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Unter den „Macht und Pracht“ führt Christina Klittich (Mitte mit Heft) beim „Tag des offenen Denkmals“ auch durch den Stiftschor der Schlosskirche . Foto: Tilo Keller
Unter den „Macht und Pracht“ führt Christina Klittich (Mitte mit Heft) beim „Tag des offenen Denkmals“ auch durch den Stiftschor der Schlosskirche . Foto: Tilo Keller
Wissenswertes rund um den Alfons-Kern-Turm erfahren Vera und Rolf Stahl von Melike Helimergin (links). Foto: Tilo Keller
Wissenswertes rund um den Alfons-Kern-Turm erfahren Vera und Rolf Stahl von Melike Helimergin (links). Foto: Tilo Keller
10.09.2017

„Tag des offenen Denkmals“ bietet Einblicke in Gebäude der Stadt

Pforzheim. Das Foto hat sich Rolf Stahl ganz bewusst ausgesucht: Es zeigt den markanten Schriftzug des EMMA-Kreativzentrums. „Als alter Emma-Fan muss ich das ja nehmen“, sagt der gebürtige Pforzheimer schmunzelnd, der das Gebäude aus früheren Tagen kennt und dort noch Schulschwimmen hatte. Gemeinsam mit seiner Frau Vera ist Stahl am „Tag des offenen Denkmals“ in den Alfons-Kern-Turm gekommen, wo Melike Helimergin und Susanne Reinmüller vom Kulturamt im ersten Obergeschoss des Turms mit einer Mitmach-Aktion auf Besucher warten.

Mit Bürgern in Dialog kommen

Auf einem Tisch liegen zahlreiche Detailfotografien aus dem Umfeld des Alfons-Kern-Turms – eine Glühbirne etwa, ein Fenstergitter, verschmierte Fliesen oder eben jener EMMA-Schrifzug. Jeweils zwei Aufnahmen dürfen sich die Besucher aussuchen und dann damit im und um den Turm auf Spurensuche gehen. Vera Stahl hat ein Bild mit Fragmenten der markanten Sonnenuhr am ehemaligen Treppenhaus der 2010 abgebrochenen Gewerbeschule gewählt. Vor dem Gebäude erläutert ihr Helimergin das unter Denkmalschutz stehende Sonnenuhr-Keramikbild aus dem Jahr 1956 an der Südfassade, das auf die Tradition des Uhrmacherhandwerks in Pforzheim verweist und von den beiden Künstlern Wolfgang Kappis und Rolf Gröger geschaffen wurde.

„Wir wollen den Alfons-Kern-Turm bekannter machen und mit den Bürgern in einen Dialog kommen, wie sie zu den Gebäuden aus den 1950er-Jahren stehen“, erklärt Museumspädagogin Reinmüller. Dies sei auch im Hinblick auf die Entwicklung Innenstadt-Ost sehr wichtig. Aus diesem Grund dürfen die Besucher im Atelierraum nicht nur aus den Detailfotos Collagen basteln, sondern auch auf einem Plakat aufschreiben, was sie als denkmalwürdig erachten und ob sie das Motto des Denkmal-Tags „Macht und Pracht“ auch auf die Häuser aus der Nachkriegszeit übertragen würden.

Für Hanna Spohn passt „Pracht“ tatsächlich nicht zu den Gebäuden aus den 50ern. Dennoch fühlt sie sich sehr wohl in der Stadt, in der sie seit 1962 lebt: „Pforzheim ist schön“, sagt Spohn, die sich nicht nur den Alfons-Kern-Turm aus der Nähe ansehen will, sondern auch an einer Führung durch die Schloßkirche teilnimmt.

Vor dem Portal warten bereits rund 30 Interessierte, um sich von Kunsthistorikerin Christina Klittich in die Geschichte dieses bedeutendsten Bauwerks der Stadt einweihen zu lassen, das laut Klittich „sehr schön den Übergang von der Romnatik zur Frühgotik zeigt“. Die Kunsthistorikerin erläutert den Besuchern ebenso den ältesten Bauteil im Westen, der kurz vor 1200 entstanden ist, und weist auch auf moderne Ausstattungsstücke wie das Bronzeprotal hin. Und sie lässt die Besucher den besonderen Raumeindruck im Inneren des Gotteshauses genießen, der ohne Kirchenbänke in ihren Augen heller und großzügiger wirkt.

Bei einer späteren Führung geht es hingegen um markgräfliche Grablege und Grüfte und den Stiftschor der Schloßkirche – passend zum Motto „Macht und Pracht“ des „Tags des offenen Denkmals“, bei dem immer am zweiten Sonntag im September historische Bauten und Stätten ihre Pforten geöffnet haben.

So präsentiert sich das bauliche Kulturerbe der Goldstadt unter anderem auch mit dem Schmuckmuseum im Reuchlinhaus, dem Kollmar & Jourdan-Haus, dem Archäologischen Museum Kappelhof, dem Archivbau des ehemaligen markgräflichen Schlosses und dem Jugendstilraum der Christuskirche im Stadtteil Brötzingen.