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A n der Karolingerstraße 27 bieten Prostituierte auf zwei Etagen ihre Dienste an. Nun beherbergt das Haus – allerdings mit Eingang an der Pfälzer straße – auch noch die Pforzheimer Zentrale der „Hells Angels“. Die Anwohner haben Angst, dass es jetzt unruhig werden könnte in der Nordstadt.
A n der Karolingerstraße 27 bieten Prostituierte auf zwei Etagen ihre Dienste an. Nun beherbergt das Haus – allerdings mit Eingang an der Pfälzer straße – auch noch die Pforzheimer Zentrale der „Hells Angels“. Die Anwohner haben Angst, dass es jetzt unruhig werden könnte in der Nordstadt. © privat
20.10.2008

Stadt offenbar machtlos gegen „Hells Angels“-Bordell

PFORZHEIM. Mit einem Freudenhaus in der Pforzheimer Nordstadt – eine Terminwohnung mehr oder weniger – hätten sich die Bürger arrangieren können. Doch ein Bordell als Clubhaus der „Hells Angels“? Da hat man Angst.

Üblicherweise steht das Thema Verkehr ganz oben auf der Agenda des Bürgervereins Nordstadt in Pforzheim. Auch im Anwesen Karolingerstraße 27 spielt Verkehr eine wichtige Rolle – allerdings in anderer Hinsicht. Auf zwei Etagen versprechen die häufig wechselnden Mieterinnen: „Hier werden Männerträume wahr.“ Dass das Haus mit der gelben Fassade zur Karolingerstraße ein Freudenhaus ist, weiß man in der Nordstadt – und man weiß auch, dass daran verwaltungsjuristisch nichts zu kritteln ist. Auch benehmen sich laut Nachbarschaft sowohl die Damen als auch die Freier diskret. Doch seit Freitag vergangener Woche dient die Immobilie zusätzlich als Ortsniederlassung („chapter“) der Rockergruppe „Hells Angels“ (die PZ berichtete) mit Eingang an der Pfälzerstraße.

„Wir sind darüber nicht glücklich“, sagt der städtische Pressesprecher Michael Strohmayer. Nahezu wortgleich äußert sich sein Kollege von der Polizei, Wolfgang Schick. Die Ordnungsmacht hatte zwar am Freitag über drei Stunden lang demonstrativ Präsenz bewiesen und in der Nordstadt drei Kontrollpunkte installiert – doch das hatte den Teilnehmern der Gründungsfete nur ein müdes Grinsen entlockt. Die meisten von ihnen kamen nach PZ-Informationen aus Karlsruhe und waren keineswegs überrascht, dass sie von einem Großaufgebot an Bereitschaftspolizei und Kripo erwartet wurden.

Doch was sollte man ihnen anhaben? Gegen keine der insgesamt 130 kontrollierten Personen lag etwas strafrechtlich Relevantes vor. Die anreisenden Gäste verheimlichten nicht, wohin es sie zog. Praktischerweise soll das Haus, in dem früher eine Schmuckfabrik beheimatet war, vor zwei Jahren von einem Mann ersteigert worden sein, der selbst Mitglied er „Hells Angels“ sein soll – es wäre nicht das erste Bordell, das von den Rockern gemanagt wird. Regine Hahn, Vorsitzende des Bürgervereins, fürchtet, „dass es jetzt unruhig wird.“

Polizeisprecher Wolfgang Schick hingegen glaubt kaum, dass es in der Nordstadt zu etwas Spektakulärem kommen wird („Größere Events machen die außerhalb“). So bleibt’s bei einem netten Grillabend im Hinterhof des Hauses. Hier ließen es sich Prostituierte und Kuttenträger am Freitag gemeinsam schmecken.