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Helfende Hände halten den Spendenscheck: Schwester Doris, Pfarrer Georg Lichtenberger, Schwester Chantal und Eleonora Grosse, Leiterin des Haiti-Ausschusses von St. Elisabeth.
Helfende Hände halten den Spendenscheck: Schwester Doris, Pfarrer Georg Lichtenberger, Schwester Chantal und Eleonora Grosse, Leiterin des Haiti-Ausschusses von St. Elisabeth. © Seibel
26.09.2010

Spendenscheck in Höhe von 55000 Euro überreicht

PFORZHEIM. Was Pfarrer Georg Lichtenberger als „Engagement des Herzens“ bezeichnet, hat am Samstagabend in der Elisabeth-Gemeinde auf dem Buckenberg sichtbare Form in Gestalt eines Spendenschecks in Höhe von 55 000 Euro angenommen. Überreicht wurde der Scheck an Schwester Chantal, die die Erdbebenopfer in den Slums von Haiti betreut.

Seit 1994 unterstützt die Elisabethgemeinde ihre Partnerschule „Fraternié“ in den Slums von Port-au-Prince auf Haiti. Da es dort keine Schulpflicht gibt, wird das schulische Engagement der Missionsarbeit überlassen. Und die benötigt regelmäßig Geld, um die Lehrkräfte bezahlen zu können und den Ärmsten der Armen, rund 350 Schülern, ein Mittagessen anbieten zu können. Das schwere Erdbeben vom 12. Januar, bei dem auf Haiti 230 000 Menschen gestorben sind, ist auch an der Partnerschule von St. Elisabeth nicht spurlos vorübergegangen. Das Beben hat Not, Armut, Krankheit und Hunger noch verstärkt. Es fehlt an allem, sogar Pumpen für Frischwasser müssen wiederhergestellt werden. Der Schulbetrieb findet gegenwärtig unter Zeltdächern statt.

„Wie gut, dass es die Pforzheimer und die Gemeinde St. Elisabeth mit ihren spendenfreudigen Christen gibt, die seit 1994 bereits 185 000 Euro für ihr Partnerprojekt auf Haiti gespendet haben“, sagt Schwester Doris, ehemalige Pastroal-Referentin der Gemeinde, die es zu den Kleinen Schwestern vom Evangelium nach Paris verschlagen hat – jenen Schwestern, die die Erdbebenopfer der Partnerschule betreuen. Sie hat nicht nur den Kontakt zu Schwester Chantal hergestellt, die am Samstag die Predigt im Gottesdienst der Elisabeth-Gemeinde gehalten hat, sondern weiß, wie dankbar die Spenden aus der Goldstadt angenommen werden. „Nicht nur während der Fußball-Weltmeistershaft in Deutschland habe ich den Satz auf Haiti zu hören bekommen: ,Deutschland ist das Land, wo die Pforzheimer sind’.“ Dankbare und zur größten Verwunderung vieler sogar fröhliche Augen von Schulkindern, die in der größten Armut nicht auf Stühlen, sondern Baustein-Klötzen sitzen, sagen mehr als 1000 Worte.

„La Fraternité“, die Brüderlichkeit, mischt sich auf Haiti mit schwesterlicher Liebe der Helferinnen vom Evangelium und Aufopferungsbereitschaft, wie aus den Erzählungen von Schwester Chantal beim Gemeindeabend nach dem Gottesdienst deutlich wurde. Sie berichtete, dass die Schwestern nach dem schweren Erdbeben nicht einmal mehr Zeit hatten, die Messe der Gemeinde zu besuchen: Die Hilfe vor Ort für die vielen Kranken und Obdachlosen hatte erst einmal Vorrang vor dem Beten. Es gibt Zeiten, in denen anpacken angesagt ist. Vieles musste mit internationaler Hilfe aufgebaut werden: von Camps für die medizinische Versorgung bis zur Trinkwasseraufbereitung, von der Koordination der Hilfsorganisationen bis zum Händchen Halten einer verschütteten schwangeren Mutter, die ein brasilianischer Journalist entdeckt hatte. Er stand ihr bei, bis sie gerettet werden konnte. Derartige Beispiele des christlichen Lichts in der in der Dunkelheit von Zerstörung und Obdachlosigkeit, die für viele Menschen auf Haiti die Hölle bedeutet, erzählte Schwester Chantal beim Gemeindeabend. Sie berichtete von Zeichen der Hoffnung in der Not, von engagierten Helfern und mitfühlenden Spendern – gerade so, als sollte der Liedtext des Kirchenchors „Halte Gott Dich fest in seiner Hand“ mehr als nur Worte sein. Hier schließt sich wieder der Kreis zum „Engagement des Herzens“, von dem Pfarrer Lichtenberger spricht. Nicht nur er wünscht sich, dass weiter für die Armen der Ärmsten gespendet wird, auch wenn das Erdbeben auf Haiti vom Januar aus den Schlagzeilen verschwunden ist. Hilfe ist nach wie vor notwendig. Deshalb sammelt die Elisabethgemeinde auch weiterhin für ihre Partnerschule in dem fernen Land, mit dessen Schicksal sie sich so nah verbunden fühlt. Die Spendenkonto-Nummer bei der Volksbank Pforzheim, BLZ 666 999 00, lautet: 71161 (Stichwort Spenden Haiti).