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Am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus berichtet Christian Könne über die Homosexuellenverfolgung in Pforzheim.  Foto: Tilo Keller 

Stadtarchiv präsentiert Forschungsergebnisse zum Thema „Homosexuelle als Opfer des Nationalsozialismus“

Pforzheim. Anlässlich des Tags zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus ist auch die unter diesem Motto gestanden. Im Stadtarchiv hat Christian Könne über seine aktuellen Forschungserkenntnisse zur Homosexuellenverfolgung im Nationalsozialismus in Pforzheim berichtet. Das Thema hat viele Interessierte angezogen, dass alle Sitzplätze belegt waren und einzelne Zuhörer stehend zuhörten.

„Das nationalsozialistische Regime hat unendliches Leid gebracht, das soll niemals vergessen werden“, sagte Claudia Baumbusch, stellvertretende Kulturamtsleiterin der Stadt Pforzheim, die Oberbürgermeister Peter Boch vertrat. Sie stellte fest, dass unter den Opfern des Nationalsozialismus auch Bürger aus Pforzheim waren, aber auch unter den Tätern seien Pforzheimer gewesen. „Es soll heute um Menschen und ihre Verfolgungsschicksale gehen“, sagte Stadtarchivleiterin Klara Deecke und machte darauf aufmerksam, dass bei den nächsten Stolpersteinen im März auch zwei Steine für homosexuelle Opfer dabei sein werden. Deecke stellte den Referenten Christian Könne vor und bezeichnete Pforzheim als seine Heimatstadt.

Der promovierte Historiker, Gymnasiallehrer und Referent für Geschichte am Pädagogischen Institut Rheinland-Pfalz lebt heute in Mannheim und arbeitet in Speyer. Könne berichtete, dass er zunächst in Heidelberg über den Arzt und Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld (1868 – 1935) geforscht habe und dabei auf seinen Mitbewohner, einen Arzt aus Pforzheim, gestoßen sei.

Daraufhin habe er sich an das Pforzheimer Stadtarchiv gewandt, um einen Aufsatz zu schreiben. Allerdings habe er festgestellt, dass so viel ungesichtetes Material da sei, dass er sich für eine Publikation entschieden habe, die zum Jahresende erscheinen soll. Könne hielt fest, dass – ausgehend von den Ideen der französischen Revolution – Homosexualität in vielen Staaten zur Abschaffung der Gesetze „widernatürlicher Unzucht“ führten. Um 1872 war Homosexualität mit der Einführung von Paragraf 175 wieder ein Straftatbestand, der im Jahr 1969 reformiert und erst im Jahr 1994 ersatzlos aufgehoben wurde. Im Nationalsozialismus galt eine verschärfte Form des Paragrafen. „Schon ein Blick galt als Beweis für Homosexualität“, erklärte Könne. Zu den zentralen Stichwortgebern dieser Zeit zählte er Robert Gaupp aus Pforzheim-Calw, der davon sprach, dass auch „sexuell abnorme Menschen ausgemerzt“ werden müssten.

Gefängnis war die erste Station

Der Historiker berichtete von fünf Männern aus Ellmendingen, die im Jahr 1937 wegen widernatürlicher Unzucht vor Gericht standen. „Gefängnis war die erste Station, was hinterher passiert ist, wissen wir nicht“, erklärte er und schloss auch die Einlieferung ins Konzentrationslager nicht aus. Er berichtete weiter, dass Homosexuelle in Lagern durch Arbeit vernichtet wurden oder Testosteron-Versuche ausgesetzt waren. „Sie hatten die schlechtesten Überlebensquoten“, sagte Könne.

Aus den Reihen der Zuhörer gab es Fragen zum geplanten Buch sowie zu den Quellen. „Ich habe Glück gehabt, in Pforzheim Zeitzeugen zu treffen“, merkte Könne an. Insgesamt gebe es nur zwölf Berichte von homosexuellen Männern über ihre Konzentrationslagersituation.