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© Symbolbild: dpa
27.07.2017

Stiefsohn mit Wasserwaage geschlagen

Der Angeklagte Hans K. (Name geändert) aus Pforzheim gibt alles zu – das beschleunigt den Prozess, vor dem Amtsgericht enorm. Dem 37-Jährigen wird vorgeworfen, seinen zwölfjährigen Stiefsohn Soad (Name geändert) im Zeitraum von 2015 bis 2016 mehrere Male körperlich misshandelt zu haben, in einem Fall davon schwer.

An besagtem Tag, dem 11. Juni 2016, habe der Angeklagte seinen Schutzbefohlenen mehrmals mit einer ein Meter langen Wasserwaage auf den Schulterbereich geschlagen, so dass deutliche Blutergüsse zurückgeblieben seien.

Grund dafür sei gewesen, dass Soad zum wiederholten Male Geld aus dem Portemonnaie und Sparschwein der Eltern geklaut habe. Außerdem sei an diesem Tag ein Brief von der Schule bekommen, der über das Fehlverhalten seines Stiefsohnes berichtet haben soll. Ein damals stattfindender Umzug innerhalb Pforzheims habe den dreifachen Vater zusätzlich in Stress versetzt. „Ich wünschte, ich könnte es rückgängig machen. Aber das kann ich leider nicht“, sagt Hans K. in Richtung der Staatsanwältin Regina Schmid und der Richterin Miriam Streicher. Doch er sagt auch: „Ich habe ihm erklärt, dass nicht nur er daran schuld war, sondern dass auch ich Schuld habe.“

In zwei weiteren Fällen, die 2015 stattgefunden haben sollen, habe der Angeklagte außerdem mit einem Ledergürtel und der Strebe einer Kinderbettwand auf das bekleidete Gesäß von Soad geschlagen. Auch hier sei sein Fehlverhalten in der Schule der Grund gewesen. Hier räumt Hans K. allerdings keine Körperverletzung ein: Die Schläge, es soll jeweils einer gewesen sein, seien lediglich zum „Erschrecken“ gewesen. Der 37-Jährige, der zum zweiten Mal verheiratet ist und neben seinem Stiefsohn mit seiner Frau drei weitere kleine Kinder hat, habe selbst ein bewegtes Leben hinter sich: Auch er wäre von seinem Stiefvater geschlagen worden und sei in einem Jugendheim aufgewachsen.

Bis heute ist Hans K. neun Mal straffällig geworden – „quasi einmal durch das Strafgesetzbuch“, wie selbst seine Anwältin Susanne Burkhardt zugibt. Doch seine Reue in diesem Fall scheint glaubhaft. Die Richterin, die Staatsanwältin und die Anwältin sehen für Soad, der sich momentan bis auf unbestimmte Zeit in einem Kinderheim befindet, keine Gefahr. Der Zwölfjährige sei mittlerweile schon mehrmals zu Hause gewesen, und es habe keine Zwischenfälle gegeben. In ein paar Tagen geht er zusammen mit seiner Familie zwei Wochen nach Kroatien. Das Urteil lautet: ein Jahr und acht Monate auf Bewährung. Allerdings mit Familientherapie.