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Begnadeter Redner: Jens Spahn (CDU, Mitte) an der Seite seines CDU-Bundestagskollegen Gunther Krichbaum und dem Chef der Jungen Union Enzkreis/Pforzheim, Phillipp Dörflinger. Die JU hatte in die Weinbar Müssle eingeladen. Foto: Meyer
Begnadeter Redner: Jens Spahn (CDU, Mitte) an der Seite seines CDU-Bundestagskollegen Gunther Krichbaum und dem Chef der Jungen Union Enzkreis/Pforzheim, Phillipp Dörflinger. Die JU hatte in die Weinbar Müssle eingeladen. Foto: Meyer
11.07.2017

Staatssekretär und CDU-Politiker Jens Spahn zeigt in Pforzheim klare Kante

Pforzheim. Jens Spahn ist ein gefragter Mann dieser Tage: Dem Termin am frühen Dienstagabend in der Goldstadt folgen noch zwei in Rastatt und Offenburg. Spahn ist jung, eloquent, offen schwul und ehrgeizig. Vor allem aber trifft der Staatssekretär bei Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) den Nerv vieler CDU-Anhänger bei der Flüchtlingspolitik und beim Thema Islam. Das zieht – die Weinbar Müssle ist nicht gerade groß, aber gesteckt voll mit Interessierten.

Immer wieder hat sich der 37-Jährige von der Linie der Kanzlerin abgesetzt. Hat als einer der ersten in seiner Partei ein Burka-Verbot gefordert, sich für den Abschied von der doppelten Staatsbürgerschaft stark gemacht. Im „Spiegel“ war jüngst zu lesen, dass der Nachwuchsstar der Konservativen einst gerne Angela Merkel beerben würde. Gerade aber tritt er an, um für Merkels CDU Wahlkampf zu machen.

Während die Zuhörer also bei Kaffee und Wein sitzen, spult der Westfale seinen Standardvortrag runter. Botschaft: „Wir leben im besten Deutschland, das es jemals gab.“ Die Arbeitslosenzahl ist auf Niedrigrekordstand, der Bundesetat kommt ohne neue Schulden aus, sogar die Lebenserwartung steige täglich um sechs Stunden, wie der ehemalige Gesundheitspolitiker verrät. Und bei der im September anstehenden Bundestagswahl geht es darum, das zu bewahren. Die Alternative zur CDU wäre laut Spahn das Schreckgespenst Rot-Rot-Grün – also Sahra Wagenknecht an der Stelle seines Chefs. Man hat den Eindruck, die Krawalle der Linksextremen vom Wochenende passen ganz gut in seine Argumentationskette. Die „Blauäugigkeit“ im Umgang mit diesen habe sich nun hoffentlich erledigt, meint Spahn.

„Deutschland 2017. Was uns zusammenhält“ – so ist der Vortrag mit anschließender Diskussion überschrieben. Was also hält uns zusammen? Nach Spahns Ansicht sind das Werte – neben den materiellen vor allem die ideellen. Der gelernte Bankkaufmann, der neben seiner politischen Karriere an der Fernuni Hagen seinen Master in Politikwissenschaften nachlegte, definiert Werte gerne in Abgrenzung zum politischen Gegner – und vor allem zum Islam: Er ist gegen Zwangsheirat, gegen Kinderehen und Ehrenmorde – wer nicht? Aber Spahn bezieht eben auch klar Position gegen zu viel Stoff im weiblichen Antlitz – so hört man das nicht von jedem in seiner Partei: Vollverschleierung sei „das Gegenteil dessen, was eine offene Gesellschaft ausmacht“. Er sagt: „Entweder sind das kulturelle Errungenschaften, für die wir kämpfen müssen, oder wir können es bleibenlassen.“ Mehr konservative klare Kante verlangt ein Besucher in der anschließenden Diskussion von der CDU. Von Spahn bekommt er sie. Illegal nach Europa gereiste Flüchtlinge (also so ziemlich alle) würde er am liebsten auf direktem Weg an die Küsten zurückschippern, von denen sie gekommen sind. „Wenn man das mal zwei Wochen macht, hätte sich das Geschäftsmodell der Schlepper bald erledigt.“

Das sind die Sätze, die die Zuhörer von ihm hören wollen. Auch wenn den größten Applaus des Abends Gunther Krichbaum einheimst. Dem Pforzheimer Bundestagsabgeordneten, der in 75 Tagen wieder um das Direktmandat kämpft, bleibt es überlassen, topaktuell die Rückkehr des Polizeipräsidiums nach Pforzheim zu verkünden. Da kann Spahn dann doch nicht mithalten.

Auch wenn die Art und Weise, wie er abschließend für Merkel als die „bessere Alternative für Deutschland“ wirbt, durchaus zweischneidig ist. Der Stuttgarter Alt-OB Manfred Rommel habe ja einst in Sachen Alternativen gesagt: „70 werden ist nicht schön, aber die Alternative ist schlechter.“

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