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Stundenlang ist Ammoniak aus einem Leck in der St.-Maur-Halle ausgetreten. Die Feuerwehr Pforzheim musste das Atemgift mit Wasser niederschlagen und binden. Die Eislaufhalle beim Enzauenpark wird wohl mindestens drei Wochen lang geschlossen bleiben. © Seibel
Ammoniak muss die Feuerwehr mit Wasser binden. Das Gas strömt seit Stunden aus der Eislaufhalle beim Pforzheimer Enzauenpark. © Meyer
23.11.2012

St.-Maur-Halle: Ammoniak strömt aus, Eisfläche taut

Winterzeit, Eislaufzeit. Außer im Eislaufzentrum der St.-Maur-Halle beim Enzauenpark in Pforzheim. Dort taut die Eisfläche. Unfreiwillig allerdings, denn durch einen großen Ammoniakunfall ist die Kühlanlage defekt. Die Feuerwehr arbeitet seit Stunden daran, das austretende Gas mit einer gesprühten Wasserwand niederzuschlagen. In den nächsten drei Wochen dürfte die Eislaufhalle geschlossen bleiben – und anderem auch zum Leidwesen der Pforzheimer Eishockey-Akteure der Blue Gold Stars, die nun mit dem Ligaspielbetrieb große Probleme haben werden.

Bildergalerie: Feuerwehr muss Ammoniak stundenlang mit Wasser binden

Bildergalerie: Ammoniakunfall in St.-Maur-Halle: Großeinsatz der Feuerwehr

Die automatische Brandmeldeanlage der St.-Maur-Halle hat am Donnerstag um 22:16 Uhr die Feuerwehr Pforzheim alarmiert. Vor Ort stellten die Einsatzkräfte fest, dass in einem Technikraum im Untergeschoss der Halle eine Leitung der Kühlanlage defekt war und Ammoniak ausströmte. Die mit Chemikalienschutzanzügen vorgehenden Trupps der Feuerwehr konnten in den Betriebsräumen das Leck zwar finden, aber wegen der Vereisung nicht abdichten. Die Freisetzung des Ammoniaks konnte daher bislang nicht gestoppt werden.

Die im Außenbereich gemessene Konzentration des Atemgifts liegt unterhalb des sogenannten Arbeitsplatzgrenzwertes, eine Gefährdung für Anwohner oder benachbarte Firmen liegt daher nicht vor. Eine Spezialfirma, die den Ammoniaktank entleeren kann, wird erst am Vormittag vor Ort sein. Bis dahin wird das ausströmende Ammoniak durch die Feuerwehr mit Wasser niedergeschlagen. Ein benachbartes Einkaufszentrum öffnete am Freitag wegen des Unfalls etwas später.

Spezialisten des Umweltamtes haben den Unfallort begutachtet. Nach ersten Informationen von PZ-news besteht keine Gefahr für die Umwelt. Auch das mit Ammoniak versetzte Löschwasser und das in der Eisfläche gebundene Wasser würden anscheinend keine Gefahr für Enz oder Klärwerk bedeuten.

Die Feuerwehr war zeitweise mit 60 Kräften im Einsatz, jetzt sind noch 15 Einsatzkräfte vor Ort, darunter eine Dekontaminationseinheit, denn die Chemieschutzanzüge der Feuerwehrleute müssen gleich nach dem Einsatz gereinigt werden. Der Feuerwehr-Grundschutz im Stadtgebiet wird von dienstfreien Beamten und Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr sichergestellt.

Die PKM Pforzheim Kongress- und Marketing GmbH musste alle Termine für die drei nächsten Wochen in der 1800 Quadratmeter großen St.-Maur-Halle absagen. Eislaufen, Eisdisco, Eishockey oder die jeden Donnerstag stattfindende Eissport-Schüler-AG der Nordstadtschule – nichts geht mehr bis Mitte Dezember. Die Betriebsräume stehen durch den Löscheinsatz unter Wasser und müssen erst trocken gelegt werden. Die Eisfläche taut weg, und noch ist nicht klar, wie schnell die Kühlanlage wieder repariert und das Eis wieder befahrbar gemacht werden kann.

Dieser Betriebsunfall stellt die Eishockey-Spieler der Blue Gold Stars des 1. CfR Pforzheim um Trainer Ken Filbey vor große Probleme. Am Sonntag hätte in der Halle beim Enzauenpark das Heimspiel gegen den ESC Hügelsheim 09 stattfinden sollen. Es wäre bereits das zweite Aufeinandertreffen beider Mannschaften in der laufenden Saison, Das erste Spiel in der St.-Maur-Halle gewannen die Blue Gold Stars unter dem Jubel der Zuschauer im Penalty-Schießen. Nun wird das Spiel wohl nach Bietigheim verlegt, wie Martin Hämmerle von den Blue Gold Stars erklärte.

Noch müsse man aber mit der Stadtverwaltung verhandeln, denn die Eishalle in Bietigheim könne man ja nicht gratis buchen. Und das mit den Extrakosten für den Verein wird noch weitergehen. Durch den mehrwöchigen Ausfall der Eisfläche werden nämlich das Training und die Heimspiele wohl in einer anderen Halle stattfinden müssen. Dafür müssen Termine gesucht werden - und am besten gleich auch noch ein Sponsor, der diese Extrakosten für die Blue Gold Stars des 1. CfR Pforzheim auffängt.

Mit dem Kühlmittel Ammoniak gibt es immer wieder Unfälle. Erst Ende September war die Stuttgarter Eishalle deshalb kurz geschlossen worden. Das stechend riechende Gas kann Atemwege reizen und in höheren Konzentrationen zu Erstickung, Verätzung und Lungenödemen führen.

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