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Christine Müh freut sich über die Zusammenführung der Familie ihres Mitarbeiters Shawkat Siwasli aus Syrien mit seiner Frau Marwa und Sohn Taalat.  Foto: Seibel 

Syrischer KoKi-Mitarbeiter endlich mit der Familie vereint

Pforzheim. Man kann es sich kaum vorstellen: Die schwangere Frau bleibt zurück im Krieg, der eigene Sohn wächst mehr als zwei Jahre ohne Vater auf, und man selbst in einem fremden Land. Für Shawkat Siwasli hat der Alptraum vorerst ein Ende.

Für seine Frau Marwa und Sohn Taalat auch. Vor einer Woche konnte der 28-jährige Syrer, der inzwischen in Pforzheim lebt, die beiden am Frankfurter Flughafen in die Arme schließen. Die erste Begegnung von Vater und Sohn, die sich bislang nur vom Handybildschirm kannten, verlief noch zurückhaltend, doch schon seit der ersten Nacht in Deutschland sind die beiden unzertrennlich.

Dem vorausgegangen waren fast drei Jahre der Ungewissheit, nachdem dem 28-Jährigen die Flucht vor dem Militärdienst für das Regime in Syrien über Land und Wasser nach Deutschland gelungen war. Aus den ursprünglich erhofften sechs Monaten bis zur Familienzusammenführung wurden Jahre, Schwierigkeiten mit der Anerkennung als Flüchtling und Visa-Formalien waren Schuld. Bis zuletzt war das Leben für die 24-jährige Marwa, den gemeinsamen Sohn und die Familie im stark zerstörten Aleppo schwierig und spielte sich fast nur in den eigenen vier Wänden ab. Doch nicht mal da war Sicherheit garantiert. Auf dem eigenen Balkon wurde Marwas Vater von Geschoss-Splittern tödlich verletzt.

Vorerst ist die Familie in Sicherheit. Die gute Integration Ihres Mannes, der einen Mini-Job beim Kommunalen Kino gefunden hat und inzwischen – fließend, wenn auch nicht fehlerfrei, selbstverständlich – Deutsch spricht, macht Hoffnung. Angesichts des Erlebten, für Außenstehende kaum fassbar, scheint das, was kommt, überschaubar für die drei. Dennoch: Eine größere Wohnung brauchen sie, das allerdings dringend, da schon die Meldung beim Einwohneramt der beiden Nachzügler an der zu kleinen Einzimmerwohnung scheitert. Hilfe von Außen ist willkommen, Christine Müh, Chefin des Kommunalen Kinos, nimmt Hinweise gern entgegen. Sie hat Hoffnung, dass sich etwas ergibt, schon einmal hatten Unterstützer, Kinobesucher aus der Region und Filmemacher geholfen und Geld gesammelt, um die Reise von Frau und Sohn zu finanzieren. Für so viel Hilfsbereitschaft sind alle Beteiligten sehr dankbar.

An der Seite ihres Mannes, der sich in kürzester Zeit mustergültig integriert hat, im Kommunalen Kino mitarbeitet wie alle anderen Angestellten auch, kann nun auch die gelernte IT-Technikerin Marwa die ersten Schritte in ihr neues Leben wagen. Es sind oft die vermeintlich banalen Dinge des Alltags, die Vertrauen geben und Hoffnung wecken. Etwa, so erzählt der Vater, wenn er nachts unterwegs ist und Polizei sieht. „Das gibt mir ein Gefühl von Sicherheit.“ Die Polizei als Freund und Helfer, vertrauenswürdig, nicht korrumpiert und Zeichen einer funktionierenden Gesellschaft. Das Gegenteil davon sei der Fall in Syrien. Da ist die Polizei des Assad-Regimes für Shawkat ein Grund, Angst ums eigene Leben zu haben.