere Masten gekämpft. 

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Das Pilotprojekt mit neuem Masttyp gliedert sich in drei Abschnitte: Im ersten Abschnitt auf der Gemarkung Pforzheim sollen vier Vollwandmasten als Gemeinschaftsleitung mit Netze BW realisiert werden. Im zweiten Abschnitt von Pforzheim-Eutingen entlang der Autobahn A8 werden sieben Vollwandmasten errichtet. Im dritten Abschnitt im Bereich der Gemarkung Kieselbronn werden weitere sieben Vollwandmasten als Gemeinschaftsleitung mit DB Energie ausgeführt. Auf diesen Masten werden genauso wie im ersten Abschnitt sowohl 380-Kilovolt- als auch 110-Kilovolt-Stromkreise aufgelegt.