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18.08.2014

Städte setzen soziale Netzwerke ein - "Gesamtstrategie" für Pforzheim

Stuttgart/Karlsruhe/Pforzheim. Soziale Netzwerke werden von den Städten im Südwesten für ganz verschiedene Aufgaben eingesetzt. Neben dem Branchenriesen Facebook ist der Online-Nachrichtendienst Twitter sehr beliebt.

Städte und Gemeinden im Land nutzen die Sozialen Netzwerke, um mit Bürgern in Kontakt zu bleiben. Die meisten Kommunen sehen in Twitter und Facebook zusätzliche Kanäle für die Verbreitung offizieller Mitteilungen oder zur Werbung für Veranstaltungen. Daneben verfolgen die Verantwortlichen in mehreren Städten die Diskussionen im Netz, um Anregungen zu finden und neue Entwicklungen frühzeitig zu erkennen, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab.

In Pforzheim nutzt man gleich alle großen Internetdienste, um Mitteilungen vom Rathaus zu den Nutzern von Facebook, Twitter, Google+ und Youtube zu bringen. Die Stadt arbeitet nach Angaben eines Sprechers zurzeit an einer «Gesamtstrategie, um die einzelnen Kanäle noch besser zu bedienen». Mit der Betreuung dieser Seiten ist mitunter so viel Aufwand verbunden, dass sich die Stadtverwaltung Mannheim zum Outsourcing an eine Agentur entschieden hat.

Die Stadt Stuttgart versucht auf den mitgliederstarken Portalen Facebook und Twitter, einen «Dialog mit den Bürgern herzustellen», wie Sprecherin Ulrike Bretz erklärt. Die Auftritte der Landeshauptstadt in Sozialen Medien würden hier seit Jahren von einer Beauftragten der Online-Redaktion im Netz koordiniert. Man habe gute Erfahrungen damit gemacht, es sei jedoch aufwendig. In Karlsruhe sieht man die Rolle der Sozialen Netzwerke kritischer: Bürgerbeteiligung - etwa bei Projekten zur Stadtentwicklung - werde zwar zunehmend wichtiger. «Hierbei ist allerdings fraglich, ob Facebook und Twitter die geeigneten Kanäle sind, um solche Prozesse abzubilden.»

Die Entscheidung zwischen den unterschiedlichen Portalen fällt im Land unterschiedlich aus: In Ludwigsburg und Aalen schwört man auf den Marktführer Facebook. Die Freiburger Stadtverwaltung hingegen setzt ganz auf Twitter. Im April 2008 ist Freiburg mit einem offiziellen Info-Account als erste deutsche Stadt dort beigetreten, wie Sprecherin Edith Lamersdorf erklärt. Seitdem twittert das Rathaus regelmäßig über Politik und Kultur aus der badischen Großstadtszene.

Eine Facebook-Seite für Freiburg gebe es bewusst nicht, sagt Lamersdorf. «Wir wollen unsere Bürger nicht zwingen, sich bei einem Anbieter anzumelden, der es mit dem Datenschutz nicht so genau nimmt». Hingegen ließen sich Ludwigsburg und Aalen von den Facebook-Möglichkeiten überzeugen, die amtlichen Texte mit Bildern und Videos interessanter zu gestalten: «Es sollen ja nicht nur trockene Verwaltungsthemen verbreitet werden.»

Auch für touristische Zwecke wird Facebook meist der Vorzug vor Twitter gegeben. So weist die Stadt Emmendingen dort auf aktuelle Termine und Veranstaltungen hin und erklärt: «Mit Facebook können wir regelmäßig Bürger erreichen, die nicht unsere Website besuchen.» Die Erfahrungen zur Nutzung von Facebook als Marketing-Instrument seien gut.

Aus der ganzen Welt kann man die Ansprachen des Konstanzer Oberbürgermeisters Ulrich Burchardt (CDU) anschauen. Dessen Reden werden bei Youtube hochgeladen. Das Konzept stecke aber noch «in den Kinderschuhen», sagte eine Stadtsprecherin.

Besonders stolz auf die Arbeit mit den Sozialen Medien ist man in Reutlingen: Nach dem schweren Hagelunwetter im Jahr 2013 habe die Stadtverwaltung sogar einen Preis für ihre Online-Kommunikation erhalten, sagt ein Sprecher. Das Rathaus hielt die Bewohner im Kreis damals über den Stand der Rettungseinsätze auf dem Laufenden, konnte Ratschläge schnell verbreiten und schließlich die Suche nach Handwerkern für den Wiederaufbau erleichtern.

Die Städte sind sich der Gefahr einer missbräuchlichen Verwendung ihres Namens bewusst und beobachten das genau. «Sollten Personen mit gefälschtem Account im Namen der Stadt Offenburg an die Öffentlichkeit gehen, werden wir - soweit möglich - rechtliche Schritte einleiten, insbesondere bei Nutzung des Stadtwappens und Stadtlogos.» Emmendingen hat in der Vergangenheit bereits sichergestellt, dass fälschlich im Namen der Stadt angelegte Accounts gelöscht oder umbenannt wurden.

Eine klare Strategie zur Bewertung von Fälschungen hat Bruchsal: «Gegenwärtig kann jede offizielle Meldung der Stadt Bruchsal (über die Sozialen Medien) nur ein 'Fake' sein, weil wir die Sozialen Medien nicht für unsere Öffentlichkeitsarbeit nutzen.»

Social-Media-Richtlinien für Mitarbeiter gibt es in den Stadtverwaltungen bisher kaum. In Pforzheim, Baden-Baden und Emmendingen werden solche Grundsätze gerade vorbereitet. Dabei solle auf «die strikte Trennung von beruflicher und privater Meinung» geachtet werden, heißt es etwa in Emmendingen.

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