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08.08.2011

Stieftochter über 1000 Mal missbraucht?

PFORZHEIM. Kann oder will der Angeklagte das deutsche Rechtssystem nicht verstehen? Diese Frage drängt sich angesichts der neuerlichen Forderung eines Nordafrikaners auf, seine Ehefrau und die Stieftochter ein zweites Mal zu hören. Ihm wird zur Last gelegt, seine Stieftochter über Jahre hinweg sexuell missbraucht zu haben.

Während die Stieftochter am ersten Verhandlungstag mehrere Stunden unter Ausschluss der Öffentlichkeit aussagte, machte seine Frau von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Am Montag forderte der Angeklagte über einen Dolmetscher zum wiederholten Mal, beide Zeuginnen erneut zu hören. „Ich habe so viele Fragen“, führte er als Begründung an.

Seine Ehefrau hat in Telefonaten mit Rechtsanwältin Susanne Burkhardt mehrfach betont, dass sie den Gerichtssaal nicht betreten werde. Außerdem zweifelte der Angeklagte die Richtigkeit der ausgewerteten Computerdaten an und bestand auf ein „neutrales Gutachten“. Ein Polizist hatte zwar zahlreiche pornografische Bilder, aber keinerlei Chatverläufe gefunden. Noch steht nicht fest, ob Rechtsanwältin Burkhardt die entsprechenden Anträge stellen wird.

Ein für den mittlerweile fünften Prozesstag geladener Zeuge hält sich im Ausland auf und konnte nicht vernommen werden. Daher griff die Große Auswärtige Strafkammer des Landgerichts Karlsruhe auf die polizeiliche Vernehmung zurück. Bei der Polizei bestritt der Bekannte des Angeklagten, dass das mutmaßliche Opfer ihn leicht bekleidet umworben hätte. Dazu sollte der Angeklagte seine Stieftochter angehalten haben.

Der nächste Verhandlungstag ist am Mittwoch, 24. August, um 9 Uhr. Dann soll ein Gutachten verlesen werden. Außerdem könnte nach den Plädoyers das Urteil fallen. de