nach oben
Suche Konrad 13.jpg
01.12.2012

Suchaktion mit Happy End: Junge gefunden

Pforzheim. "Wo ist Konrad?“ Diese Frage hat Dutzende Einsatzkräfte von Donnerstagabend an umgetrieben. Entsprechend groß ist nun bei allen Beteiligten die Erleichterung. Der zwölfjährige Junge, der sich auf den Weg zur Schule gemacht und nicht mehr heimgekehrt war, ist wohlauf und zurück bei seiner Familie.

Bildergalerie: Polizei-Großaufgebot sucht 12-Jährigen

Nach Angaben der Polizei kam der entscheidende Hinweis aus der Bevölkerung. Beamte der Ermittlungsgruppe „Suche“ griffen den Sechstklässler am Samstagabend in Pforzheim auf und brachten ihn zu seinen Eltern. Der Junge berichtete, in den vorangegangenen beiden Tagen bei einem Freund gewesen zu sein.

Suche am Boden und in der Luft

Auch wenn die Polizei keine Hinweise auf eine Straftat hatte und von Anfang an die Hoffnung hegte, dass der Zwölfjährige einen Unterschlupf gefunden hat, hatte sie nach Bekanntwerden seines Verschwindens nichts dem Zufall überlassen und alle Register gezogen. Die Vergangenheit lehrt, dass solche Fälle ein tragisches Ende nehmen können.

Noch in der Nacht zum Freitag – die Eltern hatten den Hebel-Gymnasiasten am Donnerstagabend als vermisst gemeldet – wurde am Boden und in der Luft mit Hochdruck gesucht. Spürhunde der Rettungshundestaffel kamen zum Einsatz. Ein Waldstück bei Brötzingen – nahe der Wohnung der Familie – wurde per Helikopter mit Wärmebildkamera abgesucht. Da die Ermittler schulische Probleme als Grund für das Verschwinden des Jungen vermuteten – abfallende Leistungen und gehäufte Fehlstunden hatten zu Konflikten in der Familie geführt – starteten sie Freitagfrüh umfassende Vernehmungen von Freunden und Bekannten, aber auch von Klassenkameraden und eltern sowie Lehrern des Hebel-Gymnasiums. Und die Polizei erhöhte noch einmal die Schlagzahl.

Eine zwölfköpfige Ermittlungsgruppe wurde eingerichtet. Aufs Neue kreiste der Hubschrauber über der Innenstadt, nach Annahme der Polizei dem wahrscheinlichsten Aufenthaltsort. Abermals versuchten Hunde, Witterung aufzunehmen. Sogar ein Mantrailer-Hund der rheinland-pfälzischen Polizei wurde angefordert. „Mehr kann man zum jetzigen Zeitpunkt nicht tun“, sagte Polizei-Chef Burkhard Metzger am Samstagmittag bei einer eilends einberufenen Pressekonferenz: „Bei einem Kind dieses Alters nehmen wir die Vermisstensuche sehr ernst.“ Laut Kripo-Leiter Hubert Wörner gilt in solchen Fällen die Maxime, lieber mit möglichst großem Aufwand zu arbeiten, als sich hinterher Vorwürfe machen zu müssen.

Spezialisten betreuen Eltern

In der wegen des Weihnachtsmarkts dicht bevölkerten Innenstadt machten sich 20 zivile und uniformierte Beamte auf die Suche nach Hinweisen, verteilten Flugblätter und hängten Suchplakate aus. Computer und Handy des Jungen wurden ausgewertet. Derweil betreuten speziell geschulte Kräfte Konrads Eltern. „Je länger es dauert, um so größer wird deren Beunruhigung“, sagte Kriminalhauptkommissar Klaus Vetter vom „Haus des Jugendrechts“ im PZ-Gespräch. Eins war klar: Angesichts der frostigen Temperaturen hätte der Junge keine Überlebenschance gehabt, wenn er sich über Nacht draußen aufgehalten hätte.

Die bisherigen Erkenntnisse ergeben noch ein verworrenes Bild. Laut Polizeisprecher Frank Otruba hatte der Junge zur Mutter seines Freundes gesagt, seine Eltern wüssten, dass er auswärts übernachte. Erst nach der zweiten Nacht habe sich die Frau einer Freundin anvertraut. Dass der Junge vorgab, die Festnetznummer seiner Familie nicht zu kennen – sie war jüngst umgezogen –, verzögerte die Rückmeldung weiter. Erst am Samstag um 19.30 Uhr kam die erlösende Nachricht. Die Kosten des Großeinsatzes trage das Land Baden-Württemberg.

Leserkommentare (0)