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Vermutlich mit seiner eigenen Waffe hat sich der Pforzheimer Kripochef erschossen. Zuvor hatte er in alkoholisiertem Zustand einen Unfall gebaut. 

Suizid: Pforzheimer Kripochef tot aufgefunden

Der Chef der Pforzheimer Kripo hat sich am Montagabend das Leben genommen. Polizei und Staatsanwalt bestätigten in einer Presseerklärung PZ-Informationen. Harald Kusterer wurde 57 Jahre alt. Am späten Nachmittag des Vortages hatte er in der Nähe seines Wohnhauses in Ispringen unter Alkoholeinwirkung einen Unfall verursacht, bei dem mehrere Tausend Euro Schaden entstanden. Ein Nachbar Kusterers rief die Verkehrspolizei, die eine Blutprobe anordnete und den Führerschein beschlagnahmte.

Am nächsten Morgen gegen 4.30 Uhr, also der Zeit, zu der er normalerweise mit dem Hund Gassi gehen sollte, entdeckte ihn seine Frau leblos im Fernsehzimmer. Ein Abschiedsbrief wurde nicht gefunden. Kusterer hatte sich vermutlich noch am Abend erschossen – mit einer privaten Schusswaffe, so Polizei und Staatsanwaltschaft. Seine Dienstpistole war in der Polizeidirektion unter Verschluss.

Der in Pforzheim geborene und in Ispringen wohnhafte Kriminaldirektor war seit dem Frühjahr krank geschrieben. Offiziell waren es Spätfolgen eines Vorfalls, der sich bereits im Februar 2009 bei Passau ereignet hatte. Ein Waldarbeiter hatte im Laufe einer verbalen Auseinandersetzung Kusterer mit einem Stiefel mit Stahlkappen getreten. Der Schienbeinkopf splitterte, Kusterer wurde ein Fall für die Reha.

Weihnachtsfeier abgesagt

„Wir sind zutiefst erschüttert“, sagt Polizeichef Burkhard Metzger. Bis zu seiner Krankmeldung war Kusterer in Personalunion Leiter der Kripo und Metzgers Stellvertreter. Kommissarisch wurden im Frühjahr von der Landespolizeidirektion im Regierungspräsidium Karlsruhe Stefan Hammer als Stellvertreter des Polizeichefs und Edwin Lust als Leiter der Kriminalpolizei eingesetzt. Letztere Stelle wird nun ausgeschrieben. Die für Freitag dieser Woche angesetzte Weihnachtsfeier der Polizeidirektion entfällt. Stattfinden wird hingegen am Donnerstag kommender Woche der traditionelle Weihnachtsmarkt im Hof der Polizei. Der Erlös geht an „Kiste“, der Beratungsstelle für Kinder suchtkranker Eltern in Pforzheim und dem Enzkreis. „Es wäre im Sinne des Verstorbenen gewesen“, sagt Polizeisprecher Wolfgang Schick.

Kusterer war 1972 Polizist geworden. Fünf Jahre später kam er in seine Heimatstadt zur Kripo, studierte an der Hochschule der Polizei in Villingen-Schwenningen, wo er später als Dozent für Kriminaltechnik unterrichtete, bevor er wieder nach Pforzheim wechselte. Im Jahr 2009 wurde er als beratendes Mitglied in den Jugendhilfeausschuss der Stadt Pforzheim bestellt.

Die weitere Fallbearbeitung wird vom Dezernat Sonderfälle der Landespolizeidirektion übernommen.