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Kuratorin Chris Gehring lässt im Stadtmuseum Geschichte glänzen. Foto: Ketterl
Kuratorin Chris Gehring lässt im Stadtmuseum Geschichte glänzen. Foto: Ketterl
Die Leihgabe aus dem Generallandesarchiv Karlsruhe führt es vor Augen: Am 6. April 1767 genehmigte der Markgraf die Gründung einer Uhrenfabrik. Foto: Ketterl
Die Leihgabe aus dem Generallandesarchiv Karlsruhe führt es vor Augen: Am 6. April 1767 genehmigte der Markgraf die Gründung einer Uhrenfabrik. Foto: Ketterl
18.11.2016

Stadtmuseum zeigt Original-Urkunde vom Ursprung der Goldstadt

Pforzheim. Unter all den mit Schmuck bestückten Vitrinen im Brötzinger Stadtmuseum wird eine ganz sicher viele Pforzheimer magisch anziehen. Denn deren Inhalt bringt selbst Experten aus der Fassung. Kalt sei es ihr den Rücken heruntergelaufen, als sie dieses Dokument in Händen hielt, gesteht Dr. Chris Gehring, die Kuratorin der Ausstellung, die am Sonntag eröffnet wird: „Das ist der Kuss der Geschichte, der einen da anhaucht.“

Die Rede ist vom bedeutungsschwangeren Dekret, das Markgraf Karl Friedrich von Baden am 6. April 1767 höchstselbst unterzeichnet hat. Damit erhielten der Franzose Jean-Francois Autran und der Schweizer Jacques Ador das Privileg, in Pforzheims Waisenhaus eine Uhrenfabrik zu gründen – der Ursprung der Goldstadt, die 2017 ihr 250-jähriges Bestehen feiert. Kulturbürgermeisterin Sibylle Schüssler spricht denn auch vom „Prunkstück“ der Schau mit dem Titel „Frühe Schmuck- und Bijouteriemanufakturen: Hanau, Pforzheim, Schwäbisch Gmünd“. Die Karlsruher Kuratorin Gehring setzt darin drei Städte in Relation, die einst mit ihrer Luxusindustrie frühindustrielle Veränderungen im Handwerk aufwiesen. Spezialisierte Berufe – Guillocheur, Lapideur, Polisseuse – bildeten sich heraus, arbeitsteilige Produktion gewann an Bedeutung.

Diese Auftaktveranstaltung fürs Goldstadt-Jubiläum bietet viele denkwürdige Hingucker. Eine Kopie des 1620 geschaffenen Hanauer Ratspokals etwa, im 19. Jahrhundert gefertigt von der Manufaktur Schleissner, die bis heute produziert. Auch unter den Exponaten mit Pforzheim-Bezug finden sich klingende Namen: Benckiser, Zerrenner, Speidel, Lutz & Weiss. Beeindruckend exakt sind Zeichnungen in Muster- und Schulbüchern. Wie Schüssler herausstellt, war Pforzheims Goldschmiedeschule „die erste Berufsschule der Welt“, das deutsche duale Bildungssystem sei „Exportschlager“ geworden. Gehring nennt 250 Jahre Goldstadt „eine echte Erfolgsgeschichte“, auf die man „wirklich stolz“ sein könne. Pforzheim habe aus den Ursprüngen „Know-how gesogen, das Unternehmen bis heute trägt und ihnen Weltmarktführerschaft beschert“. Darüber berichten etwa Herbert Mohr-Mayer, früherer Inhaber von Victor Mayer, oder Goldschmiedeschuldirektor Michael Kiefer bei begleitenden Veranstaltungen im Frühjahr.

Die Schau wird am Sonntag um 11.30 Uhr eröffnet. Sie ist mittwochs und donnerstags von 14 bis 17 Uhr, sonntags von 10 bis 17 Uhr zu sehen. Mehr Infos gibt es auf www.kultur.pforzheim.de