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 Foto: Meyer 

Stadt will sich Victor-Rehm-Bau sichern – Gemeinderat soll übers Vorkaufsrecht entscheiden

Pforzheim. Das Gebäude des Elektrokleinteile-Herstellers Victor Rehm an der Enz zwischen Rossbrücke und Herz-Jesu-Kirche, malerisch gegenüber dem Bootspick gelegen, gilt vielen als städtebauliches Schmuckstück.

Alleine schon wie die Rundung des dreistöckigen Hauses den Bogen des Flusses aufnimmt, beflügelt die Kreativität – aber: Kein Kaufangebot war dem Besitzer bisher gut genug. Das könnte sich nun ändern: Victor Rehm hat Ende März Insolvenz angemeldet.

Bei der IG Metall, die die Interessen der Belegschaft vertritt, sieht man gute Chancen für eine Übernahme und einen Fortbestand des Unternehmens, wie der zuständige IG-Metall-Sekretär Arno Rastätter sagt. Die Frist für Bieter sei verlängert worden bis Mitte August, zwei oder drei ordentliche Angebote hält er für realistisch. „Aber wenn die Produktion weitergeht, dann mit Sicherheit nicht mehr an diesem Standort.“

Nachträglich auf Tagesordnung

Der sei zu groß, und – auch und gerade wegen der Lage – zu teuer. Sprich: Eine Immobilie an dieser Stelle als überdimensionierte Produktionsstätte zu nutzen, ist totes Kapital. Und neben dem Interesse, die Arbeitsplätze zu retten, gehe es der Gewerkschaft auch darum, die Ansprüche der Gläubiger – darunter ebenfalls der Beschäftigten – zu sichern, sagt Rastätter. In dieser Situation, in der ein etwaiger Verkauf oder auch Weiterverkauf möglich scheint, haben OB Peter Boch und Baubürgermeisterin Sibylle Schüssler nun einen Tagesordnungspunkt für die letzte Sitzung des alten Gemeinderats am kommenden Dienstag, 23. Juli, nachgereicht und zur Vorberatung noch eine gemeinsame Sitzung des Planungsausschusses angesetzt. Der Gemeinderat soll beschließen, dass die Stadt ein besonderes Vorkaufsrecht ausspricht. Und: Ein Bebauungsplan soll aufgestellt, damit zusammenhängend eine Veränderungssperre erlassen werden. Kurz gesagt: Das Rathaus will den Daumen drauf haben, um Fehlentwicklungen zu vermeiden. Die Gewerkschaft hätte kein Problem damit, sagt Rastätter – ein solches Vorkaufsrecht würde ja die Höhe des Kaufpreises und somit die Finanzen des Betriebs nicht tangieren.

Auch der Brauereibesitzer, Hotelier und Großgastronom Wolfgang Scheidtweiler fände es nach eigenem Bekunden gut, wenn die Stadt aktiv wird. Vor vielen Jahren, noch zu Zeiten eines Kulturbürgermeisters Gert Hager (2003 bis 2009), habe man als „Parkhotel“ mit der dahinter stehenden Investorengruppe detaillierte eigene Pläne vorgestellt. „Wir blicken mit Interesse auf das Thema“, formuliert Scheidtweiler vielsagend. Stets war es um eine Mischung aus gastronomischer und kultureller Nutzung gegangen, unter anderem mit der Idee, dass die Pforzheim-Galerie von der Bleichstraße ins Victor-Rehm-Gebäude ziehen könnte. Auch jüngst war der markante Bau wieder Gegenstand von Überlegungen für eine kulturelle Nutzung: Er könnte beim geplanten Schmuckdesign-Großevent Ornamenta II in einigen Jahren eine wichtige Rolle spielen.

Marek Klimanski

Marek Klimanski

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