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Millionenfach wurden Videos der todkranken Brittany Maynard geklickt, die sich mit ihrem geplanten Suizid für ärztliche Sterbehilfe stark machte.
Millionenfach wurden Videos der todkranken Brittany Maynard geklickt, die sich mit ihrem geplanten Suizid für ärztliche Sterbehilfe stark machte. 

Sterbehilfe? Zahlen und Fakten zur Bundestags-Entscheidung

Es ist ein Ereignis mit Seltenheitswert: Am Freitag entscheidet der Bundestag völlig ohne Koalitionszwang über die Zukunft der Sterbehilfe. In einer aktuellen Umfrage lehnen diese nur zwölf Prozent der Deutschen völlig ab. Vor der Abstimmung - und zur Begleitung der PZ-Themenausgabe "Leben mit dem Tod" - fasst PZ-news die wichtigsten Fakten dazu zusammen.

Die "Pforzheimer Zeitung" widmete seine Allerheiligen-Ausgabe am 31.Oktober/1.November dem Thema "Leben mit dem Tod". Der November ist der Monat des Gedenkens an die Verstorbenen. Deshalb fanden die PZ-Leser in der heutigen Ausgabe viele Artikel, die sich mit dem Tod befassen – und wie man lernt, damit umzugehen. PZ-Abonennten können sich die Ausgabe hier als E-Paper ansehen.

Der Bundestag will die Sterbehilfe in Deutschland neu regeln. Die aktuelle Rechtslage sieht wie folgt aus: 

AKTIVE STERBEHILFE: Sie ist in Deutschland strafbar. Wer jemanden auf dessen Wunsch tötet, wird wegen Tötung auf Verlangen mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft.

PASSIVE STERBEHILFE: Gemeint ist der Abbruch lebenserhaltender Maßnahmen. Laut Bundesgerichtshof dürfen Ärzte die Maßnahmen auch dann abbrechen, wenn der Patient noch nicht kurz vor dem Tod steht. Sie müssen sie abbrechen, wenn der Patient das will.

INDIREKTE STERBEHILFE: Die Verabreichung starker Schmerzmittel, die durch ihre Wirkung auf geschwächte Organe das Leben verkürzen können, ist nicht strafbar - wenn dies dem Willen eines extrem leidenden, sterbenden Menschen entspricht.

BEIHILFE ZUM SUIZID: Suizid und Beihilfe zum Suizid sind nicht strafbar. Das heißt, ein Mittel zur Selbsttötung bereitzustellen, das der Betroffene selbst einnimmt, ist erlaubt. 

VIER GESETZENTWÜRFE ZUR NEUREGELUNG werden am Freitag im Bundestag diskutiert:

1. Eine Koalitionsgruppe um Peter Hintze (CDU), Carola Reimann und Karl Lauterbach (beide SPD) will für sterbenskranke, schwerst leidende Menschen die Möglichkeit des ärztlich begleiteten Suizids schaffen und dies im Zivilrecht regeln. Hierfür plädiert auch Pforzheims SPD-Bundestagsabgeordnete Katja Mast.

2. Eine fraktionsübergreifende Gruppe um Michael Brand (CDU), Kerstin Griese (SPD), Kathrin Vogler (Linke) und Elisabeth Scharfenberg (Grüne) will die geschäftsmäßige, auf Wiederholung angelegte Förderung der Sterbehilfe unter Strafe stellen. Ansonsten sollen die bisherigen Regelungen gelten. Dies ist auch die Position des CDU-Bundestagsabgeordneten aus der Region, Gunther Krichbaum.

3. Eine Gruppe um Renate Künast (Grüne), Petra Sitte (Linke) und Kai Gehring (Grüne) betont die Straffreiheit der Beihilfe zum Suizid. Sie will aber Beihilfe zur Selbsttötung «aus Gründen des eigenen Profits» (gewerbsmäßiges Handeln) bestrafen. Sterbehilfevereine sind danach erlaubt, sofern sie keinen Profit erzielen wollen.

4. Eine Gruppe um Patrick Sensburg und Thomas Dörflinger (beide CDU) will mit einem neuen Paragrafen 217 Strafgesetzbuch «Anstiftung und Beihilfe an einer Selbsttötung» verbieten. Nur in extremen Ausnahmefällen von großem Leid solle dies straffrei bleiben. Das ist die schärfste strafrechtliche Regelung.