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Im Wörterbuch muss Sprachmittlerin Katharina Rapp bei ihrer Arbeit mit Flüchtlingen nur selten nachschlagen. Foto: Seibel
Im Wörterbuch muss Sprachmittlerin Katharina Rapp bei ihrer Arbeit mit Flüchtlingen nur selten nachschlagen. Foto: Seibel
02.09.2015

Sprachmittlerin begleitet Flüchtlinge zum Arzt und auf Ämter

Pforzheim. Katharina Rapp weiß, wie wichtig es ist, die Sprache zu beherrschen, die im eigenen Aufenthaltsland gesprochen wird. Schließlich kam die 64-Jährige vor 50 Jahren als Spätaussiedlerin in die Bundesrepublik, Deutsch konnte sie damals nicht. Nur Serbokroatisch. Ähnlich ergeht es heute zahlreichen Flüchtlingen, die in Deutschland aufgenommen werden. Müssen sie dringend zum Arzt oder wollen mal eben ein Konto eröffnen, stehen sie vor unüberwindbaren Sprachbarrieren. Hier kommt Rapp ins Spiel. Seit Jahresbeginn begleitet die Sprachmittlerin für die Diakonie Pforzheim Asylsuchende aus Serbien, Kroatien, Bosnien oder dem Kosovo bei Arztbesuchen und Behördengängen.

Die Pforzheimerin trifft sich mit den Flüchtlingen vor der Arztpraxis. „Im Wartezimmer schildern mir die Betroffenen dann ihre Beschwerden, damit ich vorbereitet bin, bevor es ins Sprechzimmer geht“, beschreibt Rapp ihre ehrenamtliche Tätigkeit. „Oftmals kennen die Flüchtlinge die Geräte, mit denen sie untersucht werden, aus ihrem Herkunftsland gar nicht“, erzählt sie. Dann erkläre die Sprachmittlerin genau, wie die Untersuchung ablaufen werde. Spezifische Krankheitsbilder gebe es bei den Flüchtlingen nicht. Die meisten sind schon einige Monate in Pforzheim und kommen mit Beschwerden wie Zahnschmerzen, Migräne, Depressionen oder Magenbeschwerden. „Ich hatte die Möglichkeit, die Sprache intensiv zu lernen“, so die Sprachmittlerin. „Ich möchte etwas davon zurückgeben.“ Die 64-Jährige findet, es müsse insgesamt mehr Förderung in Sachen Sprache geben – und mehr Bemühungen seitens der hier ankommenden Flüchtlinge: „Da sind beide Seiten gefragt.“

Die Diakonie Pforzheim ist auf der Suche nach weiteren ehrenamtlichen Sprachmittlern, insbesondere für die Sprachen Albanisch, Arabisch, Kurmandschi (die Sprache der Yeziden) sowie Tigrinisch (Eritreisch). Interessierte können sich bei Milena Kukolj von der Flüchtlingsberatung telefonisch unter (0 72 31) 37 87 15 melden oder per E-Mail an milena.kukolj@diakonie-pf.de.

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