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© Symbolbild: dpa
27.09.2017

Tankstellenüberfall: Freispruch vor der Großen Auswärtigen Strafkammer

Nach einem Überfall auf die Aral-Tankstelle in Büchenbronn am 10. Oktober 2013 war Carlos S. (Name geändert), einer der beiden Täter, Ende 2016 wegen schweren Raubs zu mehreren Jahren Haft verurteilt worden. Am Mittwoch erwartete sein mutmaßlicher spanischer Komplize und ehemaliger Arbeitskollege, Werner P., vor der Auswärtigen Großen Strafkammer des Landesgerichts Karlsruhe in Pforzheim seinen Urteilsspruch.

Carlos S. hatte ihn im Rahmen des ersten Prozesses als Mittäter benannt. Der 44-jährige Angeklagte hatte sich selbst in Spanien gestellt und musste eine Untersuchungshaft angetreten. Er hatte von Anfang an eine Beteiligung bei dem Raub abgestritten. Dem folgte nach Ende der Beweisaufnahme sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Kammer unter Vorsitz von Richter Ingo Merten in ihrem Freispruch-Urteil.

Es gebe keine objektiven Beweismittel, die eine Täterschaft belegten, so Mertgen. Der bereits verurteilte Carlos S. habe sich in seiner belastenden Aussage während des Prozesses in Widersprüche verwickelt und bestätigt, dass er mit dem Angeklagten verstritten war. Darin sah Mertgen einen von drei möglichen Gründen für die Behauptung, Werner P. sei der vermummten Komplize gewesen, der auf dem Video zu sehen ist. Zudem könne es sich um einen Racheakt gehandelt haben. Es gelte „im Zweifel für den Angeklagten“, so Mertgen.

Zudem sei auf dem Video weder die markante Handtätovierung des Angeklagten zu sehen gewesen noch spreche er einen russischen Akzent, wie von einer Zeugin beschrieben. Beim Überfall war die Einzelhandelskauffrau Maria K. mit einem Messer bedroht worden, während ein Vermummter die Kasse ausraubte. Wochenlang war die 26-Jährige wegen Angststörungen arbeitsunfähig. Blutspuren führten über eine DNA-Analyse zu Carlos S. Dem Freigelassenen steht jetzt eine Entschädigung für die U-Haft zu. mof