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Teilnehmer der Sprachwerkstatt übergeben dem Familienzentrum Au Lernmaterialien in Buchstaben- und Zahlenform. Mit dabei ist unter anderem die Geschäftsführerin des Familienzentrums Au, Sonja Winter (Siebte von links)
Teilnehmer der Sprachwerkstatt übergeben dem Familienzentrum Au Lernmaterialien in Buchstaben- und Zahlenform. Mit dabei ist unter anderem die Geschäftsführerin des Familienzentrums Au, Sonja Winter (Siebte von links)
18.07.2017

Sprache zum Anfassen: Flüchtlinge helfen Flüchtlingen

Pforzheim. Unter den interessierten Augen des Frauensprachkurses, der im Familienzentrum Au für Flüchtlinge stattfindet, übergibt die Sprachwerkstatt „Interkulturelle Kommunikation und produktorientiertes Lernen“ der GBE den Flüchtlingen mehrere selbst gemachte Holzbuchstaben und Zahlen. Diese sollen in Zukunft als didaktisches Lernmittel für den Kurs genutzt werden.

Für viele der Kursteilnehmerinnen sei dies zum Erlernen der deutschen Sprache besonders wichtig, erzählt die Geschäftsführerin des Familienzentrums Au, Sonja Winter: „Für die Frauen, die auch in ihrem Heimatland nie schreiben oder lesen gelernt haben, macht die haptische Wahrnehmung der Buchstaben einen großen Unterschied.“ Das habe man im Laufe der 15 Jahre, in denen nun schon Sprachkurse im Familienzentrum Au stattfinden, vor allem durch Improvisation gelernt: Studien für erwachsene, primäre Analphabeten mit Migrationshintergrund seien bisher nämlich noch sehr selten.

Die Teilnehmer der Sprachwerkstatt der GBE hätten in den vergangenen Monaten fleißig mit den didaktischen Materialien gearbeitet, so die Leiterin der Sprachwerkstatt, Daniela Codres. Ihre erwachsenen Schüler, die unter anderem aus dem Iran, Syrien und Usbekistan stammen, nehmen sechs Monate an der vom Jobcenter Pforzheim finanzierten Sprachwerkstatt teil. Zwei Tage pro Woche setzen sie sich dabei mit den Rechten und Pflichten aller in Deutschland lebenden Personen auseinander und lernen wichtige Abläufe im Berufsleben kennen. An den übrigen drei Tagen arbeiten die Teilnehmer gemeinsam handwerklich an mehreren Produkten.

Die Sprachwerkstatt sei gleich aus mehreren Gründen effektiv, so Andreas Hennrichs vom Jobcenter. „Zunächst einmal können die Teilnehmer ihre Sprachkenntnisse als Gruppe in die Praxis umsetzen. Dem einen oder anderen wird außerdem die handwerkliche Beschäftigung als berufliche Option gefallen.“ Die Sprachwerkstatt solle den Teilnehmern den Einstieg ins Berufsleben ermöglichen.