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08.12.2008

Staatsanwalt fordert elf Jahre Haft für möglichen Anstifter von Brandanschlag

PFORZHEIM. Strafen zwischen acht und elf Jahren für die drei Angeklagten türkischer Staatsangehörigkeit hat die Pforzheimer Staatsanwältin Katharina Stohrer im Fall der Brandstiftung im Wohnhaus an der Belfortstraße vor dem Schwurgericht Karlsruhe gefordert. Das Urteil wird am Dienstag um 11 Uhr verkündet.

In der Hauptverhandlung – der Prozess begann am 1. Dezember – müssen sich drei türkische Staatsangehörige wegen des Vorwurfs des versuchten Mordes in 15 Fällen, der schweren Brandstiftung und der Anstiftung zu der Tat verantworten. Zwei Angeklagten im Alter von 27 und 32 Jahren wird zur Last gelegt, in der Nacht von 6. auf 7. April 2008 ein Wohnhaus an der Belfortstraße in Brand gesetzt und den Tod von 15 Hausbewohnern in Kauf genommen zu haben.

Anstifter oder unschuldiges Opfer?

Ein 60-jähriger Unternehmer und Mit-Eigentümer eines in dem Haus befindlichen Pizza-Services soll die beiden zu der Tat angestiftet haben. Er machte von seinem Schweigerecht Gebrauch, ließ aber durch seine Verteidigerin Angela Maeß mitteilen, dass er unschuldig sei. Demzufolge plädierte sie auf Freispruch. Ihr Mandant habe kein Motiv, weil die Brandversicherung bei einer Brandstiftung nicht gezahlt hätte.

Nicht der 60-Jährige habe Streit mit Bewohnern des Hauses gehabt, sondern der geständige 27-jährige Brandleger, der sich durch diese Tat rächen wolle. „Und jetzt will er meinem Mandanten die Sache in die Schuhe schieben.“

"Heimtückische Tat"

Zuvor hatte die Staatsanwältin elf Jahre Haft für den mutmaßlichen Anstifter als Haupttäter beantragt. Er werde durch die beiden Mitangeklagten belastet. Für den geständigen 27-Jährigen forderte sie acht Jahre, für den teilgeständigen 32-jährigen Brandleger neun Jahre. Sie sprach von einer heimtückischen Tat mitten in der Nacht, in der die Hausbewohner schliefen. „Die Angeklagten hatten einen Schlüssel, um in das Haus einzudringen. Sie mieteten sich ein Fluchtauto, hatten ausreichend Zeit zum Überlegen und nahmen den Tod der Hausbewohner in Kauf“, so Anklägerin Stohrer.

Verteidiger Mathias Bürckle, Anwalt des 27-Jährigen, wies auf das glaubwürdige Geständnis seines Mandanten hin. Er habe aus einer Zwangslage heraus gehandelt. Außerdem müsse er mit seiner Abschiebung rechnen. Seine Strafe solle nicht über vier Jahre hinausgehen. Jürgen Möthrath, Verteidiger des 32-Jährigen, stellte keinen konkreten Strafantrag. Er wies drauf hin, dass keine Planung zu dritt vorgelegen habe. Die Gehilfenstellung seines Mandanten sei nicht auszuschließen.