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Patrick Merz zeigt in einem Video die Räume in der Heidelberger Hornhautbank. Gearbeitet wird dort unter strengsten Hygienevorschriften.  Foto: Roller 

Spender dringend gesucht: Lions-Hornhautbank-Tag lenkt Aufmerksamkeit auf Möglichkeiten der Transplantationen

Heidelberg. Sie ist ein winzig kleiner Bestandteil des menschlichen Körpers, durchsichtig und im Zentrum weniger als einen Millimeter dick: die Hornhaut des Auges. Doch wenn sie geschädigt ist, dann hat das große und unmittelbare Auswirkungen auf das Leben und Wohlbefinden des Patienten. Er sieht unscharf und im schlimmsten Fall irgendwann gar nichts mehr.

Ein Problem, auf das die Medizin schon vor mehr als 100 Jahren mit der Einführung eines Transplantationsverfahrens reagiert hat. Wie wichtig das Thema nach wie vor ist, machte der Lions-Hornhautbank-Tag des Distrikts 111-Süd-Nord deutlich. Der Distrikt umfasst Nordbaden von Karlsruhe bis Heimsheim, Heidelberg bis Baden-Baden. Wegen der Coronakrise wurde die Veranstaltung per Videokonferenz aus dem Universitätsklinikum Heidelberg übertragen. Dort gibt es seit 2015 eine Lions-Hornhautbank.

Die Region steht zusammen

Alle Lions Clubs des Distrikts übernehmen seither nachhaltig die Patenschaft und die Verantwortung, auch die in Pforzheim und im Enzkreis. Werner H. Schwenk aus Niefern bezeichnet die Hornhautbank als ein „Leuchtturmprojekt“ und sagt: „Unsere Unterstützung sehen wir als unsere Verpflichtung an.“ Der Distrikt-Governor lobt die „langjährige, nachhaltige und erfolgreiche Arbeit“ der Einrichtung. Governorratsvorsitzender Wolfgang Tiersch erinnert an das Jahr 1925, als Helen Keller die Lions dazu aufrief, „Ritter im Kampf gegen die Blindheit“ zu sein. Seither hat die Serviceorganisation durch die Unterstützung von weltweit mehr als 50 Hornhautbanken Tausenden Betroffenen eine lebenswertere Zukunft ermöglicht. Tiersch betont: „Nahezu jeder kann Hornhautspender werden und Augenlicht schenken.“

Bedarf gibt es mehr als genug: Tausende warten derzeit auf Spendergewebe, die Wartezeit liegt bei einem Jahr. Auch Patrick Merz spricht von einem „akuten Spendermangel“. Der promovierte Mediziner ist der wissenschaftliche Leiter der Hornhautbank und erklärt in der Videokonferenz unter anderem, dass die Hornhauttransplantation die häufigste Gewebeübertragung weltweit ist: Allein in Deutschland gibt es 8000 bis 9000 pro Jahr.

Merz erklärt unter anderem, dass für eine Hornhautspende bei einer Leiche das komplette Auge entnommen und anschließend durch eine Glasprothese in derselben Farbe ersetzt wird, sodass ein Laie den Eingriff später nicht mehr erkennen kann.

Viele Ursachen für Erkrankung

Sein Kollege Gerd Auffarth gibt den Zuhörern einen „Crashkurs in Augenheilkunde“. Der ärztliche Leiter der Universitäts-Augenklinik erklärt, dass es sich bei der Hornhaut um ein hochkomplexes und sehr empfindliches Gewebe handelt, das aus mehreren Schichten besteht und nicht durchblutet ist. Erkrankungen können viele Ursachen haben, etwa Viren, Pilze und Bakterien. Auffarth bedankt sich bei den Lions und lobt die in den vergangenen Jahren stets enge Zusammenarbeit. Am Ende der Veranstaltung erhält er von Schwenk ebenso eine Ehrung wie sein Kollege Patrick Merz und die Kabinettsbeauftragte Sibylle Scholtz.