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Im Gemeindesaal der Altstadtkirche diskutieren die Podiumsmitglieder Uwe Bux, Monika Müller, Hans Gölz-Eisinger und Sabine Jost (von links) mit Bewohnern der Oststadt über die Notfallunterkunft für Flüchtlinge in zwei ehemaligen Thales-Gebäudekomplexen.
Im Gemeindesaal der Altstadtkirche diskutieren die Podiumsmitglieder Uwe Bux, Monika Müller, Hans Gölz-Eisinger und Sabine Jost (von links) mit Bewohnern der Oststadt über die Notfallunterkunft für Flüchtlinge in zwei ehemaligen Thales-Gebäudekomplexen. © Meyer
12.11.2015

Stadt gibt zu: Thales als Asylunterkunft nicht optimal, aber nötig

Man kann es sehen wie Stadtkirchenpfarrer Hans Gölz-Eisinger, zum wiederholten Mal Moderator zahlreicher Bürgerinformationsversammlungen zum Thema Asylbewerberunterkünfte: „Wir haben ein fantastisches Gebäude zur Verfügung gestellt bekommen“, sagt er im Gemeindesaal der evangelischen Altstadtkirche.

Gölz-Eisinger bezieht sich auf die Logistik – viel besser als eine Turnhalle oder gar ein Zelt – und die Zahl der unterzubringenden Flüchtlinge: Nicht 300, sondern insgesamt 420 werden es in der Notfallunterkunft, zwei ehemaligen Thales-Gebäuden an der Östlichen, sein. Man kann es sehen wie einige direkte Anwohner: Eine – zusätzlich zu Flüchtlingsunterkünften im Eutinger Tal – weitere Zusammenballung von Asylsuchenden in einem Stadtteil mit ohnehin überproportional hohem Migrantenanteil könne nicht gutgehen.

Man kann es sehen wie Sozialbürgermeisterin Monika Müller, die einräumt, ideal sei der Standort sicherlich nicht – und hätte man eine Wahl gehabt, hätte man auf Thales verzichtet. Habe man aber nicht, sagt Müller – und so beginnt voraussichtlich am kommenden Montag die Belegung mit den ersten 60 Flüchtlingen.

Man kann es sehen wie Polizeioberrat Uwe Bux. Er leitete das Revier Nord, in dessen Zuständigkeitsbereich die künftige Notfallunterkunft liegt – und er verweist auf die Erfahrung, die man beim Präsidium Karlsruhe (Stadt- und Landkreis Karlsruhe, Stadtkreis Pforzheim, Enzkreis und Kreis Calw) mit insgesamt über 400 Flüchtlingsunterkünften einschließlich der zwei Landeserstaufnahmestellen (LEA) im Präsidiumsbereich habe und infolge dessen über Erfahrungswerte verfüge. Bux sagt in Richtung des Publikums – es sind rund 100 Menschen gekommen, die sich mündlich oder auf Facebook bitter beschweren, dass mit der Anwohnerinformation etwas gewaltig schiefgelaufen sei: „Wir hoffen auf Ihre Mitarbeit.“ Er wolle nicht, dass „die Polizei alleine in die Verantwortung geschickt“ werde.

Man kann es sehen wie Anwohner, die Angst vor mehr Verbrechen, mehr Fremdartigkeit haben – oder so wie andere Zuhörer, die sich als Ehrenamtliche um Flüchtlinge, gerade traumatisierten Frauen und vor einer Dämonisierung der Zuweisung von Asylsuchenden warnen.

Man kann es sehen wie Sabine Jost, Geschäftsführerin des Diakonischen Werks Pforzheim-Stadt, das für die Flüchtlingssozialarbeit zuständig ist und in den vergangenen Jahren – der Not gehorchend – personell immer weiter wachsen musste und die pragmatisch auf ein Treffen Ende November mit weiteren potenziellen Ehrenamtlichen setzt, um der Lage Herr zu werden.

Hier können Sie im Liveticker den Verlauf des Infoabends nachlesen.

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