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Im Einsatz für die Pforzheimer Vesperkirche: der freiwillige Helfer Matthias, Vesperkirchen-Organisatorin Gabriele Napiwotzki und Polizeifreiwilliger Paul Czerkies.
Im Einsatz für die Pforzheimer Vesperkirche: der freiwillige Helfer Matthias, Vesperkirchen-Organisatorin Gabriele Napiwotzki und Polizeifreiwilliger Paul Czerkies. © Polizei
19.02.2016

Straffällige Jugendliche unterstützen Vesperkirche

Pforzheim. 2015 unterstützten junge Strafgefangene der Justizvollzugsanstalt Pforzheim die ehrenamtlichen Helfer bei der Pforzheimer Vesperkirche. Nach der Schließung der Anstalt sprang in diesem Jahr das Pforzheimer Haus des Jugendrechts mit Jugendlichen ein, die im niederschwelligen Bereich straffällig geworden sind. Sie erhielten die Möglichkeit, ihre von der Staatsanwaltschaft oder dem Gericht auferlegten Arbeitsstunden durch gemeinnützige Tätigkeiten in sozialem Umfeld abzuleisten, um wertvolle Erfahrung im Umgang mit bedürftigen Menschen sammeln zu können.

Das Projekt war eine gemeinsame Idee von Polizeihauptkommissar Volker Weingardt vom Haus des Jugendrechts und dem Polizeifreiwilligen Paul Czerkies, der im Hauptamt als Justizvollzugsbeamter tätig ist. Beide unterstützen Jugendliche bei ihrem Weg aus der Straffälligkeit in ein geordnetes Leben. Sie haben bereits in der Vergangenheit gemeinsam zahlreiche soziale Projekte als Team realisiert und stets positive Rückmeldungen seitens der inhaftierten Jugendlichen oder der mit Arbeitsstunden versehenen Jugendlichen sowie den unterstützten Institutionen erhalten.

Nach einer Andacht und gemeinsamem Gesang mit den ehrenamtlichen Helfern wurden die Jugendlichen den unterschiedlichen Stationen zugeordnet. Darunter war auch ein freiwilliger Teilnehmer, der in seinem bisherigen Leben keinen Kontakt mit bedürftigen Menschen hatte und dementsprechend mit Berührungsängsten an den Tag heran ging. Matthias, ein 16-jähriger angehender Pferdewirt, wollte außerhalb seines geregelten und gut behüteten Familienlebens eine Erfahrung im Dienste der Allgemeinheit sammeln.

Die Vesperkirche füllte sich zügig mit dankbaren Besuchern und den Jugendlichen wurde schnell ihre Rolle als willkommene Helfer deutlich. Mit Begeisterung, Engagement und Respekt packten sie an der Spülmaschine, bei der Essensausgabe und auch beim Raumdienst tatkräftig mit an. Vor allem der Kontakt mit den Besuchern eröffnete den Jugendlichen eine neue Sicht auf das Leben sowie die Zukunft und beseitigte Vorurteile gegenüber Menschen, die aus unterschiedlichsten Gründen ein weniger komfortables Leben führen müssen.

Am Nachmittag endete ihr Einsatz mit einem gemeinsamen Abschluss im Kreise der Helfer und der letzten Gäste. Einer der straffälligen Jugendlichen war derart von der Erfahrung Vesperkirche begeistert, dass er sich direkt für den zusätzlichen Dienst am Sonntag meldete und dort auch noch einmal tatkräftig mitarbeitete.

Sowohl die Organisatoren der Vesperkirche als auch die Vertreter vom Haus des Jugendrechts sind stolz auf das Geleistete und die Eindrücke, die das Denken des ein oder anderen geprägt haben. Aus diesem Grund wird die Zusammenarbeit für die kommenden Jahre fest eingeplant, so dass weitere junge Menschen die Chance bekommen, etwas für die Gesellschaft zu tun und das eigene Leben aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.

Wer im Rahmen der Gemeinnützigkeit gerne Unterstützung durch solche Jugendliche wünscht, kann sich mit einer Anfrage an das Haus des Jugendrechts unter Telefon (07231) 60500-40 oder über die Homepage www.haus-des-jugendrechts-pforzheim.de melden.