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Liefert einen spannenden Vortrag: der Kieler Professor Konrad Ott. Foto: Läuter
Liefert einen spannenden Vortrag: der Kieler Professor Konrad Ott. Foto: Läuter
17.03.2016

Studium generale eröffnet Semester mit hochaktuellem Thema

Keine Frage: Kriege, Krisen, Naturkatastrophen, Klimaveränderungen und wachsende soziale Gefälle verändern unsere Welt jeden Tag und sind Auslöser für die größte Flüchtlingswelle, die der UNHCR (Hoher Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen) jemals zählen musste. Rund 60 Millionen Menschen sind derzeit weltweit auf der Flucht. Der Kieler Philosoph und Ethiker Konrad Ott hat sich aufgrund der aktuellen Flüchtlingsthematik in Deutschland beziehungsweise Europa, in einem Essay mit einer zentralen Frage auseinandergesetzt: Wie können ethisch begründete Antworten auf die Herausforderungen aussehen, die durch die Flüchtlingsbewegung entstehen? Beim ersten Termin des Studium generale des Semesters hat er den Beitrag vor gewohnt vollem Haus vorgestellt.

„Wir geraten in eine Epoche, in der das Ausmaß der globalen Flucht und Vertreibung sowie die zu deren Bewältigung notwendigen Reaktionen alles davor Gewesene in den Schatten stellen“, sagte der UN-Flüchtlingskommissar António Guterres vergangenes Jahr bei der Veröffentlichung der Jahresstatistik. Unter diesen Bedingungen ethisch zu handeln, kann laut Ott unter zwei völlig verschiedenen Leitsätzen stehen: Es kann „gesinnungsethisch“ oder „verantwortungsethisch“ orientiert sein. In der Gesinnungsethik würden bestimmte Prinzipien vorausgesetzt, ohne nach den Folgen oder Nebenwirkungen zu fragen. Sie ist sehr stark in der biblischen Tradition verankert und setzt beispielsweise denselben moralischen Wert jeder Person voraus. Sie berge aber die Gefahr, durch Ausweitung von Notlagen zu anerkannten Fluchtgründen ins Uferlose, ins Absurde zu führen. Dabei ist die begriffliche Unterscheidung von Flucht und Migration wichtig, denn flüchten muss man, migrieren möchte man, weil man auf der Suche nach einem besseren Leben für sich und seine Familie ist. So wie es viele deutsche Familien im 19. Jahrhundert taten und in die USA emigrierten.

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