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Die Zeitung für den nächsten Tag saust an Marul vorbei. Halterin Ina Panzer gibt Sicherheit. Keller
Marul hat Günther Faulhaber gefunden und bekommt zur Belohnung eine besondere Leckerei von Halterin Ina Panzer.
Gabi Krayl und ihre Amerikanische Bulldoge Don meistern die Wendeltreppe.
19.08.2018

Spürnasen trainieren im PZ-Druckhaus und im Siloah

Ratternde Maschinen können für Hunde beängstigend sein, von ihrer Fährte bringt sie das aber nicht ab – das hat der Übungseinsatz der vierbeinigen „Geruchsjäger“ in den Produktionsräumen der „Pforzheimer Zeitung“ gezeigt. Wenige Tage zuvor waren Teams im Siloah St. Trudpert Klinikum unterwegs gewesen.

Die Hunde der „Geruchsjäger“ üben im Druckhaus

Ina Panzer und ihr Hund Marul machen sich am Freitagabend als erstes auf die Suche nach Günther Faulhaber, der zuerst durch die verschiedenen Stockwerke der Druckerei gelaufen ist und sich dann im PZ-Forum versteckt hat. Ein über die Stirn gewischtes Taschentuch dient den Hunden als Geruchsprobe. Marul schnuppert kaum daran und macht sich gleich auf den Weg ins Gebäude.

Es ist kurz nach 23 Uhr und die Druckmaschinen, die dem viereinhalb Jahre alte Ridgeback Rüden deutlich verunsichern, rattern bereits. Die Spur verfolgt er aber tapfer weiter. „Jeder Hund kann Trailen lernen“, sagt Aike Kremser, der mit Stephanie Vetter im „Geruchsjäger Such- und Zughundezentrum Pforzheim“ Halter mit ihren Hunden anleitet. Der kleinste Hund in Ausbildung ist derzeit ein nur zweieinhalb Kilo schwerer Chihuahua, der schwerste wiegt 48 Kilo.

Bildergalerie: Mantrailing im Druckhaus der Pforzheimer Zeitung

Unbekanntes Gelände

Zehn Hundehalter nutzen an diesem Freitagabend die Gelegenheit, ihre Tiere im für sie unbekannten Gelände des PZ Druckhauses, eine Person suchen zu lassen. Für dieses sogenannte Mantrailing erschnuppern die Hunde die Spur der gesuchten Person.

„Es ist eine besondere Situation für die Tiere, denn um diese Zeit schlafen Hunde und Führer normalerweise“, erklärt Kremser. Lärm, Treppen und geschlossene Türen sind eine Herausforderung für die Tiere.

Besondere Schwierigkeiten bereitet nicht nur Marul eine enge, hohe Wendeltreppe mit Gitterstufen, die er eindeutig als Weg der gesuchten Person identifiziert. Erst als Ina Panzer entscheidet, die Treppe voranzugehen, folgt ihr Hund vertrauensvoll. Oben angekommen nimmt er wieder die Spur auf. Die Nase ist dabei nicht am Boden. Das ist auch nicht nötig, denn die Bewegungen der Maschinen und die Ventilatoren an der Decke sorgen für ständige Luftbewegungen und Verteilen die Hautpartikel im Raum – eine zusätzliche Herausforderung für die vierbeinigen Supernasen. Wer das Mensch-Hund-Team beobachtet, merkt, dass der Hund die Richtung vorgibt. „Im Alltag sagt der Mensch, wo es langgeht, hier muss der Hundehalter die Verantwortung an den Hund abgeben“, erklärt Stephanie Vetter. Statt einem Halsband trägen die Hunde ein spezielles Trail-Geschirr, mit dem sie ihren Haltern die Richtung anzeigen können. Es geht durch Türen und ein weiteres Treppenhaus, bis die versteckte Person tatsächlich gefunden ist. Die Leistung wird mit ausgiebigem Streicheln und Loben und vor allem mit einer besonderen Leckerei belohnt. Auch der zweite Kandidat, der knapp zweijährige Australian Shepherd Blue, lässt sich von den Maschinen beeindrucken und hat Schwierigkeiten, die Treppe zu erklimmen. „Die Maschinen haben ihn verunsichert, er hat mir keine deutlichen Zeichen gegeben“, erklärt seine Besitzerin Anne Loosch hinterher. Sehr viel selbstbewusster und mit fröhlichem Gemüt ausgestattet, geht Don die Sache an.

Die fünfjährige Amerikanische Bulldogge von Gabi Krayl ist ein wahrer Menschenfreund, begrüßt freudig einige Mitarbeiter des Hauses und schleckt sogar eine Hand ab, ohne dabei die Spurensuche zu vergessen. Erst die Wendeltreppe zeigt, dass sich auch ein massiges, über 40 Kilo schweres Tier fürchten kann. Am Ende der Spur ist die Freude riesig und zur späten Stunde sind dann alle zehn Teams stolz auf die gemeisterten Herausforderungen.

Tausende Geruchspartikel

Ebenfalls zehn Mantrailing-Teams der Geruchsjäger hatten einige Tage zuvor im Siloah St. Trudpert Klinikum nach Spuren gesucht. Das Krankenhausgelände sei für ein Training optimal, wie Aike Kremser schildert: „Lüftungs- und Abzugsschächte, die die Geruchspartikel verwehen, Desinfektionsgerüche, Glasfronten, an denen sich Geruchspartikel gerne festsaugen und dazu eine Umgebung, in der sich täglich sehr viele Menschen befinden und vorbeigehen, sind eine echte Herausforderung für die Mantrailing-Teams und die beste Übung für den Ernstfall, falls etwa eine Person vermisst und gesucht werden muss.“

Der Mensch verliere ständig Hautschuppen und Hautzellen mit seinem individuellen Duft – täglich sind es um die 40 000. Diese Hautpartikel würden verstreut, wenn der Mensch sich bewegt und bilden für Hunde, die bis zu mehrere tausend Geruchsbilder in der Minute wahrnehmen können, die Spur für ihre Suche. Krankenhausdirektor Dr. Ulrich Schulze begleitete die Teams, ließ sich die Arbeit von Stephanie Vetter, die ebenfalls wie Kremser zuvor Ausbilderin bei der Rettungshundestaffel Enzkreis war, erklären und war Zeuge, wie an diesem Abend alle ihre Trails mit Bravour gemeistert haben.