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Im PZ-Forum stellen Professor Peter Höfflin Professor und Baldo Blinkert (vorne von links) dem Publikum die Ergebnisse ihrer Studie vor. Ketterl
Im PZ-Forum stellen Professor Peter Höfflin Professor und Baldo Blinkert (vorne von links) dem Publikum die Ergebnisse ihrer Studie vor. Ketterl
24.11.2014

Studie betrachtet das Leben in der Stadt mit Kinderaugen

Dass es für Kinder – besonders im Alter von fünf bis neun Jahren – wichtig ist, im Freien ohne Beaufsichtigung zu spielen, ist der Ausgangspunkt der Studie „Raum für Kinderspiel!“ des Deutschen Kinderhilfswerks. Die Verfasser, Professor Baldo Blinkert vom Freiburger Institut für angewandte Sozialwissenschaften und Professor Peter Höfflin von der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg, haben die Ergebnisse gestern bei einer Veranstaltung des Bündnisses für Familie im PZ-Forum vorgestellt.

Um Erfahrungen zu sammeln, Interessen, Sozialkompetenz und Selbstbewusstsein zu entwickeln sowie die eigenen Fähigkeiten und Grenzen einzuschätzen, brauchen Kinder Freiräume in ihrem Lebensumfeld, so die These. Und um eben diese ist es in Pforzheim nicht allerorts gut bestellt.

Soziale Situation hat Einfluss

Aktionsräume im Wohnumfeld seien in Städten immer seltener geworden, so Blinkert. Ein Drittel der Kinder spiele überhaupt nicht unbeaufsichtigt draußen. Darauf hätten weder das Geschlecht noch die Sicherheitseinstellung der Eltern oder die Nutzung organisierter Angebote Einfluss.

Was jedoch eine Rolle spiele, sei die soziale Lage der Familie: „Es ist eher ein Phänomen der wohlsituierten Mittelschicht“, sagte er und plädierte für gemischte Wohnquartiere und weniger Zäune und Hecken, die in der Nachbarschaft freie Flächen begrenzten. Bei der Ortsbegehung seien verlassene Spielplätze aufgefallen. Besonders ältere Kinder seien von diesen häufig gelangweilt und wünschten sich funktional unbestimmte Flächen, die sie selbst gestalten können. „Die Verwirklichung kinderfreundlicher Politik scheitert nicht an Sachzwängen, sondern am Interesse der Erwachsenen, die vergessen haben, dass sie auch mal Kinder waren“, schloss Blinkert.

Dass der Alttag von Kindern in verschiedenen Stadtteilen sich immens unterscheidet, zeigte Peter Höfflin an den Beispielen Arlinger und Oststadt. In der Oststadt – ähnlich wie in nahezu allen innerstädtischen Wohnbereichen – nutzten die Kinder überdurchschnittlich oft Angebote und organisierte Betreuung sowie Medien. Im Arlinger hingegen – einem Quartier mit überdurchschnittlich guter Wohnumfeld- und Aktionsraumqualität – liege der Fokus auf beaufsichtigtem und freiem Spielen. Bei der anschließenden Podiumsdiskussion setzten sich Sozialbürgermeisterin Monika Müller, der Bundesgeschäftsführer des Kinderhilfswerkes, Holger Hofmann, die Vorsitzenden des Jugendgemeinderats, Patricia Pfisterer, sowie der Leiter des Hauses der Jugend, Martin Wetzel, und Martin Göckler vom Stadtplanungsamt mit den Ergebnissen der Studie auseinander.

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