nach oben
Der Publizist und Städteforscher Charles Landry spricht im gut gefüllten PZ-Forum vor Architekten sowie Vertretern aus Politik, Kultur und Gesellschaft über den Umgang mit den Ressourcen Pforzheims. Foto: Meyer
18.01.2019

Städteforscher Charles Landry: Pforzheim soll sich kreativ behaupten

Dass wissen Sie alles viel besser als ich: Dieser Satz zieht sich als roter Faden durch den Vortrags- und Diskussionsabend mit dem britischen Städteforscher Charles Landry im PZ-Forum. Und er scheint der Schlüssel für Landrys Arbeitsweise zu sein: Dieser hatte sich tagsüber die Goldstadt mit ihren neuralgischen Punkten zeigen lassen und hält abends beim Vortrag der Zuhörerschaft den Spiegel vor, indem er hauptsächlich Fragen stellt.

Wie selbstbewusst ist Pforzheim? Verfügt es über unverwechselbare Extra-Orte? Passen die Regeln noch zu den Visionen? Und auf welche thematischen Schwerpunkte bei der Stadtentwicklung möchten die Bürger den Fokus legen? Landry fokussiert als Berater von Kommunen immer die Potenziale der kreativen Stadt als Motor für die Entwicklung. Er lotet aus, welche Emotionen zu einem positiven Imagewandel beitragen können. Zu seinem Vortrag aus der Reihe „What if…“ des Dezernats für Planen, Bauen, Umwelt Kultur“ legt er vor 200 Zuhörern im PZ-Forum dar, wie sich Städte wie Pforzheim – auch wenn sie sich nicht als Kulturhauptstadt bewerben – künftig behaupten können.

[ Exklusiv für Abonennten: Darum nennt der Städteforscher die Zerrennerstraße eine Zertrennerstraße ]

In dem Vortrag „Das Potenzial kleinerer Städte in einer nomadischen Welt vergrößern“ beschreibt er eine tiefe Sehnsucht der Bürger, dass Städte nicht nur marktgetrieben funktionieren, sondern über besondere, einzigartige Ort verfügen und Platz bereit stellen müssen für emphatische Begegnung.

Bildergalerie: Städteforscher Charles Landry zu Gast in Pforzheim

Suche nach Identität

Das werde immer dann problematisch, wenn die Polizei komme und etwa eine Gruppe Syrer vom Marktplatz vertreibe, erklärt Hartmut Wagner, der ehemalige Geschäftsführer der SjR Betriebs GmbH, im Zuhörerraum. Aus Landrys Sicht erfolge immer dann ein echter Austausch im Sinn von Integration, wenn sich verschiedene Nationen gegenüberstünden.

Im Gespräch mit Marek Klimanski, Chefreporter der „Pforzheimer Zeitung“, lobt Landry Pforzheim als Stadt mit kostengünstigen Rahmenbedingungen und einer Nachkriegsarchitektur, die sich zur Identitätsstiftung durchaus eigene. Das sei ein Standortvorteil und locke Neubürger. „Sie müssen Emotionen wecken und neue Impulse setzen.“

Mehr lesen Sie am Samstag in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.

Charles Landry ist wissenschaftlicher Autor, Berater und begeisterter Redner: Seit Jahrzehnten postuliert der Publizist und britische Städteforscher die kreative Stadt. Mit seiner Consulting-Agentur Comedia, die er 1978 gegründet hat, hat er Messmethoden entwickelt, um die Bedeutung von Kreativwirtschaft zu erheben, damit Städte ihr Potenzial entwickeln können. Er hat rund 500 Projekte in 35 Ländern realisiert und hat sich mit seinen Analysen auch der Kritik ausgesetzt. Landry studierte in Großbritannien, Deutschland sowie Italien Wirtschaft, Politik und Geschichte. Bereits in den 1970er-Jahren beschäftigte er sich mit der Thematik, welchen Einfluss die Faktoren Kultur und Kreativität auf die künftige Entwicklung der Städte nehmen. Städte und Regionen, die auch in Zukunft erfolgreich sein wollen, müssen in der Lage sein, kreatives Potenzial auszubilden. Landry entwickelte eine Strategie zur Schaffung einer kreativen Stadt.