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Die Stadtwerke Pforzheim kommen nicht zur Ruhe. Foto: Moritz
Die Stadtwerke Pforzheim kommen nicht zur Ruhe. Foto: Moritz
19.01.2019

Stadtwerke-Prüfer vorerst ausgebremst: SWP schalten Anwälte ein

Pforzheim. Die Nervosität ist groß in Teilen der Stadtwerke Pforzheim, seitdem klar ist, dass die Prüfer von Ernst & Young (EY) den Gewinneinbruch bei den Stadtwerken Pforzheim (SWP) untersuchen sollen.

Ein SWP-Mitarbeiter geht sogar so weit: „Die Stimmung war schon die letzten Monate schlecht. Jetzt ist sie am Boden.“ Auch der Betriebsrat bestätigte am Freitag im Gespräch mit der PZ, dass Unruhe herrsche in der Belegschaft.

Noch aber hat die Untersuchung gar nicht richtig begonnen, weil die Geschäftsführung um Roger Heidt und Thomas Engelhard sowie der Betriebsrat die Vereinbarung mit EY jeweils rechtlich prüfen lassen wollen. Offiziell hat der Betriebsrat in einem Schreiben, das der PZ vorliegt, die Geschäftsleitung aufgefordert, „sämtliche Untersuchungen, Befragungen und die vollumfängliche Datensammlung umgehend zu stoppen“, bis eine umfassende rechtliche Prüfung vorliege, die man umgehend in Auftrag geben werde.

Bis dahin fordert der Betriebsrat die Geschäftsführung nachdrücklich auf, den Auftrag an die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft nicht zu unterzeichnen. Außerdem besteht die Mitarbeitervertretung auf eine unverzügliche Aushändigung des Prüfauftrags. Man wolle die Untersuchung allerdings nicht verhindern. Im Gegenteil: Das Gremium begrüße die externe Prüfung ausdrücklich. Aber laut dem Betriebsverfassungsgesetz sei man verpflichtet, die Mitarbeiter der SWP „adäquat zu beraten und zu begleiten“, so Betriebsratschef Henry Wiedemann gegenüber der PZ. Die Stadtwerke ihrerseits lassen die Mandatsvereinbarung mit EY ebenfalls rechtlich prüfen, wie der für Finanzen zuständige Geschäftsführer Thomas Engelhard den Aufsichtsrat in einer E-Mail von Donnerstagabend hat wissen lassen. Engelhard betonte in seinem Schreiben an die Aufsichtsratsmitglieder, dass die SWP diese Angelegenheit gemeinsam mit dem Aufsichtsrat „in aller Konstruktivität und Offenheit behandeln werden“. Dennoch sei man daran interessiert, dass die Prüfung im Einklang mit den einschlägigen Vorschriften erfolge. Insgesamt soll die Untersuchung bis zu 117.000 Euro kosten. Eine hiesige Rechtsanwaltskanzlei ist mit der rechtlichen Prüfung der Mandatsvereinbarung beauftragt worden. Die Anwälte sicherten in einer Antwort an Engelhard und den Vorsitzenden Geschäftsführer Roger Heidt zu, eine Stellungnahme so kurzfristig als möglich zu übermitteln.

Grund der Untersuchung ist der massive Gewinneinbruch von 11,5 Millionen Euro im Jahr 2017 auf 4,2 Millionen vergangenes Jahr. Aufzuklären wäre auch, warum die SWP-Chefs Heidt und Engelhard den Aufsichtsrat wochenlang nicht über die Probleme informiert haben.

Dass Geschäftsleitung und Betriebsrat die Prüfer von EY nun erstmal ausbremsen, wollte am Freitag Aufsichtsratschef und Erster Bürgermeister Dirk Büscher nicht weiter kommentieren. Er gehe davon aus, dass allen Beteiligten an einer schnellen und umfangreichen Aufarbeitung im Sinne des Unternehmens gelegen sei. Wer aber hat EY nun offiziell das Mandat erteilt – der Aufsichtsrat oder die Stadtwerke selbst? „Es war der Wunsch des Aufsichtsrats, die Hintergründe, die zum Verlust in der Sparte Stromvertrieb führten, extern aufarbeiten zu lassen“, betonte Büscher gegenüber der PZ. Es gehöre zu den Pflichten und Rechten eines Aufsichtsrats, „bei einem solchen außergewöhnlichen Ereignis die Überwachungstätigkeit deutlich zu intensivieren“. Nach Informationen der PZ wird die Arbeit von EY allerdings nicht etwa von den im Aufsichtsgremium vertretenen Gesellschaftern Stadt Pforzheim und Thüga AG, sondern von den SWP selbst bezahlt.

Ernst & Young befangen?

Das wird unter Beobachtern im Hinblick auf eine unabhängige Prüfung durchaus kritisch gesehen. Hinzu kommt, dass Ernst & Young in der Vergangenheit auch die Jahresabschlüsse bei den SWP überprüft hat. Das könnte ebenfalls einen Interessenskonflikt darstellen. Allerdings wurden die letzten beiden Bilanzen nach PZ-Informationen von PWC, einer ebenfalls renommierten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, unter die Lupe genommen. Konfliktpotenzial kann Büscher jedenfalls nicht erkennen. „Ernst & Young ist eine anerkannte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und bringt die entsprechende Fachlichkeit für eine solche Aufarbeitung mit“, so der Aufsichtsratsvorsitzende.

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Izmir Übül
19.01.2019
Stadtwerke-Prüfer vorerst ausgebremst: SWP schalten Anwälte ein

Man konnte es sich fast schon denken, dass bei den SWP ordentlich Feuer unter der Hütte ist. Die flüchtigen Millionen sind schließlich nicht einfach so verschwunden. Wer hier nun ordentlich Dreck am Stecken hat, gehört schnellstens aufgeklärt. Einschließlich personeller Konsequenzen. Wenn man im Internet gezielt nach den Begriffen SWP und Beschwerden sucht, findet man relativ schnell viele Geschädigte, die sich über unlautere Vertriebsmethoden der SWP bei der Bundesnetzagentur beschwert ...... mehr...

Schrader
19.01.2019
Stadtwerke-Prüfer vorerst ausgebremst: SWP schalten Anwälte ein

Soll da möglicherweise etwas verdunkelt werden, weil jemand Leichen im Keller herumliegen hat? Vieles in dem Betrieb erscheint seltsam, befremdlich und nicht ko0scher. Man gewinnt zudem den Eindruck, als habe der Betriebsratschef mehr zu sagen als die Geschäftsleitung. Zudem hat in jedem Falle der Aufsichtsrat als Kontrollinstanz die Kosten der Untersuchung zu tragen und keinesfalls der Untersuchte. Vieles hat hier mehr als nur ein G'schmäckle. mehr...

Schreiberling
19.01.2019
Stadtwerke-Prüfer vorerst ausgebremst: SWP schalten Anwälte ein

Das wird immer besser. Da will doch tatsächlich die dubiose Truppe die Aufdeckung verhindern. Da sollte besser die Kavallerie einreiten. Und wenn ein Aufsichtsrat in der Zeitung verkündet, er würde ja schon gern Auskunft bekommen, wenn er denn nur wüsste, wonach er fragen soll, dann sollte nicht nur die SWP sondern auch der Aufsichtsrat auf den Prüfstand. Schließlich geht es um das Geld, das die Kunden verdienen und dann abdrücken müssen. mehr...

karlevonderhöh
22.01.2019
Stadtwerke-Prüfer vorerst ausgebremst: SWP schalten Anwälte ein

Nicht nur die Prüfer wurden ausgebremst. Zehntausende Stadtwerkekunden wurden von Heidt belogen und betrogen.... mehr...